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Vista Chino – "Peace"

10. November 2014 | Matthias | 4 Ohren 2 Meinungen » Musikrezensionen | 1.489 mal gelesen

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Revival unter der Wüstensonne

4 Ohren 2 Meinungen

Vista Chino - "Peace"Aus den ehemaligen Mitgliedern der Stoner-Rock-Götter KYUSS wird eine zerstrittene Bande, die lange rechtlich versucht hat, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen, weil der eine nicht will, dass die anderen unter demselben Namen weiter Musik machen. Wie dem auch sei, albernes Getue hin und her, Fakt ist, dass KYUSS ein großes Vermächtnis hinterlassen haben, das nun in VISTA CHINO weiterlebt, denn bis auf Gitarrist Josh Homme sind alles alte KYUSS-Recken mit an Bord. Kann das Album aber mithalten mit den Stoner-Felsbrocken, die KYUSS seinerzeit vorgelegt haben? Nun, das muss jeder selbst für sich herausfinden, unsere Redakteure ME und Matt haben sich "Peace" jedenfalls angenommen und dürften nicht nur ihren eigenen Frieden mit der Band-Geschichte gefunden haben, sodnern mussten sogar erstaunliches feststellen. Aber lest selbst…

Thunderbird de luxe

John Garcia wünscht sich also Frieden. "Peace" ist der kurze, knappe Titel des Debüts seiner Kombo VISTA CHINO. Wohl nicht umsonst, denn die Rechtsstreitigkeiten um Vorgänger-Kultband KYUSS zehren an den Nerven. Und als deren Nachfolger muss VISTA CHINO angesehen werden. Was mit dem Opener "Dargona Dragona" sofort festgeschrieben wird. Staubig, klappernd vor schlangenhaftem Ungetier und vibrierend wie ein alter Thunderbird rockt es funkelnd durch die Nachmittagssonne.

Garcias Vocals sind unvergleichlich geil. Verkniffen, voller Inbrunst und herrlich mitleidend, dazu das schweißgetränkte Gitarrenspiel, welches sich nie vom Weg abbringen ließe, nicht mal, wenn sich ein Skorpion im Cowboystiefel melden würde. Erst das Riffing, und bitte bis zu Ende. Logo, dass erinnert an LED ZEP bisweilen und Endsechziger, diese legendären Zeiten, als alles möglich war.

VISTA CHINO schaffen es, unser Wohnzimmer in eine Wüste zu verwandeln. Ohne Verwüstung, übrigens. Wir sind kurz davor, unseren Durst aus der Zimmerkaktee löschen zu wollen, Fata Morgana inklusive. Das Album tönt aus einem Guss. Die schiefen Soli, welche live locker auf eine 15-minutige-Instrumentalsession auszudehnen wären, lassen uns wegtreten, noch bevor der Gin seine Wirkung tut.  Und die nächste Hookline kippt uns ins Nirwana, endgültig.

"Planets I & II" ist ein Kulminationspunkt des Albums, ein sensationeller Höllenritt, dem wir uns gern hingeben. Es flirrt, Crom blitzt, die Angel des Tors quietscht, rein in die Hazienda, Auffahrt hoch, der weiße Bau mit den breiten Eingangstreppen. Der Motor läuft weiter, die Dame des Hauses ist bereits entgegengeeilt. Sie liebt Mucke, Truck, Muckis. So soll das sein, wär doch gelacht, wenn das nicht 'ne Mittagspause nach unserem Gusto würde, "Barcelonian" pur.

Da wir sodann zum Fahren nicht mehr in der Lage sind, bringt uns Conchita höchstselbst zurück auf unsere Ranch. Pommesgabel zum Abschied und alles von vorn, morgen. Coolness reloaded. So ist das Dasein des Desertheroes ein Erträgliches. Danke, VISTA CHINO.

(ME)

9/10

Friedenspfeife in Richtung KYUSS

Wenn nach dem Intro die rauen Gitarren den ersten Song einleiten, denkt man sofort an KYUSS, denn das Geschrabbel könnte 1a von denen stammen. Ungewöhnlich ist das natürlich nicht, denn verstehen sich VISTA CHINO als offizielle Nachfolgeband von KYUSS bzw. von KYUSS Lives!. Mit John Garcia am Gesang, Brant Bjork am Schlagwerk und Nick Oliveri am Bass sind sogar drei ehemalige KYUSS-Mitglieder an Bord, wodurch man den Werbespruch "die offizielle KYUSS-Nachfolgeband" tatsächlich gelten lassen kann. An der Gitarre haben sich die Jungs den Belgier Bruno Fevery dazugeholt und an dieser Stelle sei bereits gesagt, dass er seinen Posten einwandfrei erfüllt; an ihm gibt es nichts zu kritisieren. Der einzige Punkt, der mich etwas zurückschrecken lässt ist, dass die kompositorische Seele bei KYUSS immer Josh Homme war, der eben nicht bei dieser, nennen wir es mal vorsichtig 'Reunion', dabei ist, weil er mit seinen QUEENS OF THE STONE AGE mehr als ausgelastet ist und rundum zufrieden sein dürfte, verbuchen diese doch weitaus größere Erfolge als die Mutter aller Stoner-Rock-Bands KYUSS.

"Peace" trägt jedenfalls den Geist alter KYUSS weiter und doch klingt das Album nicht zu 100% nach KYUSS, vielleicht sogar nur zu 80%, denn die Band baut einige Psychedelic-Elemente ein und geht entgegen der letzten Ausrichtung von KYUSS wieder einen Schritt zurück in der Zeit. Alles klingt ursprünglicher, rauer, schlichter aber auch offener. VISTA CHINO schrecken nicht davor zurück, in längeren Passagen nur die Instrumente sprechen zu lassen und das Geschehen ausgiebig um wenige Riffs und Parts herum auszudehnen. Der Anteil an psychedelischen Elementen gewinnt dadurch deutlich an Raum. Ohnehin wirkt das Album wie vor 40 Jahren geschrieben, nur der moderne aber keineswegs klinische Sound zeugt vom Hier und Jetzt.

Da das Album ein durchweg hohes Level hält, ist es schwierig, einzelne Songs hervorzuheben, denn das Empfinden dazu kann mit der eigenen Stimmung und Hörgewohnheit schwanken. Ob man nun das vernebelt griffige "As You Wish" herauspickt, den kräftigen Opener "Dargona Dragona", die Kifferorgie "Dark And Lovely", das verträumt luftige und schöne "Barcelonian" oder das entspannte "Adara", welches übrigens das Stück ist, das am stärksten an KYUSS erinnert, spielt keine Rolle, denn das Album ist sehr stimmig und vorzüglich ausgelotet. So muss Stoner Rock klingen, nicht überproduziert, ein wenig rau und schmutzig im Sound, mit starken Leads, geilen Gesangslinien und eben viel Wüstenstaub in den Kompositionen.

Angesichts der tollen VISTA-CHINO-Scheibe, dem saustarken Solodebüt von John Garcia und den großartigen Veröffentlichungen von QUEENS OF THE STONE AGE (besonders deren letztes Album "…Like Clockwork" ist der Hammer!) braucht man KYUSS nicht nachweinen, denn wir als Hörer haben nach deren Ableben mehrere Bands bekommen, die alle klasse sind. Und wer weiß, ob das passiert wäre, wenn es KYUSS noch gäbe.

(Matt)

8/10

» Vista Chino

INFO-BOX
Künstler Vista Chino
Titel Peace
Format Album
Länge 10 Tracks | 49:16
Label Napalm Records
02.09.2013

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (2 Wertungen, Ø 8,50 von 10)
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