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Swans – "The Seer"

16. September 2012 | Matthias | Musikrezensionen | 2.510 mal gelesen

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Die Kunst der Rückkehrer

Da ist es endlich, "The Seer", das neue, sehnsüchtig erwartete Doppelalbum der SWANS. Auf der Pre-Version des vorangegangenen Live-Albums "We Rose From Your Bed With The Sun In Our Head" gab es bereits einen ersten Eindruck in Form von Frühversionen neuer SWANS-Stücke zu hören, sowie Live-Versionen bekannter und ebenfalls neuer Lieder.

Wer hätte das gedacht, es gibt doch noch einen Nachfolger zum fantastischen 2010er Comeback-Album "My Father Will Guide Me Up A Rope To The Sky". Angesichts des neuen Stoffs darf man wohl übrigens nicht so bald mit einem neuen oder auch kompletten Ende der Band rechnen. Die Formation um Frontman Michael Gira klingt nämlich frisch und überzeugend wie selten zuvor, künstlerisch noch einmal gesteigert und musikalisch immer noch bereit, Mut zu zeigen und, für heutige Zeiten, Wagnisse einzugehen.

Eine Sache wäre vorab noch zu erwähnen, die Fans der Band sicher kaum noch für möglich gehalten haben: Jarboe singt bei zwei Liedern mit. Die ehemalige Lebensgefährtin von Michael Gira und Sängerin einer längeren Periode der SWANS sprach viele Jahre kein Wort mit Gira, die Fronten waren durch persönliche Differenzen verhärtet und selbst eine rein künstlerische Zusammenarbeit wurde lange kategorisch ausgeschlossen. Diese fand nun doch statt und das Ergebnis davon ist auf "The Seer", jeweils auf einem Stück von Disk eins und zwei, zu hören.

Nach dem leicht schrägen Start "Lunacy" trumpfen die New Yorker Avantgardisten bereits eindrucksvoll mit dem Zehnminüter "Mother Of The World" auf, gefolgt vom kurzen Zwischenspiel "The Wolf" und dem Kern des Albums, dem über 32minütigen "The Seer". Das Stück bietet einen hypnotischen, regelrecht psychedelischen Trip durch die gewollt leicht monotone, aber eben nie langweilige Klangwelt der SWANS. Strukturen und musikalische Formen bauen sich auf, werden exzessiv durchgespielt, bis kleine Nuancen und hinzugefügte Elemente plötzlich die Sicht- bzw. Hörweise verändern und das Lied ganz langsam in eine andere Richtung lenken, bis ein plötzlicher Ausbruch oder ein kompletter Break dem Gefüge eine neue Chance gibt, sich zu entwickeln. Im Dunklen oder bei Kerzenlicht gehört, entwickelt das Stück eine wahrlich erhabene und abgehobene Atmosphäre zugleich. Definitiv ein Highlight des Albums. Das folgende "The Seer Returns", auf dem Sängerin Jarboe mitwirkt, leitet die Musik mit einem stampfenden Beat wieder in etwas flüssigere Bahnen, behält trotz des griffigen Gesangs jedoch einen leicht hypnotischen Charakter bei. Mit schrägem Getröte startet danach "93 Ave. B Blues" und behält insgesamt als eine Art Klangcollage einen komplett disharmonischen Eindruck aufrecht, der von einem wilden Lärmausbruch gegen Ende des Liedes aufgelöst wird. Den Zwischenstopp des Doppelalbums bildet das akustisch gestaltete "The Daughter Brings The Water", das eine leichte Melancholie innehat.

Die zweite Disc startet mit dem Akustikstück "Song For A Warrior", das von Karen Lee Orzolek, besser bekannt als Karen O, Sängerin der New Yorker Band YEAH YEAH YEAHS gesungen wird. Gira selbst übernimmt hier lediglich Backing Vocals. "Avatar" spielt wieder in den bekannt hypnotischen Fahrwassern, behält aber über die kompletten neun MIniten eine relativ klare Struktur bei. Dann heißt es wieder zurücklehnen, denn das 19minütige "A Piece Of The Sky" beginnt mit knisterndem Feuer und lädt einmal mehr dazu ein, intensiv in das folgende Klangspiel, bestehend aus einer Stimmcollage Jarboes, einzutauchen. Erst nach rund zehn Minuten ändert sich das Gewand des Stückes. Spontan wechselt die Collage über zu einer klaren musikalischen Struktur mit einem geraden Drumbeat und leicht nachvollziehbaren Melodien. Das Finale des Albums bildet "The Apostate" mit einer Länge von 23 Minuten. Gira selbst sagte in einem Interview über dieses Lied, dass es eines der besten seiner Karriere sei und alles das beinhaltet, wofür die SWANS immer standen. Das Lied beginnt mit psychedelischen Gitarrenklängen und geht über in einen fast schon beschwörend rituell wirkenden Rhythmus, bis es bei circa sechs Minuten zu einem Ausbruch kommt und danach tatsächlich viele Facetten der SWANS bedient. Es gibt Industrial-Klänge, schnelle Drum-Linien, avantgardistische Klangbilder inklusive dramaturgische Steigerungen und in sich zusammenfallende Sound-Wände. Das krönende Finale des Liedes und des gesamten Albums wird mit Giras lauten, harten und leicht verrückt wirkenden Gesangseinlagen besiegelt.

"The Seer" ist ein verdammt starkes musikalisches Statement geworden. Hält man sich vor Augen, was noch so alles für Bands und Musiker in der Musikszene herumgeistern, ist es erfrischend und für Musikliebhaber sicher auch wohltuend zu sehen und zu hören, dass eine Band wie SWANS sich nicht um Verkaufszahlen kümmert, sondern ihnen viel wichtiger ist, ihre Musik, ihre Kunst verbreiten zu können und neue, aufgeschlossene Hörer für sich zu gewinnen. Es sei ihnen gegönnt.

» Young God Records

INFO-BOX
Künstler Swans
Titel The Seer
Format Doppel-Album
Länge 11 Tracks | 64:16 + 55:01
Label Young God Records
28.08.2012

Leserwertung:

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