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Swans – "Deliquescence"

30. November 2017 | Matthias | Musikrezensionen | 103 mal gelesen

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Vertonte Katharsis

Swans - "Deliquescence"Jeder, der auf die New Yorker Ex-Industrial-nun-Avantgarde-Post-irgendwas-Rocker steht, wird vermutlich versucht haben, sie zumindest einmal im Leben live erleben zu dürfen. All jene, denen es gelungen ist, Michael Gira und seine Truppe live zu sehen, werden Geschichten von extremer Lautstärke, einem abgedrehten Schlagzeuger, der sogar mit dem Kopf spielt, wilden Noise-Orgien und dem über alles thronenden Dirigenten Michael Gira erzählen. Davon, dass sich die Zuschauer wie in Trance zu ohrenbetäubendem Lärm hin und her wiegen, davon, dass die Band gerade mal fünf oder sechs Lieder in über zwei Stunden Spielzeit vorgetragen hat und wohl auch davon, dass es trotz aller Genialität am Ende dann auch gereicht hat, weil Ohren und Körüer völlig erschöpft waren. Und wer keinen Gehörschutz dabei hatte, wird wohl noch länger mit den Nachwirkungen zu tun haben. Ob das nun cool oder nicht ist, muss jeder selbst entscheiden, Fakt ist, SWANS live sind ein Erlebnis, das man ein Leben lang ehrfürchtig in Erinnerung behält.

Zum Ende der gegenwärtigen Inkarnation der Band erscheint mit "Deliquescence" ein auf 3000 Einheiten limitiertes Livealbum, das auf zwei CDs verteilt sieben Stücke enthält. Die Frage, ob das Feeling eines Konzertes auf Konserve übertragen werden kann, stellt sich mit jedem Livealbum und so geht es auch hier darum, ob es gelungen ist, einen SWANS-Gig auch nur ansatzweise angemessen auf ein Abspielmedium zu übertragen. Die Antwort ist jein, also ja und nein gleichzeitig.

Zunächst einmal gibt es mit "The Knot" einen dreiviertelstündigen Noise-Brocken, der bislang auf keinem Studioalbum der Band zu hören ist. Das Stück hüllt mit seiner enormen Klangwand den kompletten Raum ein und zieht den Hörer sofort aus der Gegenwart heraus, hinein in einen avantgardistisch experimentellen Kosmos, die SWANS-Welt. Mit "Screen Shot" gibt es das einzige Stück von "To Be Kind" zu hören und ebenfalls das einzige, das vor dem letzten regulären Studiowerk "The Glowing Man" erschienen ist. Es folgt "Cloud Of Forgetting" und später (auf der zweiten CD) auch "Cloud Of Unknowing", die beide auf "The Glowing Man" zu finden sind. "Deliquescing" ist wiederum bislang unveröffentlicht, ebenso wie "The Man Who Refused To Be Unhappy". Den Abschluss bildet mit über 36 Minuten Spielzeit das Titelstück des letzten Albums, in dem die Musiker noch einmal alles verbinden, was die SWANS der letzten Jahre ausgemacht hat.

Dass es drei bis dato unveröffentlichte Stücke zu hören gibt, ist schon eine sehr feine Sache, zumal diese fast die Hälfte der Gesamtspielzeit einnehmen. Um es allen Recht zu machen, hätte "Deliquescence" vermutlich zehn CDs umfassen müssen, denn der eine wünscht sich Stoff der ersten Jahre, andere wiederum hätten gern etwas aus der Folk-Phase gehört und wieder andere vermissen das eher gothlastige Zeugs bis hin zu "The Great Annihilator". Gibt es aber alles nicht und wird es auch wohl nicht, denn jeder, der aufmerksam verfolgt hat, was Gira von sich geben hat bzw. wie er die 'alten' SWANS heute einschätzt, wird wissen, dass es kein zurück mehr gibt, musikalisch wie menschlich.

Tatsächlich ist es gelungen, die Live-Atmosphäre eines SWANS-Konzertes ansatzweise einzufangen, auch wenn selbstverständlich die audiovisuelle Verknüpfung fehlt und man der Band beim zelebrieren ihrer Musik nicht zusehen kann. Trotzdem bietet "Deliquescence" etwas, das man live so nicht haben kann. Mann kann die Musik zum Beispiel entspannt auf der Couch hören und man hat einen relativ klaren, differenzierten Sound, den man in Sachen Lautstärke nach eigenem Gefühlsmaß regulieren kann.

Alles in Allem ist das Ergebnis also sehr gelungen. Wer vor ausufernden, sich elegisch wiederholenden Parts keine Scheu hat, der wird einen wahren Rausch durch dieses auditive Betäubungsmittel erleben. Somit stellt "Deliquescence" ein würdiges Ende des aktuellen Kapitels der SWANS dar. Nun gilt es abzuwarten, was Bandkopf Michael Gira mit der Band bzw. dem Namen und der zukünftigen musikalischen Ausrichtung vor hat.

» Young God Records

INFO-BOX
Künstler Swans
Titel Deliquescence
Format Live-Doppelalbum
Länge 7 Tracks | 155:07
Label Young God Records
17.05.2017

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