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Jahrespoll 2017 – Alt und neu (Matthias)

10. Januar 2018 | Matthias | Jahrespolls » Mescaline Injection » News » Polls | 901 mal gelesen

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Jahrespoll 2017

Sprüche wie "wie die Zeit rennt…" späre ich mir jetzt mal, obwohl ich's ja durch die Ankündigung, es nicht zu erwähnen, irgendwie grad doch gebracht hab. Was soll's…
Mit zunehmendem Alter erscheinen viele Dinge nicht mehr so starr und ich grenze mich weniger ab, man wird offener und auch genügsamer. Natürlich trifft dies auch auf das Musikhören zu und so kommt es verstärkt vor, dass mich Alben oder ganze Stile begeistern, denen ich vielleicht noch vor zehn Jahren kaum einen Funken Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Das bedeutet natürlich auch, dass sich durch die Erweiterung des eigenen musikalischen Spektrums die Vielfalt der zu hörenden Bands und Künstler deutlich erhöht. Und so habe ich 2017 für mich, neben etlichen ganz neuen oder bislang noch nicht für mich entdeckten Bands, auch eine ganze Menge alten Stoff wiederbelebt. 2017 war für mich ein Musikjahr, in dem das Früher (alles bis 1990) und Heute (ab 2010) gleichermaßen behandelt wurde und beides gleichwertig stattgefunden hat. Natürlich habe ich auch Musik aus der Phase zwischen den genannten Zeitangaben gehört, aber mein Schwerpunkt lag eindeutig  (unabsichtlich übrigens) auf "alt" und "neu".

Deshalb ist die folgende Liste -ohne bestimmte Reihenfolge- stilistisch auch wieder sehr vielseitig. Mir selbst fällt auf, dass es dieses Mal kein härteres Metal-Album in die Liste geschafft hat, obwohl 2017 von THE RUINS OF BEVERAST, GIGAN, WOLFBRIGADE, TRIUMVIR FOUL, LIMBONIC ART, REGURGITATE LIFE, PHRENELITH, SUFFOCATION, IMMOLATION, ANIMA DAMNATA, ARTIFICIAL BRAIN und VENENUM gute bis sehr gute Veröffentlichungen erschienen sind.

Die besten Neuerscheinungen 2017:

Chelsea Wolfe – "Hiss Spun"

Wie die ultimative Königin der Dunkelheit agiert die schüchterne Amerikanerin mit und in ihrer Musik. Voller Emotionen und musikalischer Tiefe ist ihr Album eine wahrhaftiger Brocken an Leidenschaft geworden. Funktioniert bei strahlendem Sonnenschein ebenso, wie bei trübem Herbstwetter. Ihr drittes Topalbum in Folge. Nahezu unglaublich, wie qualitativ hochwertig CHELSEA WOLFE seit Jahren musiziert.

Holy Holy – "Paint"

Manchmal dauert es ein paar Durchläufe mehr, um die wahren Qualitäten einer Platte zu ergründen. HOLY HOLY gefielen mir gleich beim ersten Mal gut, aber erst nach und nach habe ich den tatsächlichen Gehalt der Musik erkannt. Indie Rock am Rande zum Prog Rock mit tollen Melodien und eingängigen Gesangslinien. Ein Album, das sich nicht so schnell abnutzt. Verdammt stark.

Souvenirs – "Posture Of Apology"
Melancholie und eingängige Melodien vereinen sich auf diesem Album zu einer wahren Schönheit. Eine tolle Band, die mit ihrer wundervollen Musik viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat, als sie tatsächlich erhält. Erst hat mich das poppige Element der Platte etwas abgeschreckt aber die klasse Melodien und die stimmigen Songs haben mich dann doch sehr schnell überzeugt.
Sorority Noise – "You're Not As ______ As You Think"

Von fetzig bis nachdenklich gibt es hier die gesamte Palette des alternativen Rock zu hören. Immer mit einem jugendlichen Schwung ausgestattet, trotzdem jedoch nie oberflächlich oder zu einfach gestrickt. Eine starke Platte, die für viel Dynamik sorgt und mich sofort mitgerissen hat. Bei dem grandiosen Opener übrigens auch keine Kunst.

