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Ribozyme – "Presenting The Problem"

23. April 2012 | Bastian | Musikrezensionen | 1.627 mal gelesen

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Norwegische Superrocker

Wenn man mir eine Band mit Attributen wie FILTER, NINE INCH NAILS oder TOOL schmackhaft machen will, dann ist das so, als würde man mir lauter Schokohäppchen zuwerfen, nach denen ich natürlich gierig schnappe. Allerdings schraube ich dadurch auch gleich meine Erwartungen um 100% nach oben, denn wenn solche Namen "gedroppt" werden, dann muss auch "geliefert" werden. Die Norweger RIBOZYME schwingen sich dann allerdings so schnell und so lässig über die hohe Messlatte, dass mein Kopf nicht nur im Rhythmus nickt.

Fangen wir gleich mal beim Titeltrack an: Sänger Kjartan Ericsson nähert sich mit seiner Klangfarbe so stark an Maynard James Keenan an, dass man das Gefühl bekommt, Billy Howerdel wäre endgültig übergeschnappt und würde mit A PERFECT CIRCLE mal richtig ausrasten. Oder TOOL hätten plötzlich Lust auf gänzlich unprogressive Rocksongs bekommen. Mit dem rhytmischen Zusammenspiel von Instrumenten und Gesang bei "Lending A Fever" winken RIBOZYME jedenfalls auch in diese Richtung.

Mit "Leverage" haben sie den gleichen Drive wie ihre Kollegen von DJERV, und mit "Over The Galvanized" kommt dann auch tatsächlich FILTER-Feeling auf: Monumentale Soundwände, saftiger Alternative/Hard Rock mit Metal-Härte, mächtige Gitarren, Gänsehautmelodien, nur eben nicht Richards Screams. Fehlt nur noch das Flair vom Industrial Rock á la NIN, bei "Caskets" werden wir fündig. Ein schöner, ruhiger Track mit elektronischen Spielereien am Schlagwerk.

Das sympathische an all den zitierten Einflüssen ist nicht nur, dass sie absolut berechtigt sind, sondern dass die Norweger zu den wenigen Bands gehören, die derlei Inspirationen immer nur dezent hervorschimmern lassen, ohne ihrer eigenen Note ein Bein zu stellen. Keine déjá-vu-Erlebnisse der Art, "die klingen ja genau wie…", sondern eine angenehm vertraute Atmosphäre. RIBOZYME treffen sozusagen den kleinsten gemeinsamen Nenner, die Wirkung der Musik.

Ein entscheidenden Anteil daran hat der beeindruckende Sound. RIBOZYME verstehen es brilliant, den klassischen Banddreier – Gitarre, Bass, Schlagzeug – fetter klingen zu lassen, als das manche Bands hinkriegen, die noch ein bis zwei Mann mehr aufbieten. Den Schritt zur Drei-Mann-Band vor acht Jahren haben RIBOZYME hörbar nicht bereut. Sie schütteln eine ganz Reihe von saftigen Hard Rockern und schmissigen Riffs aus dem Ärmel, und das mit einem erdigen aber doch modernen Sound. Maximale Ausbeute im Studio, aber keine Hochglanzpolitur auf Kosten der Authentizität. Ihr Credo, die Stimmung, die Atmosphäre in den Songs noch größer als die Riffs zu machen, zeigt sich auf ihrem mittlerweile fünften Album mehr als eindeutig. Es zeigt sich auch mal wieder, dass man nix auf all das Geschwafel von den ersten drei, ach so bedeutsamen Alben einer Band geben sollte. Die Norweger, aktiv seit 1998, werden mit ihrer fünften Platte richtig durchstarten, etwas anderes lässt die Qualität ihrer Songs, von treibenden Adrenalinnummern wie "Scale Of Values", gar nicht zu.

Den perfekten Abschluß macht das nahezu balladeske "The Bricks Went Flying", für das sich die Band ein Piano ausgeliehen hat. Nachdem die letzten Takte ausgeklungen sind, ist klar: Hier spielt eine Band von internationalem Format. Schön, dass man sie endlich von der Leine gelassen hat. Für mich die Schokohäppchen, für euch hoffentlich die ganze Welt!

» Ribozyme

INFO-BOX
Künstler Ribozyme
Titel Presenting The Problem
Format Album
Länge 10 Tracks | 40:00
Label Indie Recordings
12.02.2012

Leserwertung:

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