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Swan Lee – "The Complete Collection 1997-2005"

15. März 2010 | Bastian | Musikrezensionen | 2.175 mal gelesen

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Dänische Engelsmusik

Swan Lee - "The Complete Collection 1997-2005"Es gibt Bands, die denken einfach nicht ans Aufhören. Und es gibt Bands, die leider schon viel zu früh gehen. Die dänischen Poprocker SWAN LEE mit ihrer bezaubernden Sängerin Pernille Rosendahl waren für einige Jahre ein funkelndes Sternchen am nordischen Musikhimmel und haben uns mit zwei wundervollen Alben beschenkt. Ein bisschen ironisch ist es da schon, dass ich die Band erst über einen Umweg kennenlernte. Es war 2005 und mit "Blood Money" erschien der bisher erfolgreichste und unangefochten beste Teil der Hitman-Serie. Nicht nur Chefkomponist Jesper Kyd übertraf sein bisheriges Schaffen mit dem fulminanten, orchestralen Soundtrack, sondern auch die lizensierte Musik war exquisit. Der Höhepunkt war zweifellos "Tomorrow Never Dies", ein Song der im Spiel gleich zwei mal auftauchte. SWAN LEE waren zu diesem Zeitpunkt gerade frisch auseinander gebrochen. Ausgerechnet dieser Song, der von ihrem ersten Album "Enter" (2001) stammte, hätte sie auf Anhieb weltberühmt machen können, denn wie der Titel schon verrät war es einer der Titelsongkandidaten für den gleichnamigen Bondfilm. Er durchbrach das Schema des klassischen Bondthemas mit Pauken und Bläsern, nicht jedoch ohne etwas von der Erhabenheit und Eleganz zu verlieren, die solche Stücke wie "Goldfinger", "Thunderball" oder "Moonraker" ausstrahlten. SHERYL CROW's Version, die sich quasi ordnungsgemäß in das Schema einordnete, machte schließlich das Rennen. Bond hätte ihnen vielleicht Tor und Türen in die weite Welt öffnen können, aber so ist es schön, dass ihnen mit "Blood Money" auch etwas globale Aufmerksamkeit zuteil wurde.

"Enter" war trotzdem ein extrem gutes Album. SWAN LEE waren ganz ohne Unterstützung großer Labels durchgestartet. Das Potential, was bornierte A&R-Leute oder Manager nicht in ihnen sehen wollten – sie hatten es. Das Album verkaufte sich für dänische Verhältnisse sensationell, über 25 000 Exemplare gingen allein in ihrem Heimatland über den Tisch und die Band wurde mit Preisen und Auszeichnungen regelrecht überhäuft. Es war ja auch ein regelrechtes Hitalbum, welches solche opulenten und emotional fesselnden Songs und gefühlvolle Balladen wie "Stay Tonight", "Dream Away", "Stay" und "When You Are Gone" beinhaltete. Ein wahrhaft mächtiges Debüt, auf dem rein gar nichts falsch gemacht worden war. Dass die Band dafür erst ihr eigenes Label aus dem Boden stampfen musste, spricht Bände über die Musikindustrie, und der Erfolg von "Enter" ist eine gehörige Klatsche für alle Leute, die nicht an sie glauben wollten.

Das Nachfolgealbum "Swan Lee" war auf gewisse Weise ein kleiner Neuanfang, darauf deutet schon der Titel hin. Das eingeschweißte Team aus Rosendahl und Jonas Struck besann sich dieses Mal auf ruhigere, einfachere und vielleicht auch etwas radiotauglichere Songs. Die Single "I Don't Mind" macht das ziemlich deutlich: Weiter weg vom Indie-geprägten Rock, weniger balladesk und ausladend, reduziertere Arrangements und etwas mehr Elektronik. Und auch hier gab es natürlich richtige tolle Stücke: "Love Will Keep You Warm" mit Alternative-Touch, "In Your Life", das mit seinem Text und dem großartigen Chorus zu einem der stärksten Songs wächst, und das zarte "Lord Knows, I Can Be Strong".
"Swan Lee" verkaufte sich noch besser als der Vorgänger, die Band spielte ausverkaufte Konzerte auf großen Bühnen und sollte sogar mit NICK CAVE & THE BAD SEEDS die Bühne teilen. Sie hatten das erreicht, was sie wollten, sie hatten es aus eigener Kraft geschafft, doch leider ist eben Erfolg immer nur eine Seite der Medaille. Persönliche Probleme und menschliche Konflikte kann er nur sehr begrenzt überdecken. Bei SWAN LEE zerbrach das Bandgefüge ausgerechnet auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Als ich mich auf die Suche nach der Band machte, die für den schönen Song in "Blood Money" verantwortlich war, musste ich feststellen, dass es sie bereits nicht mehr gab. Dafür gab es wenig später diese liebevoll gestaltete Kollektion zum Abschied, als Dankeschön an alle Fans. Das edle Digipak der limitierten Edition enthält nicht nur beide Alben, sondern auch eine Menge B-Seiten, Coverversionen wie "Blue Monday" und Liveaufnahmen. Dabei möchte ich vor allem die Duette ""Love Will Keep You Warm" mit Howard Tate und "Lord Knows, I Can Be Strong" mit dem 'dänischen David Bowie', Claus Hempler, hervorheben. Zusätzlich bekommt man eine DVD mit den kompletten Auftritten beim Roskilde und dem Vega Festival, außerdem Backstagematerial, Making-Ofs und diverse weitere Extras. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass man hier leider nur das Musikvideo zu "I Don't Mind" bekommt, für die restlichen muss man heutzutage auf YouTube & Co. zurückgreifen.

Leider sind auch SWAN LEE eine der vielen aufgelösten Bands, die ihre Online-Zelte fast vollständig abgerissen haben. Auf ihrer Website befindet sich nur noch ein Link zu iTunes. Ich habe das Album damals über den schwedischen Vertrieb mubito.com gekauft, der Ende 2008 ebenfalls von der Bildfläche verschwunden ist. Derzeit dürfte die CD aber z.B. beim schwedischen Versand CDON.com erhältlich sein, bei dem ich ebenfalls gern einkaufe. Dort gibt es die limitierte Auflage zwar nicht mehr, aber die DVD kann man sich trotzdem extra ordern.

9/10

» Swan Lee

INFO-BOX
Künstler Swan Lee
Titel The Complete Collection 1997-2005
Format Compilation-Album
Länge 36 Tracks | 2:25:42
Label Gogo Records
2007

Leserwertung:

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