Brand New – "Science Fiction"

Ob man den Sound von BRAND NEW nun als modernen Grunge bezeichnen kann, bin ich mifr nicht ganz sicher. Fakt ist jedoch, dass einige Parts nach entschlacktem Grunge klingen. Trotzdem bedienen sie dabei auch die ruhige Seite, und das nicht zu knapp. Ein schönes Album, das mich zwar erst nach mehreren Durchläufen völlig gepackt hat, aber dafür nun umso nachhaltiger wirkt.

LCD Soundsystem – "American Dream"
Sieben Jahre nach "This Is Happening" taucht James Murphy und sein Baby LCD SOUNDSYSTEM plötzlich wieder auf und regelt mal eben die lange Wartezeit mit einem absolut fantastischen Album weg. Die Mischung aus natürlichen Instrumenten und elektronischen Anteilen macht diesen besonderen Charme der Musik aus. Tolle Platte zum dancen, chillen oder einfach zum abflippen.
Idles – "Brutalism"

Diese Platte hat mich mit ihrer simplen Rohheit gepackt. Nahezu in jedem Lied gibt es treibende Beats irgendwo Zwischen Punk Rock und Hardcore. Der Gesang ist dreckig, räudig und die oft gefühlt endlos wiedergekäuten Textzeilen fräsen sich so richtig schön ins Gedächtnis, bis sie im Schlaf sitzen. Dass IDLES dabei auch noch politische Botschaften aussenden, ist ein vorzügliches I-Tüpfelchen. Geile Mucke zum Abspacken. Virtuelles Hipster-Klatschen deluxe.

Grizzly Bear – "Painted Ruins"

Was mich an diesem Album begeistert ist, dass es eher ruhig und oftmals sogar richtig sanft klingt, dabei aber trotzdem eine gewisse Verspieltheit mit sich bringt. Im Grunde zwei Gegensätze und doch ist es GRIZZLY BEAR gelungen, diese Elemente inklusive einer gewissen abgedunkelten Extravaganz, die man eher aus dem Trip Hop kennt, zu verbinden.

The War On Drugs – "A Deeper Understanding"

Nach mittlerweile vier tollen Alben muss man sich die Frage stellen, ob die Band um den von Teilzeitdepressionen geplagten Adam Granduciel überhaupt etwas schlechtes machen kann?! Spielt aber auch keine Rolle, denn wir wollen ja gute Musk hören. Der melancholische Folk-Pop-Rock in der Schnittmenge zwischen TOM PETTY und BRUCE SPRINGSTEEN ist einfach klasse! Punkt.

Here Lies Man – "Here Lies Man"

Wie geil es ist, wenn '70's Rock-Vibes mit Stoner-Riffs und völlig geilen, oft fast schon hypnotisch-psychedelischen Afrobeats kombiniert werden, zeigt diese Band so eindrucksvoll, dass sie sich nahezu mühelos in die Reihe der Pflichtalben des Jahres eingeschlichen hat. Wer sich von dem hier präsentierten Groove nicht mitreißen lässt, der ist entweder ein Banause, eine Banane oder so spät geboren, dass er den Retro-Zeitgeist nicht nachvollziehen kann.

Mark Lanegan Band – "Gargoyle"

Der Ex-SCREAMING-TREES-Fronter hat bereits viele Solo- und Koop-Platten am Start. "Gargoyle" ist nach meinem Empfinden allerdings sein bislang stimmigstes Werk. Von Anfang bis zum Ende interessant und abwechslungsreich, und was das wichtigste ist, es gibt viele tolle Melodien zu hören, die sich schnell festsetzen. Wenn man bedenkt, was der ehemalige Grunge-Barde mittlerweile für Musik macht, muss man schon staunen. Das nenne ich Entwicklung. Ein klares Meisterwerk des Musikjahres 2017.

Grave Pleasures – "Motherblood"

Endlich… endlich! Nachdem sich BEASTMILK seinerzeit aufgelöst hatten, die verbliebenen Mitglieder als GRAVE PLEASURES neu formierten und mit "Dreamcrash" mehr Fragezeichen als Begeisterung hervorriefen, ist es ihnen endlich geglückt, qualitativ an BEASTMILKs "Climax" anzuknüpfen, ohne das damalige Erfolgsrezept einfach nur zu kopieren. Sehr cooler Apocalyptic Post-Punk mit Goth-Einschlag.

