
Helheim – “Heiðindómr ok Mótgangr”
Black Arrows
Nach den halbgaren, komplex-wirren letzten Alben der Norweger HELHEIM veröffentlichte die Band im letzten Jahr “Heiðindómr Ok Mótgangr”. Niemals hätte ich gedacht, dass es dieser Band gelingen würde, noch einmal so ein geiles, durchgängig hochwertiges Black Metal-Album aufzunehmen. Denn das ist es geworden, eines der besten Werke des Genres der letzten Zeit. “Viten og mot (Sindighet)” startet episch, sehr melancholisch, dennoch klirrend und düster und sagen wir es vorweg, diese dunkle Schiene behält die Band über mehr als fünfzig Minuten bei. Tolle Soli, völlig ungewohnt für diese Musikrichtung, ein beinahe an eine Tuba erinnernder Effekt und atmosphärischer Hall begleiten den staunenden Hörer. Das sollen HELHEIM sein, die Band, welche einen mit ihren wirren Songstrukturen zuletzt beinahe aus dem Fenster springen ließ? Aus dem Erdgeschoss natürlich… 
Ensiferum – “Unsung Heroes”
Finnischer Regenbogen
Wenn die enthusiastischen Finnen von ENSIFERUM ein neues Album präsentieren, sind die Erwartungen sehr hoch. Sie hatten sich ja verändert zuletzt, hin zum soundtrackartigen, epischen Breitwandformat. “Unsung Heroes” würde also eine Weiterentwicklung bringen, davon konnte man ausgehen. Das Intro “Symbols” erklingt ruhig, klassisch, Weite, Fanfaren und eine wie immer etwas ins Kitschige spielende Melodie entführen in den Finsterforst. Hier hatte Keyborderin Emmi ihre Zauberhände im Spiel. “In My Sword I Trust” eröffnet dann hymnisch, im Midtempo. Peters Gefauche, ein Chor zum Mitgrölen, ein wenig ENNIO MORRICONE im Hintergrund und beinahe unmerklich haben wir aufgesattelt, die Schellen klingeln, Glöckchen und Geflirre überall, denn wir schließen uns der Band an, durchs Immergrün des endlos goldenen Hains. 
Ereb Altor – “Gastrike”
Winter is coming soon
So episch, melodisch und heldisch wie auf “Gastrike” waren EREB ALTOR noch nie. Die skandinavische Horde erschafft mit Vorliebe schauerliche Atmosphäre, klar. Es schneit, ist kalt, der Weg zum Gipfel voller kantig-rauer Felsgrate. Zudem lauert da etwas. Dennoch, immer ist da auch ein Leitmotiv, eine Strömung, die ins Optimistische hinein rankt. Das Rezept ist natürlich alles andere als neu.
Doch EREB ALTOR erschaffen ganz nette Kompositionen. Das unterscheidet sie von melodischem Black Metal der Neuzeit. Sie überladen die Tracks nicht allzu sehr. Heroische Chöre, Breaks und verspielte Passagen zeigen, dass die bösen Buben diverse Einflüsse verarbeiten und daraus eine eigenartig hymnische Melange zubereiten. 
Amon Amarth – “Surtur Rising”
Too Old Too Cold (Part II) – Schwertkampf den ganzen Tag?
Auch AMON AMARTH haben mit “Surtur Rising” absolut NICHTS Neues zu bieten. Das Cover unterscheidet sich nicht von den letzten vier oder fünf Alben, sämtliche Songs nehmen nur in Refrainnähe Fahrt auf, versacken jedoch stets im Sumpf hinter dem eroberten Strand. Diese so charakteristische Art und Weise, minimalistischstes Riffing in einen gegrowlten weit ausholenden Chorus münden zu lassen, sie zieht und verfängt nicht mehr. 
