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Paradise Lost – "Tragic Idol"

17. April 2012 | ME | Musikrezensionen | 2.966 mal gelesen

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Liebeserklärung an PARADISE LOST

PARADISE LOST gehörten von Anbeginn zu den tastenden Bands, zu denen welche sich nie festlegen lassen wollten. Einflüsse aus Death Metal, Gothic (obwohl sie dafür zu gut und zu heavy sind) und Elektrodinosauriern der Achtziger fanden sich ebenso wie eine Hinwendung zu beinahe tanzbaren Grufttempelklängen. Es erstaunt daher nicht, dass Bands wie METALLICA ("Icon"), SISTERS OF MERCY ("One Second") und DEPECHE MODE ("Host") zu festen Einflussgrößen mutierten. Was mich betrifft, ich mochte alle Phasen dieser Band.

Auf den letzten Alben wandte sich die Band wieder ihrer bewährten düsteren Schwere zu, ohne jedoch die Liebe zu Loops und Eldridge ganz aufzugeben. Das nunmehr 13. Album "Tragic Idol" führt den dunklen Weg fort, allerdings wären PARADISE LOST nicht LOST PARADISE wenn sich nicht auch kleine Änderungen eingeschlichen hätten, beinahe unmerkbar, aber dem aufmerksamen Zuhörer nicht ganz verborgen bleibend.

Denn die Engländer integrieren mehr klassisches Riffing aus Rock und Metal in ihre Songs, welche wieder griffiger einher kommen, mit starken Melodiebögen ausgestattet sind. Andererseits ist das Album nicht sofort zugänglich, der Schatten huscht vorbei, ohne dass zunächst Form oder Umriss genau bestimmt werden können. Insofern machen die Briten es dem Hörer zunächst nicht ganz leicht.

"Solitary One" startet mit düster verhalltem Heavy-Doom, Keys tupfen in die dunkle, schattige Materie und Nick singt, nein kämpft gegen die Düsternis an, verzweifelt, durchhaltend, die Klarstimme des Refrains kontrastiert die Trauer einerseits, andererseits tönt sie anklagend, löst das Unbehagen nicht auf. Mit "Crucify" folgt ein uns schon im Vorfeld vorgestellter typischer PARADISE LOST-Smasher, ganz Riffing, Melodie und Groove.

Nicht nur in dem Track hören wir die von Nick so gern gedehnten prosaischen Schlagworte wie "Dying Flame", "Sinners", "Dreamin'", "Crucify", "Madness", "Sadness", "Honesty" oder "Frailty" (und natürlich viele andere). "Fear Of Impending Hell" eröffnet still, erinnert an die mittlere Phase der Band, entführt vertäumt in die Neunziger. Im Chorus allerdings muss Old-Nick diese tiefe, heisere Stimme einsetzen, um uns daran zu erinnern, dass wir nun 15 Jahre älter sind, dass die Trauerweiden nun ihre Zweige noch tiefer über den schwarzen Fluss hängen.

Das schwerfällig-treibende "Honesty In Death" eröffnet den mittleren Teil des Albums, in welchem die Milton-Jünger Fahrt aufnehmen. Der Chorus fräst sich ins Stammhirn, das Kathedralenartige des Gitarrensounds überwältigt den Hörer. "Theories From Another World" schaltet in Gang vier, verzerrte Gitarren, schräge verhallte Atmosphäre zunächst, dann der Chorus, welcher die Serpentinen hinunter jagt, die krallenbewehrte Dunkelheit auf den blutigen Fersen.

War "Frailty" der Übersong des Vorgängers "Faith Divides Us Death Unites Us" so ist es diesmal "In This We Dwell": wenn Nick zu feinsten Metal-Akkorden intoniert "In This Hour We Fight… Until The Graaaave" möchte man niederknien, um sodann in hilflosem Zustande vom anschließenden göttlichen Chorus silberne Tränen der Rührung ins harte Kämpfergesicht gemeißelt zu bekommen.

"To The Darkness" flirrt mit Leads, flirtet mit METALLICA und wartet mit Klassegitarrenarbeit und fein metallischem Solo (Mackintosh und Aedy sind groß!) und Finale (Minute 4:42, hach ja…) auf. Tempo stand den Buben immer gut, man muss es sagen. Und natürlich wird in der Mitte des Tracks eine Stahlwand eingezogen, klar. "Tragic Idol" mit sanftem Beginn und Klarstimme tönt poppiger, etwas nach dem Liedgut von "One Second" (was den Autor beinahe melancholisch werden lässt, denn was waren das damals für Zeiten), und sie haben es aber auch mit dem Wort "Frailty"…

Die ersten Sekunden von "Worth Fighting For" erinnern an PRIEST, einschmeichelnd und mit einem Anflug von Dramatik gehört dieses melodische Lied zu den einprägsamsten des Albums, beinahe eine kleine Hymne haben sie da gezaubert. "The Glorious End" entschwebt unter die Apsis, Gitarrenhall, Doom, Heavyness, Melancholie vereinigen sich zu einem feinen Finale, welches Edmonson am Tieftöner und Erlandsson am Schlagwerk noch einmal fein Gelegenheit gibt, ordentlich Doom zu schrauben und zu Höchstform aufzulaufen, uns armen Sündern eine monströs anmutende Kathedrale ins Stammhirn zu zimmern.

Auch wenn die Zutaten bekannt sind und nach wie vor das Biest nicht ganz aus dem Käfig entlassen wird, ist der Hörer doch von Sound und Drama überwältigt und mitgerissen. Der vertraute Vino Rosso aus der Toskana ist ja auch immer wieder gut, auch wenn man weiß, was einen erwartet…

» Paradise Lost

INFO-BOX
Künstler Paradise Lost
Titel Tragic Idol
Format Album
Länge 10 Tracks | 46:05
Label Century Media
23.04.2012

Leserwertung:

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