
Lönndom – “Till Trevaren”
Schwacher Kurzurlaub im Wald
Fast 20 Minuten neue Musik von LÖNNDOM? Naja, eigentlich sind es nur 15, zieht man mal das wirklich überflüssige Intro und Outro ab, welches kaum mehr als das Quietschen einer Tür zu bieten hat. Das man es sich in einer verlassenen Waldhütte gemütlich machen kann, um dann zu später Stunde noch ein paar Lieder auf der Akustikklampfe zum Besten zu geben, ist ja was Feines, aber so inhaltsleere “Stücke” stehen den Schweden überhaupt nicht gut zu Gesicht. 
Danny Katz – “Japanese Satellites”
Nostalgia Pop Rock mit Herz
Danny Katz ist ein hoffnungsloser Romantiker. Das bezeugt er nicht nur selbst, das hört man auch, wenn man sich mit seinem Album “Japanese Satellites” beschäftigt. Der Multiinstrumentalist, der in New York und Tokyo weilt, frönt darauf seiner Vorliebe für verträumte Pop-Rock-Nostalgie mit modernem Touch. Wenn er nicht gerade R&B-Hits zu Folk-Songs umarrangiert, schreibt er eigene Stücke zwischen Chanson, Indie, Folk und Pop. Sowohl bei den rockigeren wie auch seichteren und immer eingängigen Stücken schwingt immer ein Stück vom Radiokanon der 80er Jahre mit. Nicht altbacken, und immer mit einem modernen Touch. 
Birds Of Passage and Leonardo Rosado – “Dear And Unfamiliar”
Träume im Äther
Kennt noch jemand die großartigen TRANSIENT WAVES? Mehr als zehn Jahre lang habe ich mich gefragt, ob es jemals eine Band schaffen könnte – wenn es schon das Trio aus Dearborn nicht mehr tut – noch einmal so bezaubernd schöne, regelrecht himmlische Musik voll engelsgleicher Anmut auf einem Tonträger festzuhalten. Wer das letzte, im Nachhinein betrachtet viel zu kurz geratene Werk “Sonic Narcotic” noch in guter Erinnerung hat, weiß, dass derlei spirituell angehauchte Superlative kein bisschen übertrieben sind. Mehr als zehn Jahre lang – und dann kommt ein Album wie “Dear And Unfamiliar” um die Ecke. 
Kauan – “Kuu..”
Oden an finnischen Schwermut
Eine Name sagt mehr als 1000 Worte. Das finnische Wort “kauan” haben seinerzeit TENHI mit ihrem gleichnamigen, großartigen Album für sich “reserviert”, oder wenigstens in der Musikwelt sich selbst in das Feld der damit verbundenen Konnotationen eingeschrieben. Das russische Duo KAUAN hat sich dieser Metabedeutung bewusst für diesen Namen entschieden, musizieren sie doch in ähnlichen Gefilden wie ihre Brüder im Geiste. 
Moonsorrow – “Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa”
Pursuit Of The Vikings Part V: Ruf der Altvorderen
Das letzte “echte” Album (es gab ja noch die Überlänge-EP “Tulimyrsky”) der finnischen Götter von MOONSORROW “Viides Luku – Hävitetty” liegt vier lange Jahre zurück. Im Gegensatz zu damals haben die Männer aus dem Lande der tausend Seen auf dem neuen Opus “Varjoina Kuljemme Kuolleiden Maassa” diesmal wieder mehr Songs aufgenommen; deren vier nämlich, dazu gesellen sich drei kurze instrumentale Zwischenspiele. Klar, dass es sich ausnahmslos um Überlängetracks handelt, inzwischen ein Markenzeichen dieser außergewöhnlichen Band. MOONSORROW bleiben sich treu, verbinden auch heute wieder diese melancholisch subtile Folklore mit schwarzmetallischer Raserei. Chöre, Fauchgesänge (welche klar in der Überzahl sind) und manchmal kurze Erholungsphasen am Lagerfeuer bestimmen das Hörbild. 
Rose Kemp – “Golden Shroud”
Eine dornige Rose, schräg und schön
QUEEN-artige mehrstimmige A Capella-Gesänge eröffnen das neue Album der Kultsängerin/Songwriterin ROSE KEMP. Der Opener und erster von drei Überlängetracks “Black Medik II” fährt knochigen Doom auf, ROSEs kraftvolle, manchmal, vor allem in den Screams an JANIS JOPLIN erinnernde Stimme und sehr eigenwillig-experimentelle Gesangseskapaden führen mitten hinein in die Dunkelkammer der Nebelhexe. 
Davenport – “Free Country”
Abstrakte, psychedelische Klangrituale
Das mittlerweile unter anderem Namen agierende Musikerkollektiv DAVENPORT aus Madison/Wisconsin/U.S.A. verschrieb sich experimentellen Klängen, die von nervenaufreibendem Avantgarde mit Freestyle-Ambitionen über Field Recordings bis hin zu Folk, Freejazz und Psychedelic in jeglicher Form ein weites Spektrum musikalischer Ausdrucksformen abdeckten. Improvisationen und Klangexperimente nehmen dabei einen großen Stellenwert ein und erzeugen ‘das etwas andere musikalische Empfinden’ beim Hörer. 
Imaad Wasif – “The Voidist”
Vertontes Glück
Mit den YEAH YEAH YEAHS kann er gut, ebenso mit den RACONTEURS oder DEAD WEATHERS, und noch mindestens ein anderes Dutzend klangvoller Namen, die in dem in Los Angeles beheimateten Singer-Songwriter IMAAD WASIF so etwas wie einen Seelenverwandten gefunden haben. Kein Wunder also, dass er sich mit Dale Crover (MELVINS), Greg Burns (RED SPAROWES) und Mathias Schneeberger (THE OBSESSED, GUTTER TWINS) illustre Gäste für sein drittes Album an Bord geholt hat. Und was kommt bei dieser Konstellation heraus? Ein fantastisches Album, mit dem Wasif seine psychedelische Zeitreise fortsetzt. 
