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Oranssi Pazuzu – "Muukalainen Puhuu"

23. November 2010 | ME | Musikrezensionen | 2.204 mal gelesen

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Harvester Of Sorrow, Pt. I: Ereignishorizont

Oranssi Pazuzu - "Muukalainen Puhuu"Spleenige Finnen gibt es viele. Wenn sie sich zusammen tun, um Musik zu machen, kann schon einmal so etwas wie ORANSSI PAZUZU herauskommen, ein Black Metal-Bastard mit einigen Postrockeinflüssen und einer Vorliebe für flächige Soundcollagen. Dass die Band gern PINK FLOYD hört, wollen wir ihr glauben, auch die Nähe zu BURZUM, BERGRAVEN und KROHM. Seltsamste Klangexperimente entführen ins Weltall, der Astronaut auf dem Cover steht das schon richtig, auch wenn er so allein etwas linkisch wirkt. Nein, ORANSSI PAZUZU liefern mit "Muukalainen Puhuu" den passenden Soundtrack. Schräg, stählern, schwarz und atmosphärisch stark verdichtet breitet sich ein wohliger Umhang aus hakelig-fein gewebten Tönen angenehm einhüllender Dunkelheit um uns; gut, der Gesang wirkt etwas irritierend, heiser, fauchend, doch das hypnotische Rezitativ des Hohepriesters zieht uns fein in den Kern des schwarzen Lochs.

Dunkle geflüsterte Passagen erinnern uns daran, dass im Raumgleiter nicht zu laut gesprochen werden sollte, denn Aliens wurden bereits gesichtet; zudem fehlt anscheinend inzwischen die Hälfte der Mannschaft. Hammonds? Stimmt, solche Instrumente gab es auf der Erde. Die Wanten biegen sich, es hallt in den Gängen, da vorn, da muss doch irgendetwas… Ruhig bleiben, Laserkanone auf Nahkampf und mutig hinein in den Maschinenraum. Auch an SHINING erinnern mich ORANSSI PAZUZU immer wieder. Nun hören wir Getrappel, eine beinahe physisch spürbare seltsam kriechende Angst drängt unaufhaltsam näher, Panik lässt sich nicht von der Hand weisen. Diese schwere monotone Atmosphäre zelebrieren ORANSSI PAZUZU meisterlich; die Songs verbleiben im Slowmotion-Bereich oder lassen sich bisweilen auf stählernes Midtempo ein, kreieren eine maschinell-dunkle Stimmung voll wollüstigem Schauder.

Dass ORANSSI PAZUZU es auch gern psychedelisch mögen, zeigen sie nur zu gern. Die in Landessprache gesungenen Songs durchwandern immer wieder das Reich bunt schillernder Kreise, hier im Bauche des Riesenraumschiffs muss man hin und wieder auf Acid sein, oder? Immerhin geht es erst 2017 zur Erde zurück… Oder war das 2027? Falls überhaupt. Denn die Präsenz der Schwärze weitet sich aus, kriecht in die letzten Winkel, Flucht ausgeschlossen. Die erstaunlich gut produzierte CD verbleibt im Vagen, Ungefähren. Wir entscheiden für heute, den Kampf mit ungewissem Ausgang zu vermeiden. Luken zum Unterdeck dicht, ab nach oben, ins Kontrollzentrum. Dort kann uns die schwarze Bedrohung nur mit List herausfordern, gibt es hier eigentlich Kabelkanäle und unzugängliche Flure, fragen wir uns gerade, als wir ein eigenwilliges Tropfen vernehmen, ein Blinkern eigentlich…

Stark gemacht von den Finnen, erst 2010 entdeckt, aber reif für den Jahrespoll.

8/10

» Oranssi Pazuzu

INFO-BOX
Künstler Oranssi Pazuzu
Titel Muukalainen Puhuu
Format Album
Länge 8 Tracks | 44:35
Label Violent Journey Records
22.04.2009

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (8 Wertungen, Ø 8,38 von 10)
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2 Comments zu Oranssi Pazuzu – "Muukalainen Puhuu"

Matt
23. November 2010

Hui starke Scheibe! Was du so alles anschleppst… geil! Kannte die Band vorher gar nicht. Sehr eigene Musik mit Wiedererkennungswert, und das soll schon was heißen heute. Die stilübergreifenden Elemente sind die Stärke des Albums. Man höre nur "Dub Kuolleen Porton Muistolle", das ist doch psychedelic pur. Wirklich klasse!!! Unter Euphorie des "Neuen" von mir fette 9/10, eine 8/10 aber allemal…

The Law
19. Dezember 2010

Wahnsinnsband. 'nuff said.

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