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The Man-Eating Tree – "Vine"

8. November 2010 | ME | Musikrezensionen | 2.894 mal gelesen

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Melancholie

The Man-Eating Tree - "Vine"Manchmal geschieht folgendes: ein Redakteur, in diesem Falle mein geschätzter Kollege Bastian, schickt mir ein Video, dass mich vollends begeistert, denn ich kenne weder Band noch Song und erachte mit dem ersten Hören beides für äußerst gut… So geschehen mit den umwerfenden Finnen von THE MAN-EATING TREE. Diese Band hat nämlich einen Sänger, Tuomas Tuominen, in ihren Reihen, welcher mir von FALL OF THE LEAFE bekannt ist. Diese Band wurde einst von Nuclear Blast umworben mit "In the vein of EMPEROR and AMORPHIS". Das stimmte so nicht ganz, vielmehr spielten diese Finnen sehr melancholischen Metal/Rock mit ungeheuer viel Text und eigenwilligstem Gesang, welcher nach einiger Eingewöhnung zündete, das Genre Dark-Metal innovativ durchmaß und großes Potential erkennen ließ.

Leider löste sich die Band auf. Doch dann, unverhofft, kam dieses Video und das Déjà-Vu mit besagtem Tuomas Tuominen und damit wären wir endlich bei THE MAN-EATING TREE. Diese Band besteht aus Musikern, welche auch bei SENTENCED und POISONBLACK ihre Heimat haben und somit ist eine gewisse Richtung vorgegeben. Aber Vorsicht! THE MAN-EATING TREE sind weit intellektueller, sagen wir mal ketzerisch philosophischer-melancholisch als die genannten Bands. FALL OF THE LEAFE sind am ehesten Richtschnur, allerdings gehen THE MAN-EATING TREE erheblich songorientierter zu Werke, weniger “hart“, bewegen sich eher im Revier von PORCUPINE TREE, KATATONIA (wenn sie ihre Highlights haben) oder ANATHEMA (wenn sie in Form sind).

"Lathing A New Man" eröffnet mit harschem Riffing, mäandert sodann in den Herbst hinaus, der vom Herbst gedunkelte See spiegelt unseren Blick. Die Landschaft liegt einsam, verlassen, eine Brise wirbelt das Laub. Die Oberfläche des Sees ist glatt wie schwarzer Marmor. Tuomas Tuominen intoniert eigen, immer wieder möchte die Stimme brechen, tut es jedoch nicht, rettet sich in andere Tonlagen. Die sanft angeschlagenen Akkorde der Instrumentalfraktion vertonen das Alleinsein. "The White Plateau" könnte mit entsprechendem Airplay ein Hit werden, ein schräg-trauriger natürlich. Die Musiker von THE MAN-EATING TREE spielen zusammen, als hätten sie nie anderes getan, doch jeder von ihnen führt auch ein Eigenleben; so kommt es der Band nicht nur auf Groove und Nachvollziehbarkeit der Songs an, sondern auch auf intelligente Interaktion. "This Longitude Of Sleep" schwebt leicht in der Mitte des Sees über dem Wasser. Der Band kann eine Vorliebe für progressive Songstrukturen nicht abgesprochen werden. Wir entdecken Stephen Wilson in seinem Segler hoch über uns, mit letztem verzweifeltem "Down Again…" betten wir das müde Haupt hernieder, um uns der angenehmen Schwere des Traumes zu überantworten.

Erinnerungen an den Sommer: "King Of July" kontrastiert den verhallt-entfernten Gesang durch wuchtiges Riffing. Der überlange Track "Of Birth For Passing" ist einfach nur ein Klassesong voller Emotionalität, was können die Finnen melancholisch sein. Seelenqualen sanft vertonen und immer diese nicht weit davon entfernt verführerisch schwebende Euphorie, die eingefangen werden möchte… Das gilt auch für "Out Of The Wind", Enthusiasmus kehrt zurück, der einsame See kann auch Flügel verleihen. Längst haben wir uns erhoben, durchmessen die Weite des sanft ansteigenden Hügellandes, Aufbruch. Der Ohrwurm "Nights In White Satin" wirkt stimulierend, gerade weil Erinnerung an das Original und neue Interpretation desselben Geist und Körper beleben.

Mit "Tide Shift" führt der Weg zurück in urbanere Gefilde. Wir erinnern uns an den FALL OF THE LEAFE gern zurück, mit angenehmem Schmerz sozusagen, "Instead Of Sand And Stone" türmt schräges Riffing um uns, die Bauten um uns haben astronomische Höhen erreicht, die Straßenfluchten werden tiefer, schattiger. Der angenehm warme Chorus lullt uns ein, selbstbewusst schreiten wir aus. Tuomas phrasiert intensiv, alternativ, wechselt die Klangfarbe dann wieder in dieses wunderbar herbstliche Laubbraun. "Amended" zeigt, die Band könnte härter spielen. Oft ist es ja so, dass Musiker aus dem erweiterten Kreis des Death- oder Black Metal-Sektor besonders melancholisch-stille Songs komponieren können. Die Gitarren werden manchmal wie ein Saxophon im Jazz eingesetzt, der Bass entfernt sich nie aus der Erntezeit, die Drums klopfen den Rhythmus des Lebens. Schade, dass dieses Kleinod in der Flut der Veröffentlichungen untergehen kann; zu wünschen wäre es den Finnen, dass Anhänger oben genannter Bands dieser charismatischen Band Gehör schenken, denn ein besseres Album in diesem Sektor wird es 2010 nicht geben.

9/10

» The Man-Eating Tree

INFO-BOX
Künstler The Man-Eating Tree
Titel Vine
Format Album
Länge 10 Tracks | 50:25
Label Century Media
21.09.2010

Leserwertung:

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