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The Cure – "Bloodflowers"

20. Juli 2017 | Matthias | Musikrezensionen | 190 mal gelesen

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Melancholischer Eskapismus in Perfektion

The Cure - "Bloodflowers"Nicht wenige erwarteten seinerzeit, nach dem eher durchwachsenen bis schwachen "Wild Mood Swings" (1996), eine Rückkehr zu den Tugenden der südenglischen Schwarzmaler. Frontmann Robert Smith hatte sich diese direkte Kritik offensichtlich zu Herzen genommen, denn der vier Jahre später erschiene Nachfolger schob mal eben alles beiseite, was die Band mit "Wild Mood Swings" versemmelt hatte. Wenn man beim Hören von "Bloodflowers" das von den Medien damals als bedeutungsschwanger bezeichnete Erscheinungsdatum ausblendet und seinen Fokus allein auf die Musik legt, kann es problemlos gelingen, das Album mit den älteren Veröffentlichungen der Band in Verbindung zu bringen. Die Anhänger der Alternative Wave Goths haben also das bekommen, was sie sich wünschten. Gut so? Gut so!

Der Pop wurde abgestreift, dem Schwermut wieder mehr Raum gegeben und das Album zur Krönung einen Tag nach dem Valentinstag veröffentlicht, was für Schwarzheimer sicher eine stille Freude gewesen sein dürfte. Stilistisch geht es zurück in die Glanzzeit der Band, sodass "Disintegration" und "Wish" beim Genuss von "Bloodflowers" schnell in lebhafte Erinnerung rücken dürften.

Entspannt melancholisch beginnt das Album mit "Out Of This World" und tatsächlich wird man durch die latente Verträumtheit schnell der Realität enthoben. Vorsichtig einlullend wirkt der Opener, dabei aber überhaupt nicht belastend oder gar niederschmetternd. Psychedelisch geht es weiter mit dem 11-Minüter "Watching Me Fall", in dem sogar eine gewisse Dramatik zu vermelden ist, die gen Ende vor allem im Gesang ihren Höhepunkt findet. Locker und ungezwungen präsentieren sich die folgenden, fast schon lupenreinen Indie-Stücke "Where The Birds Always Sing" und "Maybe Someday". Sie zeigen THE CURE in bester Stimmung und beweisen wieder einmal, dass auch positive Töne mit dem für Smith so charismatischen, weinerlichen Gesang funktionieren.

"The Last Day Of Summer" pendelt in alter CURE-Marnier die Gefühlsnote wieder etwas ins entspannt dunkelblaue, bevor "There Is No If…" noch einen Gang zurückschraubt und (für CURE-Verhältnisse) sehr reduziert nur mit Gitarren, Gesang, Klavier und etwas dezentem Percussion-Beat daherkommt. Das trübe, verschlafene "The Loudest Sound" fällt durch die elektronischen Beats auf den ersten Eindruck etwas aus dem Rahmen. Betrachtet man die stimmungsvolle Dichte des Stückes, wird man schnell erkennen, dass es wunderbar in den Gesamtkontext hineinpasst.

Tatsächlich läutet schon das vorletzte Lied das große Finale des Albums ein. Wenn Robert Smith in "39" zum knalligen Schlagzeug-Groove und den verstrahlten Psyche-Rock-Gitarren die Zeile "The fire is almost out…" singt, dürfte sofort klar sein, dass THE CURE alles in die Waggschale geworfen haben, um ihr Werk gebührend abzurunden. Den Abschluss bildet das mit einer düsteren Goth-Atmosphäre beseelte Titelstück und lädt noch einmal zum Sich-treiben-lassen ein.

THE CURE haben mit "Bloodflowers" voll ins Schwarze getroffen. Das von Sänger Robert Smith und Paul Corkett (hat u.a. mit BJÖRK, PLACEBO, URIAH HEEP, SUEDE und NICK CAVE gearbeitet) produzierte Album versprüht eine enorme melancholische Dichte und präsentiert fantastisch arrangierte, detailliert ausgearbeitete Songs, bei denen man auch nach unzähligen Durchläufen noch viele Feinheiten entdecken kann.

» The Cure

INFO-BOX
Künstler The Cure
Titel Bloodflowers
Format Album
Länge 9 Tracks | 64:28
Label Fiction Records
15.02.2000

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