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Sólstafir – "Ótta"

3. September 2014 | ME | Musikrezensionen | 1.348 mal gelesen

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Ewiges Eis

Sólstafir - "Ótta"Sind die Eingangsklänge von BJÖRK? RADIOHEAD? SIGUR RÓS? Nein, der Pfeil ging daneben, denn hier kommen SÓLSTAFIR. Die Kultband aus Island, you know. Und wie. "Ótta" nennt sich deren neues Album. Ein Klavier träumt, sanfte Vocals entführen über die Wolken und dann gibt es da diese spektakulären postrockigen Eruptionen. "Lágnætti", das bedeutet Eisschollen, die sich verschieben, zentimeterweise, jedoch mit monumentaler Wirkung. Die Männer aus dem Eis zaubern hier einmal mehr Musik voller Zerbrechlichkeit, Melancholie, Einsamkeit. Klassik trifft Rock. Und sie haben vielleicht großartige Einfälle, diese Buben.

"Ótta" könnte der Ausblick sein, wenn unser Schiff um die Kante des Eisbergs schippert um plötzlich vor einer gigantischen Kulisse von Schneebergen und endlos anmutender Horizontlinie von ewigem Weiß gleichsam ehrfürchtig zu verharren. Wie klein unser Gefährt, wie ungeheuerlich diese Natur. Wunderbar setzt die Band ihre Gitarrenakzente. Spielereien gibt es keine, TENHI sind Bruder im Geiste, aber finnisch und rein akustisch. Dieses spartanische Element, die leise Andeutung von Folk, diese Reduktion auf Weiß gelingt in sensationeller Manier. Die Steigerung am Ende, die wehmütigen Streicher im Zusammenspiel mit der mitreißenden Hookline, ganz großes Concerto.

Es folgt ein weiteres Meisterwerk. "Rismál" gerät einsam, eindrücklich und enthält dieses Riff, welches du nie vergisst. Was hat diese Band nur für Ideen. Wir betreten Land, die Sonne lässt den Schnee golden glitzern. Verführerisch, es entstehen kaleidoskopartige Bilder, welche Sekunden Bestand haben, um sich sofort zu neuen erschütternden Visionen zu arrangieren.

Es ist unglaublich, wie SÓLSTAFIR eingängige, phantastische Melodien kreieren. Fragil, traurig und dennoch enthusiastisch. "Dagmál" und "Miðdegi" entführen ins Landesinnere, sie zieht uns an, diese Unendlichkeit. Manchmal wirken sie kurz ungestüm, aber immer verhalten, nie vorpreschend oder gar aggressiv. Die furiosen Soli, rockig, heavy, atemlos, von geschmeidiger Lässigkeit und Spielfreude u.a. in "Nón" vorgeführt, sind inspiriert und inspieren, erinnern an intensiv erlebte Liveauftritte der Kombo.

"Miðaftann" tönt still, in sich ruhend, atmosphärisch, wir dürfen uns zurücklehnen. Gitarren so klingen zu lassen wie ungeheuer belastete Schiffswände, welche vom Druck des Eises zu zerbersten drohen, darin sind sie Meister. Wie in "Náttmál". Kontraste, Schatttenriss, Scherenschnitt. Ein ausuferndes Ende in der Melange von DEEP PURPLE und lauernden Gitarren nordischen Zuschnitts.
Die ersten Akkorde von "Tilberi" tönen stählern, wir bemerken, gegen Ende des Albums drückt Heavyness, zwischen des einstürzenden Eisbergen hasten wir in Zickzack-Linie durch das ewige Labyrinth. Wo ist egentlich unser Schiff? Eine wilde Phantasmagoria in White ist das hier.

Und so sind wir im Verlauf des Albums in SÓLSTAFIRs Zeitschleife gefangen, die Sekunden werden intensiver, was ist hier schon eine Stunde? Ein Tag? Das Album wirkt als Gesamtheit, als Konzept. Es ist stimmig, ausbalanciert, faszinierend und ergreifend. Hört es hintereinander, laut oder über Kopfhörer und ihr werdet unmerklich geblendet vom Schnee, von Sonne, welche das Weiß strahlen lässt und mit Farben und Wärme versorgt.
Ach ja, am Ende scheint die Vergangenheit kurz auf, überraschend, eruptiv, schwarzmetallisch. Denn "Til Valhallar" zeigt, diese Band könnte auch anders. Der Ausklang ist ein Finale Furioso, von wegen Ballade am Schluss. Sie machen es anders. War das nicht klar? Eine im wahrsten Sinne coole Band. Grandios.

9/10

» Sólstafir

INFO-BOX
Künstler Sólstafir
Titel Ótta
Format Album
Länge 8 Tracks | 57:24
Label Season Of Mist
29.08.2014

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (10 Wertungen, Ø 7,70 von 10)
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