Einherjer – “Norrøn”
Pursuit Of The Vikings Part VI: Bifrost-Balladen
Eine neue EINHERJER nach dem Überalbum “Blot” aus dem Jahre 2004? Das würde schwer werden, vermutete ich mal frech. Und die unpeinlichste Viking-Band aller Zeiten schafft es doch, mich zu überraschen. Denn “Norrøn” ist wirklich gut geworden! Der 12-Minuten-Opener “Norrøn Kraft” bietet alles, was diese Band auszeichnet: Düstere Epik, orchestrale Opulenz, Lagerfeueratmosphäre, gemeinen Krächzgesang, Heavyness, heroischen Viking, hymnische Akustik und einen unglaublich guten Mittelteil mit phantastischer Folkpassage. Selbige ist so gut, dass ich sie immer wieder antippe, ab Minute 9:32 geht es los… 
Moonsorrow – “Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa”
Pursuit Of The Vikings Part V: Ruf der Altvorderen
Das letzte “echte” Album (es gab ja noch die Überlänge-EP “Tulimyrsky”) der finnischen Götter von MOONSORROW “Viides Luku – Hävitetty” liegt vier lange Jahre zurück. Im Gegensatz zu damals haben die Männer aus dem Lande der tausend Seen auf dem neuen Opus “Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa” diesmal wieder mehr Songs aufgenommen; deren vier nämlich, dazu gesellen sich drei kurze instrumentale Zwischenspiele. Klar, dass es sich ausnahmslos um Überlängetracks handelt, inzwischen ein Markenzeichen dieser außergewöhnlichen Band. MOONSORROW bleiben sich treu, verbinden auch heute wieder diese melancholisch subtile Folklore mit schwarzmetallischer Raserei. Chöre, Fauchgesänge (welche klar in der Überzahl sind) und manchmal kurze Erholungsphasen am Lagerfeuer bestimmen das Hörbild. 
Kampfar – “Mare”
Pursuit Of The Vikings Part II: Blitzeis
Kontinuität gefällig? Ihr habt es so gewollt: Die formidablen Norweger von KAMPFAR ackern sich seit 15 Jahren unermüdlich durchs dornige Gestrüpp, immer im Untergrund, immer gut. Und immer blieben sie sich treu. Denn die eiskalten Hymnen, welche sie darboten, nie waren sie anbiedernd, im Gegenteil, sie sägten sich durchs Unterholz, boten Atmosphäre, klirrend, schwirrend, Unheil verkündend. Mit “Mare” nun hat diese Band ein weiteres kleines Kristall-Juwel geschaffen. 
Falkenbach – “Tiurida”
Tanz um die Donareiche
Eine neue FALKENBACH? Das bedeutet für den geneigten Hörer immer, das zu bekommen, was er erwartet, und zwar wirklich GENAU das. FALKENBACH spielen seit 21 Jahren immer mit dem gleichen bewährten Konzept. Pathos, Heldentum, Lagerfeuerfolklore, Epik, Kitsch, Natur, all diese Themen werden zu musikalischen Überlängetracks verwoben; heraus kommen immer hochmelodische Songs mit stets nur minimal variierenden Basisakkorden. Manchmal, wie auf dem neuen Album “Tiurida”, werden die Black-Wurzeln der Viking-Paganer noch offenbar: denn in zwei Songs, “Time Of Dog And Wolf” sowie “In Flames” setzt es zu hymnischen Klangwänden feine giftige Vocals, was mir natürlich zusagt; endlich mal wieder Ungarn am Horizont… 
Himinbjørg – “Chants D’Hier, Chants De Guerre, Chants De La Terre”
Herbst im Juni…
Wenn die Franzosen von HIMINBJØRG ein neues Album schaffen, bin ich immer auf der Hut. Das Intro “Guided By The Stars” von ihrer formidablen 1998′er CD “In The Raven’s Shadow” ist legendär. Gemeiner, gespenstischer kann kein Tau im Hafen irgendeiner Geisterstadt knarren als die Franzosen das im normannischen Nebel des Grauens umgesetzt haben. Auf den in den nächsten Jahren folgenden Alben gab es neben rabenschwarzem Black Metal und den gewohnt düsteren instrumentalen Ausflügen ins Moor immer auch einige Experimente. 
Galar – “Til Heimsens Endar”
Die Schneekönigin ist stärker
Die Bergener Jungs von GALAR melden sich nach Jahren zurück. Mit Quietschegitarren, Folkklargesängen, hymnischen Parts und nordischem Säbelrasseln schlittern sie durchs nächtliche Narvik, an sämtlichen Invasoren vorbei, ihre heimatlich-aufständische Botschaft unters versteckte Volk zu bringen. Nun ja, ganz so kriegerisch sind GALAR keineswegs: man ertappt sich eher dabei, dieser Band eine gewisse Nähe zu Sogndal bzw. WINDIR zu attestieren. 
