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Roine Stolt – "Wall Street Voodoo"

16. Februar 2010 | Matthias | Musikrezensionen | 1.291 mal gelesen

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Ein Blumenkönig im Alleingang

Roine Stolt - "Wall Street Voodoo"Dass ROINE STOLT, hauptamtlich Sechssaiter bei THE FLOWER KINGS, ein Meister seines Fachs ist, sollte unbestritten sein. Ebenfalls unbestritten ist allerdings auch, dass der Gitarrist mit seinem teilweise recht eigenwilligen Spiel bisher nicht überall auf Gegenliebe traf und es vermutlich auch in Zukunft nur schwer schaffen wird, die weite Hörerschaft für sich zu begeistern. Eigentlich unbegründet, ist doch Eigenständigkeit oftmals ein Garant für gute, eben nicht auswechselbare Musik aber letztendlich entscheidet ja zum Glück jeder für sich selbst was er mag und was er hören möchte.

Zwischen den Werken seiner Stammband THE FLOWER KINGS liegt ROINE STOLT nicht auf der faulen Haut und hat 2005 mit dem Doppel-Longplayer "Wall Street Voodoo" ein Solo-Album allerfeinster Couleur eingeschoben. Bereits die ersten Töne des ersten Silberlings machen eindeutig klar, dass es hier um eine wunderbare Verneigung vor dem Bluesrock der alten Schule geht. Damit sind nicht elendig langsam schleifende Trauereskapaden gemeint, sondern eher so was wie Progressive Blues Rock.

Der Opener "The Observer" mit seinen elf Minuten spiegelt die allgemeine Richtung des Doppelalbums wunderbar wider und ist eine Zeremonie aus zahllosen Soli und schönen, fast schon vergessenen Alt-Rock-Melodien. ROINE STOLT nutzte hier alles, was er aus den Wörtern Blues und Rock herausziehen konnte und verwebt es zu einem passenden Ganzen. Es gibt von Akustikgitarren über schwebende Begleitung bis hin zu hart rockenden Riffs und ausgedehnten Fummelsoli erster Güteklasse ein breites Spektrum seiner Gitarrenarbeit zu hören. Zudem übernimmt er noch den Gesang und das macht er, wie ich erstaunt feststellen muss, richtig gut. Klar, bei THE FLOWER KINGS steht er auch am Mikro, benutzt dort jedoch teilweise einen sehr eigenwilligen Gesangsstil, der mitunter etwas Zeit zum zünden braucht. Auf "Wall Street Voodoo" ist das zum größten Teil anders. Mit seiner entspannt wirkenden Stimme schmeichelt er dem Hörer wunderschöne, oft mehrstimmige Gesangslinien um die Ohren, die (zumindest mir) niemals langweilig oder schwach konzipiert erscheinen. An dieser Stelle wichtig zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass ein gewisser NEAL MORSE seine Finger mit im Spiel hatte und neben zahlreichen Lead-Gesängen auch noch die Hammond-Tasten bedient.

Zwischen vielen großen Melodien nimmt sich ROINE STOLT immer mal wieder die Zeit, seinem Lieblingsinstrument genügend Spielraum zu verschaffen und es ausgiebig zur Geltung kommen zu lassen. Auf "Wall Street Voodoo" gibt es das komplette Spektrum zwischen entspanntem Rock bis hin zu Hammond-geschwängerten Prog-Anleihen. Das Geniale an dem Album jedoch ist, dass er niemals vergisst, dem Blues Rock zu huldigen und sich dieser rote Faden lückenlos durch beide Silberlinge zieht. Egal, ob er nun den Hard Rock zitiert, wie bei "Spirit Of The Rebel", leicht funkige Töne erklingen lässt während "Everybody Is Trying To Sell You Something", oder mit "Hotrod" gar in Richtung Avantgarde Progressive Rock schielt, die sechziger und siebziger Jahre des Rock sind allgegenwärtig.

Ich muss zugeben, dass ich ROINE STOLT solch eine starke Veröffentlichung nicht zugetraut hätte. Mir sind seine kompletten Solo-Schaffenswerke, wie auch sämtliche THE-FLOWER-KINGS-Alben und diverse Side-Projekte gut bekannt und besonders jene Alben, die unter seinem Namen liefen, sorgten bei mir nicht immer nur für durchgehende Begeisterungsstürme. Anders jedoch bei "Wall Street Voodoo", diese Scheibe sollte man zumindest einmal gehört haben, wenn man auf weiter oben berichtete Zutaten steht und vor allem ein Liebhabergen für verspielten, älter klingenden (Blues) Rock Sound besitzt.

7/10

» The Flower Kings

INFO-BOX
Künstler Roine Stolt
Titel Wall Street Voodoo
Format Doppel-Album
Länge 16 Tracks | 115:05
Label InsideOut Music
11.11.2005

Leserwertung:

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