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Protomartyr – "Relatives In Descent"

14. November 2017 | Matthias | Musikrezensionen | 75 mal gelesen

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Unverbesserliche Sturköpfe

Protomartyr - "Relatives In Descent"Diese Band aus Detroit will es einfach nicht machen! Was? Na, eingängige Songs schreiben, um sich auch ein Stück vom großen Kuchen zu sichern. Das Zeug dazu hätten sie sicher, aber sie schlängeln sich lieber weiter auf ihrer Schiene abseits der Massenkompatiblität. Auch ihr viertes Album ist weit weg von gängigen Normen und nicht nur eigenwillig, ziemlich kauzig, schräg sowie schnodderig geraten, sondern besitzt dabei auch noch eine gehörige Menge Charme und vor allem eine gelungene Atmosphäre. Der perfekte Stoff also, um dem Begriff Punk im Post etwas mehr Raum zu geben. Die unverblümten, sehr direkten Texte stellen dabei ein Spiegelbild der Gesellschaft dar und sind neben aller Ironie definitiv einen zweiten Gedankengang wert.

Der zunächst etwa sträg und behäbig wirkende Opener "A Private Understanding" unterstreicht eingangs erwähnte Haltung der Band ziemlich eindrucksvoll, denn sie beginnen nicht mit einem flotten Ins-Gesicht-Springer, sondern machen gleich klar, dass es hier nicht um Hipster-Scheiße gehen wird, sondern um echte und ehrliche Musik, über die man sich Gedanken machen kann (und sollte!). Diese Haltung wird im gesamten Verlauf des Albums erkennbar werden, denn es gibt nicht ein einziges Lied, das es ins Radio schaffen könnte; gut so!

Zwischen verkanteten Rhythmen und eigenwilligem Gitarrengeschrammel gibt es krachige Ausbrüche, wie z.B. in "Windsor Hum", in dem ein regelmäßig wiederholtes "Everything's Fine" von Sänger Joe Casey scheinbar beruhigen soll. Klappt natürlich nicht. Ganz im Gegenteil, das Stück wühlt noch mehr auf, als die Musik es ohnehin schon tut. Und so kann man sich selbst dabei erwischen, zwischen dem Mitwippen immer wieder innezuhalten und kurz darüber zu sinnieren, was man da gerade gehört hat, musikalisch wie lyrisch.

Auffallend ist die regelmäßig wiederkehrende, düstere Melancholie, die besonders in "My Children", "Night-Blooming Cereus" oder dem gelungenen Finale "Half Sister" zutage kommt. Spannend dabei ist, dass diese Schwere in den Songs durch auflockernde, fast schon hoffnungsvolle Parts gebrochen wird, nur um danach wieder alles in die Tiefe rutschen zu lassen. Sehr gelungene dynamische Wechsel, die PROTOMARTYR uns hier bieten.

Insgesamt ist "Relatives In Descent" ein sehr starkes Album geworden, das allerdings seine Zeit braucht, um vollends durchzudringen. Für einen Once-Heard=Like ist diese Musik sicherlich nicht geeignet. Wer bereit ist, sich dem Stoff zu stellen, der wird mit nachhaltig eindrucksvollen Texten und unverwechselbarer Musik belohnt.

» Protomartyr

INFO-BOX
Künstler Protomartyr
Titel Relatives In Descent
Format Album
Länge 12 Tracks | 43:28
Label Domino
29.09.2017

Leserwertung:

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