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Aquilus – "Griseus"

28. November 2013 | Bastian | Musikrezensionen | 1.900 mal gelesen

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Atmosphärisch, majestätisch, opulent!

Aquilus - "Griseus"Australien ist das sechstgrößte Land der Erde und gleichzeitig eines der durchschnittlich am dünnsten besiedelsten. Dünn besiedelt ist demzufolge auch die Musiklandschaft, von überregionalen Szenebanden kann man in down under kaum sprechen, der Kreis befreundeter Bands reicht oftmals nicht über zwei Hände hinaus. Umso bemerkenswerter scheint der überdurchschnittliche Ausstoß von ebenso überdurchschnittlichen Bands zu sein. Im Black-Metal-Sektor wären das z.B. Bands wie RUINS und NAXZUL, auch AUSTERE, NE OBLIVISCARIS, DROWNING THE LIGHT oder GERM. Keine Frage, es gibt auch in Australien tausende Bands, aber ihre Lage ist angesichts der ungeheuren Distanz zu den europäischen und amerikanischen Metal-Mekkas doch wesentlich schwieriger.

Über Umwege (sprich: Internet) finden sich allerdings genügend Möglichkeiten, sich zumindest aus der Konserve heraus Gehör zu verschaffen. Deshalb Vorhang auf für AQUILUS und ihr Werk "Griseus", welches ich schon jetzt als eines der großartigsten Black-Metal-Alben abfeiern möchte, dass der staubige Kontinent je hervorgebracht hat.

Das liegt vor allem daran, dass AQUILUS wie alle anderen großen australischen Black-Metal-Bands auf europäische Standards, Klischees und Gewohnheiten pfeifen. Sie spielen nicht Black Metal wie aus dem hohen Norden, und bei AQUILUS kommt sogar die durchaus treffende Bezeichnung "grey metal" ins Spiel. AQUILUS, das ist athmosphärischer, längst-nicht-nur-black Metal, orchestral, opulent, gleichzeitig auch minimalistisch, akustisch, bisweilen in Folksphären fernab jeglichen Gitarrenstroms schwelgend, bishin zu neoklassischen Anwandlungen, ganz ohne Kitsch und Klimperkram.

Hier und da wecken AQUILUS Erinnerungen an ihre europäischen Kollegen, wenn auch immer nur für einen Moment. Die Band aus Melbourne vereint in ihren epischen Stücken – schon der 14-minütige Aufmacher "Nihil" ist ein Erlebnis für sich – alle Facetten, die man sich für schwarzmetallische, aber offenherzige Tonkunst wünschen kann. "Griseus" ist kein orthodoxes Manifest, kein Geschwindigkeits- oder Aggressionswettbewerb. AQUILUS vereinen vielmehr drei große Subgenres, die für gewöhnlich gut allein mit sich auskommen. Auf "Griseus" finden Folk, Neoklassik und symphonischer Black Metal in einer einzigartigen Mischung zusammen, ohne dass zu irgendeinem Zeitpunkt der Eindruck entsteht, es hier mit einer Stilkollage zu tun zu haben. Hier wirkt nichts zusammengewürfelt oder aufgepropft, hier gibt es keine dezidierten Ouvertüren, "Intros" oder Ausleitungen; die Musik von AQUILUS kennzeichnet sich vor allem durch einen organischen Fluß, der an keiner Stelle des Albums unterbrochen wird.

Prägend ist das orchestrale Rückgrat mit Chorälen, Streichern, Bläsern und Piano; im Zusammenspiel mit den Gitarren nie überbordend oder erdrückend, die Balance stimmt jederzeit. Das erste Stück "Nihil" leistet dabei schon beeindruckende Überzeugungsarbeit. Von mystisch angehauchten, mächtigen orchestralen Akkorden wie bei DIMMU BORGIR geht es zu leicht progressiv angehauchten, dissonanten Klängen; weiter zu akustischen Intermezzi bis zu ganz intimen Momenten. AQUILUS haben das Gespür für den richtigen Zeitpunkt und vor allem für prägende Melodien. Dazu gehört auch das leicht nahöstliche Flair in "Smokefall" oder das opulente, orchestrale Klanggemälde, welches sie mit "In Lands Of Ashes" zeichnen. Und bei Stücken wie "The Fawn" kommt einem angesichts der Gänsehautwirkung immer wieder ein Wort in den Sinn: majestätisch.

AQUILUS spielen auf "Griseus" die großen Fanfaren, sie beschwören, hypnotisieren, peitschen das Adrenalin nach oben, vertonen wie in einer Art Soundtrack die leinwandgroßen Massenszenen, und tauchen schon im nächsten Moment intensiv bis ins Herz des Hörers ein… mit zarten Anschlägen auf der Akustikgitarre oder den Tasten des Klaviers. Man bleibt regelrecht elektrisiert zurück, wenn man merkt, wieviele Welten sich allein schon mit "Nihil" auftun, und wieviele weitere erst in den kommenden Stücken folgen werden.

Wahnsinn. Umwerfend. Unglaublich, dass AQUILUS mehr oder weniger eine One Man Show von Horace Rosenqvist sind. Für den Nachfolger von "Griseus" sucht er derzeit Verstärkung. Wer das bereits 2011 erschienene Album ergattern möchte, muss womöglich etwas Glück und Geduld mitbringen. Neben einer kleinen CD-Auflage erschien "Griseus" auch als sehenswert aufgemachtes, cognac-farbenes Vinyl.

9/10

» Aquilus

INFO-BOX
Künstler Aquilus
Titel Griseus
Format Album
Länge 8 Tracks | 79:55
Label A Sad Sadness Song
21.12.2011

Leserwertung:

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1 Kommentar zu Aquilus – "Griseus"

Matthias
20. August 2018

Ein richtig schönes Album (sofern man das überhaupt bei dieser Art Musik so sagen darf), majestätisch, erhaben, schwermütig, aber auch bitter und phasenweise ein wenig garstig. Ragt eindeutig aus dem schier unüberschaubaren Wust an Müllveröffentlichungen des Black-Metal-Genre heraus.

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