Doris Brendel – “The Last Adventure”
Facettenreicher Blick zurück
Musikwissenschaftler kennen sie als Tochter des Pianisten Alfred Brendel, für Sammler musikalischer Schätze ist sie die Stimme von THE VIOLET HOUR: Doris Brendel. Vor gut einem Jahr ist “The Fire Sermon” neu aufgelegt worden, nachdem die viel zu früh eingestampfte Auflage jahrelang hoffnungslos vergriffen war. Wer sich in der Alternative-Szene der frühen 90er gut auskennt, weiß, dass die Briten damals wohl schlicht und ergreifend dem Zeitgeist vorausgeeilt sind. Das überaus facettenreiche Album war für die meisten Hörer schwer zu greifen, ist aber unbestritten ein kleines Juwel. Anno 2010 schickt sich nun Doris Brendel an, ein bisschen vom Geist dieser faszinierenden Band wiederzubeleben. 
Perry O’Parson – “Borderline & Field”
Akustik für die Seele
Da musste ich glatt zweimal hingucken: Neo-Folk? Nun, mit den düsteren und teils martialischen Klängen dieser Zunft haben PERRY O’PARSON aus Karlsruhe gewiss nichts zu tun. Folk steckt allerdings tatsächlich in dieser feinen EP, für die jemand auf last.fm das tag “Nachmittagsmusik” ausgewählt hat. Ob das nun ernst oder eher spaßig gemeint war, ist nicht so wichtig, denn “Borderline & Field” strahlt tatsächlich eine innere Harmonie und Gelassenheit aus, die man jeden Tag mal gebrauchen kann. 
October Falls – “A Collapse Of Faith”
Atavistisch
Dass Finnen was für den Oktober übrig haben, wissen wir. Einige sind auch versessen auf Einsamkeit, Wälder, Natur, MOONSORROW. Auf letztere beziehen sich OCTOBER FALLS eindeutig, wenn sie ihre drei überlangen Klangteppiche entfalten. Rauer Gesang, gewollte Monotonie, zahlreiche Breaks atmosphärischer Art und ein hypnotischer Grundrhythmus durchziehen diesen vertonten Oktober betitelt “A Collapse Of Faith”.
OCTOBER FALLS operieren mit Naturklängen, Wasser perlt, Akustikgitarren schlagen sanft an, der gemeine Gesang bildet einen feinen Kontrast zum Geschehen. Die Elektrischen sägen flächig, wir merken nach wenigen Akkorden, dass hier stets Überlänge vorherrschen wird, herrschen muss. 
Cleaning Women – “U”
Finnischer Gemüsegarten
Wer bei selbstgebauten und extrem modifizierten Instrumenten beinahe schon instinktiv an EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN denken muss, der ist bei den finnischen CLEANING WOMEN genau an der richtigen Adresse. Im Gegensatz zu den Neubauten muss man allerdings keine extremen Avantgarde-Streifzüge befürchten, keine musikalischen Radikalkuren oder den typischen Hang zu Experimenten der ungewöhnlichsten Art. Kennst Du einen Neubauten Song, auf den der viel missbrauchte Begriff “eingängig” passt? Na bitte. 
Marissa Nadler – “Ballads Of Living And Dying”
Melancholisch und verzaubernd
Ehemals widmete die in Washington geborene MARISSA NADLER ihre volle künstlerische Leidenschaft der Malerei. Die Kunst wurde ihr sozusagen schon in frühester Kindheit aus dem Elternhaus mitgegeben; ihre Mutter ist eine abstrakte Malerin, ihr Bruder Gitarrist und Schriftsteller. Später während ihres Kunststudiums in New York entdeckt sie ihre Liebe zur Musik, wendet sich den gefühlvollen Klängen der Akustikgitarre zu und erkundet ihre liebliche Gesangsstimme. Sie überträgt ihre bisherigen künstlerischen Erfahrungen in ihr Songwriting und wird eine feinfühlige und äußerst talentierte Song-Schreiberin, die seit 2004 hochklassige Musik veröffentlicht. 
Les Discrets – “Septembre Et Ses Dernières Pensées”
Düstere Visionen
Nach der Ablösung von ALCEST hat sich Fursy Teyssier ein neues Betätigungsfeld gesucht und möchte mit LES DISCRETS seine musikalischen Visionen manifestieren. Seine Ideen benötigen eine Spielwiese, bzw. Raum zum wirken. Spielwiese klingt so unseriös und naiv. Letzteres ist die Musik nämlich überhaupt gar nicht denn die verwendeten Zutaten sind tiefgründiger Natur und zeigen im Endergebnis auf, dass hier ganz viel Gefühl im Spiel ist, das musikalisch verarbeitet und präsentiert wird. 
Negură Bunget – “Vîrstele Pămîntului”

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Die Rumänen bringen mit “Vîrstele Pămîntului” ihr mittlerweile sechstes Studioalbum heraus, zählt man “Maiestrit” als Re-Interpretation von “Măiastru Sfetnic” mit. Sie präsentieren der Musikwelt ihre Vorstellung von atmosphärischer Musik, die sie mit folkloristischen Elementen anreichern. Ob ihre musikalische Idee allerdings auch den Geschmack unserer Redakteure ME und Matt Sick trifft, ist in den folgenden Zeilen nachzulesen. 





