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Enslaved – "Axioma Ethica Odini"

27. September 2010 | ME | Musikrezensionen | 2.100 mal gelesen

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Black Jazz und Sängerkrieg

Enslaved - "Axioma Ethica Odini"Die norwegischen Blackrocker ENSLAVED haben mit "Axioma Ethica Odini" wieder einen wunderbaren Brocken Gold aus den Höhlen von Moria zusammengeklaubt. Unheimlich eigentlich, wie versiert, intelligent und mutig diese Band seit "Isa" zu Werke geht. Denn inzwischen gelingt die Symbiose von Prog, Postrock und Black Metal vortrefflich, passen die Ingredienzen zusammen. Und immer preschen sie vorwärts, nehmen wir den Opener "Ethica Odini": "Fast and furios" geht es durch die Strophenphase mitten hinein in den Forst, grimmige Growls, gemeines Gefauche findet seine Auflösung in einem weit ausholenden Klarrefrain, der zunächst beruhigt, bis Grutle erneut seine hinterhältige, äußerst gute Waldschrat-Stimme einsetzt.  .

ENSLAVED schwimmen NICHT im Mainstream, stellen Anforderungen an den Hörer. Obwohl mehr und mehr rockige und auch progige Vibes Einklang in den Soundkosmos halten, atmosphärische Breaks die Vorlieben der Band für Siebzigermusik andeuten, werden die düsteren Black Metal-Wurzeln nicht verleugnet. Schon im Opener finden sich Gesangslinien, die sich  an cleverem Alternative- oder Indierock orientieren. Doch stets werden selbige wie zum Trotz durch Grutles garstige Vocals konterkariert.

"Raidho" hämmert, hier setzen ENSLAVED postrockige Leads hinter den harschen Black Metal, die spärlich eingesetzten, umso eindringlicheren Melodien geraten unfassbar gut, vielleicht gerade, weil sie NICHT überborden. Ein toller Song ist das! Und sie spielen Soli, fernab von Griffbrettge****** reichern sie den Song mit bunten Farben an, welche kurz aufleuchten, dann verlöschen. Wie bei einem Feuerwerk gehört die Erinnerung nämlich zum Gesamtkonzept. "Waruun" schlittert durch den Forst, hart, unheimlich, mit feinen Hooklines, die CD ist schon jetzt durchgängig richtig klasse. Die modernen Aspekte, gesprochene Passagen und schwerer Postrock bilden die Klammer um die Tradition.

"The Beacon" zeigt uns, dass es unpeinlichen Folk oder Viking geben kann, wenn der nämlich mit diesen heftig rockenden Vibrationen angereichert wird. Immer ist unser Respekt vor der "Blair Witch" nicht weit entfernt, die dunkle, unwirtliche Atmosphäre der schwarzen Wälder Norwegens im Spätherbst. Auch die Klargesänge, vom ausgezeichneten Keyborder Herbrand Larsen souverän beigesteuert sowie die gesprochenen Vocals lassen unsere Beunruhigung nicht weichen. "Axioma" ist ein mäanderndes Soundexperiment, ein Keybord-Intro für das mit schräg-schönem Riffing eröffnende "Giants". Meine Güte, wie gut ENSLAVED nun geworden sind! Stählerner Doom mutiert zu hartem Postrock, welcher kantig, eckig und dennoch nicht frei von fein ziselierter Melodie einher kommt. Die Klargesänge sind ein weiteres Plus der Band: weder setzt es Pathos, noch schiefe pseudointellektuelle Töne.

Und noch zwei Bonuspunkte müssen wir ansprechen: da wäre einmal die Produktion (Jens Bogren, u. a. OPETH), welche genau das Maß hält zwischen Altruismus und Innovation. Dann natürlich zweitens die clever arrangierten, mit einiger Überlänge versehenen Songs, welche immer unter Hochspannung stehen. "Singular" überrascht mit Wechselgesängen; Growls und Klargesänge ergänzen sich formidabel, die Gitarren lassen sich nicht in den Hintergrund drängen. Obwohl ENSLAVED sehr experimentell zu Werke gehen, sind sie immer noch sehr stark dem (guten) Schwarzmetall verbunden. Das gefällt mir. Überhaupt, wir müssen konstatieren: das Album ist ziemlich hart geraten.

Erneut schliddern wir durch Tempiwechsel, werden an DEVIN TOWNSEND, PORCUPINE TREE und OPETH erinnert, aber NUR erinnert, denn epigonenhaft gehen ENSLAVED nicht vor, eher findet eine behutsame Annäherung statt. "Night Sight" eröffnet nun stark an OPETH gemahnend, wunderbar, diese Steigerung zu einem opulent ausufernden postmetallischen Black Metal-Song. Grutle kann aber auch gemein krächzen, fiese Kontraste setzen. Im Gegensatz zu jüngeren OPETH entfliehen ENSLAVED nach einem trügerischen Opener nämlich nicht ihren dunklen Wurzeln und verbleiben ab Song zwei für den Rest des Albums ausschließlich der Moderne und poppig-alternativen, helleren Gefilden verhaftet.

Nein, die Norweger verbinden ihre diversen Einflüsse über das ganze Album, und dazu gehört immer auch Black Metal der wütenden, verzweifelten Sorte. Die Erschaffung der Quintessenze aller Facetten könnte man das Vorgehen auch nennen. Sanfte Gesänge, beinahe schwelgerischer Pop in "Night Sight" verträgt sich dabei durchaus mit spontanen Eruptionen, flirrenden Leads, eindringlichen Growls.

"Lightening" eröffnet mit swingenden Gitarren. Melancholie, Aggression, das Wechselspiel aus Pop (auch die Achtziger ziehen nicht spurlos an ENSLAVED vorbei) und beinhartem Schwermetall, es setzt sich fort. In Ekstase treiben wir dem Finale zu. Das Tempo wird angezogen, schneller können wir uns in diesen unwirtlichen Gestaden nicht fortbewegen. Grutle bleibt dominant, lässt sich nicht unterkriegen. Herbrand jedoch ebenso wenig… Fein, diese Kämpfe der Vocalisten, fast wie beim Sängerkrieg auf der Wartburg. Die letzten drei Tracks sind etwas verspielter, blicken weiter über den Tellerrand; das kennen wir ja von ENSLAVED von den letzten Veröffentlichungen, dass sie am Ende des Albums immer mehr Experimente einbauen. Was soll ich sagen, es ist ein Klassealbum geworden!

9/10

» Enslaved

INFO-BOX
Künstler Enslaved
Titel Axioma Ethica Odini
Format Album
Länge 9 Tracks | 58:25
Label Indie Recordings
27.09.2010

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (9 Wertungen, Ø 7,11 von 10)
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