Fufanu – "Sports"

Indie-Wave-Rock aus Island. Angelehnt an den düsteren und gleichzeitig tanzbaren Sound der '80er, dabei aber nie wirklich retro, sondern stets mit Blick nach vorne. Der lässige, manchmal leicht verschlafene Gesang unterstreicht dabei den Wave-Aspekt. Cooles Teil, mit Sucht- und irgendwie auch mit Nostalgiefaktor; aber sehr, sehr geilomat.

Ivories – "Light Years"

Ganz im Stile der alten Post-Punk- und Wave-/Goth-Bands haben IVORIES eine schöne Nische wiederentdeckt. Ich kann mich spontan nicht erinnern, wann es in letzter Zeit ein Album gab, das stilistisch in dieselbe Kerbe schlug. Mag auch vielleicht daran liegen, dass ich musikalisch sehr der alten Schule zugeneigt bin. Ist letztendlich allerdings auch egal, denn wenn eine Band mich mit ihrer Musik  überzeugt, dann ist dies mitteilungs- und verbreitungswürdig.

Land Of Talk – "Life After Youth"
Eigentlich ist der Indie Rock auf "Life After Youth" nichts besonderes und doch hat die Scheibe mich gepackt, denn sie punktet im Detail. Der Gesang ist melancholisch süß, die Melodien verspielt und trotzdem meistens eingängig. Am liebsten gehört, wenn ich Musik hören möchte, die nicht zu sehr fordert und trotzdem alles andere als simpel konzipiert ist.
Neaux – "Chain Up The Sun"
Schön zum mentalen Hinfortsegeln. Einfach mal ausruhen und der Stimmung ihren Lauf lassen. Die schöne Stimme der Sängerin und die simplen, vollen Riffs mit ihrem leicht verträumten Charakter bieten den Soundtrack zum Abschalten. Einfach fallen lassen und gebießen. Ein tolles Album mit Suchtfaktor.
The Horrors – "V"
Einmal 'travel back in time' bitte, musikalisch zumindest. Der Indie- und New-Wave-Sound hier hätte auch in den später '80ern stattfinden können, aber natürlich war die Technik damals nicht so ausgereift, so dass es wohl etwas dünn und nicht so tiefenwirksam geklungen hätte. THE HORRORS sind eine Band, die ich vom Namen her lange kenne, aber mit der ich mich bis 2017 nie richtig intensiv befasst habe. Ein sträfliches Versäumnis, wie ich feststellen musste, das ja aber nun zum Glück behoben wurde.
Queens Of The Stone Age – "Villains"
Na klar, QOTSA! Wobei es nicht selbstverständlich war, dass nach dem aus meiner Sicht genialen "…Like Clockwork" ein weiteres Klassealbum folgen würde. Dabei haben Stoner-Rock-Erfinder Josh Homme und seine Truppe nicht darauf gesetzt, alte Zutaten einfach neu zu mixen. Sie greifen in den Rock'n'Roll-Pott, mischen mit bekannten QOTSA-Ideen und fügen hier und da eine Prise Elvis, etwas Psyche und natürlich wiederholt ein paar schräge Elemente hinzu. Geile Scheibe, um seine Hüften mal wieder richtig kreisen zu lassen.
Warhaus – "Warhaus"
So klingt moderner Pop mit Drug-Effekt. Auch das zweite Album ist rundum gelungen. Entspannte Rhythmen, simple und eingängige Gesangslinien. Einfach nur klasse, wie hier die Ideen gebündelt wurden. Kann man sehr gut auf der Couch genießen, aber auch einfach nur bei einem Plausch mit der Liebsten oder Freunden im Hintergrund laufen lassen; klappt beides.
Protomartyr – "Relatives In Descent"
Die U.S.-Post-Punks haben erfolgreich nachgelegt. Herrlich, dass sie sich nach wie vor um Trends und Hits einen Dreck scheren und einfach ihr Ding durchziehen. Geiler Stoff, der manchmal eine leicht psychedelische und nachdenkliche Note versprüht, trotz aller lyrischer Bissigkeit und der trotz der musikalischen Ecken und Kanten. Ganz klar ein Post-Punk-Highlight des Jahres 2017!

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit nächträglichen Empfehlungen aus dem Jahr 2016…

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