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Porcupine Tree – "The Incident"

30. September 2009 | ME | Musikrezensionen | 1.585 mal gelesen

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Jenseits der Schwerkraft

Porcupine Tree - "The Incident"Steven Wilson produziert Musik in einem Tempo und von einer Qualität und Quantität, dass es kaum zu glauben ist. "The Incident" nennt sich die neue PORCUPINE TREE, welche beinahe 80 Minuten Musik, verteilt auf zwei CDs, beinhaltet. Zunächst fallen die vielen kurzen Zwischenspiele auf der ersten CD auf: nicht weniger als acht solcher Stücke werden uns begegnen, eigentlich eher untypisch für Steves bisheriges Schaffen.

Der erste Silberling ist als Konzept aufzufassen. Im Grunde handelt es sich um einen Song, der aus vielen Facetten besteht. Das eineinhalb Minuten dauernde "Expectations" hätte einen trefflichen Sechsminutensong abgegeben. Das trifft auch auf andere Zwischenspiele zu, beinahe schade, denkt man unwillkürlich, dass diese Tracks so früh abbrechen.
Die längeren Songs (z.B. "The Blind House", "Drawing The Line", "Octane Twisted")  sind einerseits eckiger, sperriger, andererseits erinnern sie schon manchmal, wenn sie in die Weite des Raumes vordringen, an R.E.M., U2 oder COLDPLAY. Dem Hörer wird es nicht leicht gemacht, die Verbindung zwischen den einzelnen Abschnitten, beinahe wissenschaftlichen Aspekten, tonalen Räumen zu finden. Seltsame Loops ("The Incident") und postrockartige monotone Gitarrenakkorde zu geflüsterten Stimmen lassen eine beklemmende Atmosphäre entstehen.

Gerne verweilt Steven in Britpop-Gefilden. Das fällt vor allem auf, wenn man die flächigen Refrains studiert. Das überlange "Time Flies" führt in friedliche Zeiten zurück. Piano, die Akustische und New Wave-Klänge der Achtziger verbinden sich hier zu einem melancholischen Ausflug in die (britische) Vergangenheit. Dann wieder tönt es, als ob Wanten brechen oder Dinosaurier über den Autofriedhof marschieren; die stählerne Brücke zur Moderne ist immer gegenwärtig.
So leicht erhält hier keiner Zugang zum Lunapark. Immer vermeint man, den entscheidenden Schlüssel vergessen zu haben, das Tor, das berühmte, das nur für einen selbst bestimmte Einzige, nicht zu finden. Das aber löst Spannung aus, Neugier, Interesse. Denn ähnlich Devin Townsend arbeitet Steven auf sehr hohem Grat; Schwindel erregend manchmal. Und faszinierend sind Stevens Klanglandschaften, ohne Zweifel.

Schwere metallisches Riffing erwartet uns nach einlullendem Beginn in "Octane Twisted"; sind MESHUGGAH in der Nähe? Man könnte es beinahe annehmen. Das tropfende Solo ist experimentell und führt in einen stählernen Rausch, welcher natürlich von Klängen des Zauberlandes abgelöst wird, was sonst? Im Intermezzo "Circle Of Manias" hören wir Finsteres, Apokalyptisches. Steven könnte Metal machen; viele Death-Bands könnten einpacken. Macht er aber nicht. Er deutet nur an.
Sehr besinnlich, still, unspektakulär endet die erste CD mit "I Drive The Hearse". Der Chorus will nicht aus dem Ohr. Die Soli sind natürlich für Live-Auftritte wie geschaffen. Der Song verhallt, die erste Etappe ist geschafft.
Die zweite CD enthält zugänglicheres Liedgut ohne Zwischenspiele. Hier begegnen wir den Strukturen, welche wir erwartet haben, welche von den letzten CDs bekannt sind. "Flicker" ist ein ruhiger Gigant; voller Dynamik, phantastisch arrangierten Gesängen und einprägsamen, intelligent produzierten Melodielinien, verfeinert durch schillernde Orientalik. Harte Leads kommen zum Einsatz, drücken, versuchen uns festzuhalten; allein die Stratosphäre ist stärker. Ganz entfernt erinnern mich PORCUPINE TREE durchaus auch an alte BLUE OYSTERCULT, als selbige ihre Songs noch live in überlangen Instrumentalimprovisationen zum besten gaben. Dieser Song ist eines meiner Highlights, ganz klar.

"Bonnie The Cat" gerät experimenteller, schräger; ein düsteres Riff, sozusagen ein "Mad Arab" aus dem Prog-Sektor, entführt ins Morgenland. Sehr facettenreich sind hier Bass und Drums eingesetzt. "Black Dahlia" tönt wie aus dem Off, das gefällt Steve, wie wir wissen. Akustisch, sanft, Akkorde, welche kurz an Schiffssirenen erinnern, lassen uns den heimatlichen Hafen ansteuern. "Remember Me Lover" ist noch ein Hit des Albums; der Chorus tönt schön nach Alternative Rock. RADIOHEAD würden diesen Song als passend zu ihrem letzten Album erachten, wetten? Der elektrische Gitarrenakkord ist kaum zu toppen: weder Einfachheit, noch Ausdruck oder Effekt wird PORCUPINE TREE so schnell jemand nachmachen.

Nach beinahe 80 Minuten ist das Opus vorbei und was dann? Von vorne, klar, wie war das noch mal am Anfang, da gab es doch so eine Melodie… PORCUPINE TREE haben wieder ein tolles Album eingespielt. Jetzt muss Steven aber pausieren; nach so einem Werk muss man innehalten, Atemholen.

9/10

» Porcupine Tree

INFO-BOX
Künstler Porcupine Tree
Titel The Incident
Format Album
Länge 18 Tracks | 75:39
Label Roadrunner Records
15.09.2009

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (6 Wertungen, Ø 8,17 von 10)
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