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Psychomantum – "Genius Loci"

9. November 2010 | ME | Musikrezensionen | 1.654 mal gelesen

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Heidelberger Sagenwelt

Psychomantum - "Genius Loci"Sargath aus Heidelberg interessiert sich für die Sagenwelt seiner Heimat. Aus diesem Interesse entstehen die Songs für die CD “Genius Loci” der “Band” oder sagen wir besser des Einmannprojektes PSYCHOMANTUM, welches wohl schon recht lange existiert, wenn man Gerüchten Glauben schenken darf. Es ist klar, woher Sargath seine musikalische Inspiration bezieht, denn “Genius Loci” erinnert schon stark an die Frühwerke der Österreicher SUMMONING und manchmal auch an deren Landsleute von NERTHUS. Allerdings werden einige Rezensenten dem Schaffen von Shargath nicht gerecht, wenn sie PSYCHOMANTUM als SUMMONING-Epigon abtun oder die stark keyboardlastige Produktionsweise kritisieren bzw. in den Vordergrund stellen. Klar, ein Drumcomputer ackert, auch werden die Gitarrenleads eher als Beiwerk eingesetzt und flächige Keys dominieren das Klangbild, doch das passt durchaus zum Konzept der CD.

Denn die überlangen Tracks leben von ihrer Atmosphäre und die sollte nicht auf Hochglanz poliert werden. Eher ist “Genius Loci” ein schwarzes Eisenerz, noch nicht veredelt, aber aus hochwertiger Ader. Der Krächzgesang, die weiblichen Stimmen und der einlullend-marschierende Rhythmus lassen uns nämlich angenehm in Märchenwelten versinken, magisch wird der, der auszog, das Fürchten zu erlernen vom unheiligen Schloss, dem zu lösenden Rätsel angezogen, seiner Bestimmung entgegen. Es ist erstaunlich, wie viele Ideen Sargath in seinen Songs unterbringt. Dudelsacktöne, eine traurige Violine und andere geheimnisvolle Instrumente schaffen eine wattige Atmosphäre, wie ich sie erlebt habe, als ich, Schulkind, mit 39 Grad Fieber im Bett lag und, in wacheren Augenblicken mit roten Wangen Grimms Märchen studierte. Das war ungeheuer spannend, das Fieber angenehm, die Hitze, der Schlaf, welcher sein Recht forderte, jedoch vom erzählerischen Sog des magischen Buches verdrängt wurde.

Ich finde keinesfalls, dass Sargath  sein nächstes Album professioneller produzieren sollte. Eher könnte manch eine Idee wiederkehren bzw. die Wiedererkennbarkeit um eine Nuance gesteigert werden, könnten andere Ideen eher den Hintergrund darstellen, statt gleichberechtigt zu wirken, der Focus sozusagen etwas mehr auf den Überlängesong und ein, zwei Basisthemen gelegt werden. Andererseits fände ich es sehr bedauerlich, wenn PPSYCHOMANTUM ihre Stärken einbüßen würden, nur um den Mainstream zu bedienen und größeren Gefallen zu erzeugen. Nein, ich muss sagen, dass mir das Album mit jedem Hören besser gefällt. Ich empfehle dazu das Buch “Rheingold” von Stephen Grundy, das passt aber auch dermaßen… Überhaupt, “Genius Loci” selbst könnte beinahe wie ein geheimnisvolles Buch beschrieben werden, dessen Seiten, einmal geöffnet, Schwärme von Henkern, Bettlern, Rittern, Burgfräuleins, Königen, Narren und Spielern freisetzt, welche, einmal entfesselt, uns in eine Welt ziehen, welche verführerisch ist und gleichzeitig einigen Schrecken birgt.

Für den Herbst ist dieses Album ideal; es lädt zum Zuhören ein und erschließt sich keinesfalls beim ersten Hören. Das ist auch nicht Sinn und Zweck von “Genius Loci”. Wir erinnern uns des gloriosen Scheiterns der Österreicher HROSSHARSGRANI, welche ja auch einst ins Märchenland auszogen, aber vom Knüppel aus dem Sack höchst unerfreulich getroffen wurden. Das passiert PSYCHOMANTUM nicht. Sie sind nämlich gut. Nuancierter Kitsch und dunkle Hörspielatmosphäre können sehr unterhaltsam sein. Sargath, weitermachen!

8/10

» Psychomantum

INFO-BOX
Künstler Psychomantum
Titel Genius Loci
Format Album
Länge 6 Tracks | 68:08
Label Karge Welten Kunstverlag
07.06.2010

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (4 Wertungen, Ø 8,00 von 10)
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