Finntroll – “Nifelvind”
Die mit den Trollen tanzen
FINNTROLL aus dem Lande der tausend Seen müssen weit größere Erwartungen als andere Drachenbootverfechter erfüllen, wenn sie ein neues Album veröffentlichen. Denn zahlreiche Bands des Viking-Genres integrieren Folkpassagen in ein Korsett aus schwarzem Metall und rudern sozusagen in Trendgewässern. Wir erinnern uns, das Debüt von FINNTROLL war seinerzeit einer der Wegbereiter dieser Bewegung. Leider gelang es nur den Gründervätern der Bewegung, zu denen ich neben FINNTROLL bei aller Verschiedenheit auch EINHERJER, ENSIFERUM, MOONSORROW, MANEGARM, THYRFING und vielleicht noch KORPIKLAANI zählen möchte, Folkloreparts stimmig in härtere Musik zu integrieren. Inzwischen bedienen sich ja auch Mittelalterbands immer mehr dieser erfolgsträchtigen Mischung, zu der sowohl gefeiert wie gekämpft werden kann; und Pagan entstand im Grunde erst aus der Mixtur der Stile und mutierte zu einem der anspruchslosesten Segmente im Metalsektor. 
Månegarm – “Nattväsen”
Her mit Manne sein Arm! Und wo ist Manne sein Garn?
Auch die früher einmal sehr wilden und nun doch ein wenig domestizierten Wikinger-Schweden scheuen sich nicht ihr neues Opus “Nattväsen” mit einem beinahe Western-kompatiblen Intro (ähnliche Anspielungen mögen ja auch die Finnen von ENSIFERUM) anzureichern; sie bieten erstaunlich viel Groove und gehen hymnisch fein zur Sache, wählen wir “Bergagasten”, einen treibenden, einige Wut aus älteren Zeiten transportierenden Track. Auf Zierrat wird verzichtet; die Hooks und der heisere Gesang hypnotisieren. Klar, dass auch gern die melodischen Chöre heldischer Natur aufgefahren werden; hier befinden wir uns in Wikingerland. Die Fiedel begleitet; allerdings im Hintergrund, nicht ganz so auftrumpfend wie zuletzt. Da wirkte der Einsatz des Streichinstruments manchmal zu aufdringlich zu überzeichnet im Gesamthörbild. 
Fjoergyn – “Jahreszeiten”
Die Tragödie der Selbstverfallenheit
“Ernte Im Herbst” und “Sade Et Masoch” hatten diese eigentümlich faustische Mischung von kitschiger Verführung durch Romantik, herbstlich-opulente Atmosphäre und intelligente musikalische Arrangements. Ganz sicher war ich mir nie, sind FJOERGYN nun wirklich gut oder doch ein wenig dilettantisch, wie man es ja z.B. auch solchen Bands wie EMPYRIUM oder FALKENBACH durchaus vorwerfen darf. “Jahreszeiten – Die Welt in vier Kapiteln” nennt sich nun das dritte Album dieser Folk-Metaller. “Auf Bald…” fährt wieder Flüstergesänge, wütendes Fauchen, Akustikparts, Black Metal und Atmosphärenpassagen auf, welche wir von FJOERGYN gewohnt sind. Allerdings sind die Pole auseinandergerückt, der sanfte Anteil wird noch zarter, die Ausbrüche noch harscher vorgetragen. 
Nomans Land – “Farnord”
Petersburger Piraten in Port Royal
NOMANS LAND aus Russland besinnen sich ihrer rauen Wurzeln und kehren nach experimentellerer Phase (“Raven’s Flight”) zum (Einheits-)Pagan mit Heavy Metal-Schlagseite zurück. Typische Klackerdrums und diese seltsam heroischen Folkklargesänge gehören ebenso zum Stilmix wie Ausflüge in rabenkrächzenden Black Metal.
Nehmen wir “Valhalla Calls”: ein flotter Viking-Part (welcher an RUNNING WILD erinnert) wird mit Chören und heiserem Gefauche versehen, das Schlagwerk böllert unverdrossen und dann ertönen heldische Gesänge. Neu ist das nicht. Die Unterschiede innerhalb des Genres sind marginal; wirklich Neues hören wir nicht. 
Thundra – “Ignored By Fear”
Des Winters Sorge
Einheit Produktionen mögen Viking und Pagan und so passen THUNDRA gut in das Programm. Das Debut “Worshipped By Chaos” gefiel mir seinerzeit ganz gut, es passte gut zu EINHERJERs letztem Werk “Blot”, wenn es auch dessen Klasse nicht erreichen konnte. Wenn “Inner Struggle”, der Opener vom neuen Album “Ignored By Fear” ertönt, so werden wir alsbald mit Pomp, einem Schuss Progressivität der Art VINTERSORG und gutem, opulenten, sehr traurigem Black Metal konfrontiert. Es gibt viele Wendungen, facettenreich schlängeln sich THUNDRA durchs Dornengestrüpp. 





