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Opeth – "Heritage"

15. Oktober 2011 | ME | Musikrezensionen | 1.912 mal gelesen

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September Songs

Es war nach den letzten Veröffentlichungen klar, dass sich OPETH von ihrer früheren Ausrichtung irgendwann ganz verabschieden würden. Die auf den letzten Alben noch spärlich eingesetzten Growls als Kontrast zu den sehr atmosphärischen, oft instrumental mäandernden Überlängetracks wurden erfolgswirksam an den Anfang der Alben gesetzt, um potentielle Käufer zunächst in Sicherheit zu wiegen. Nun, mit dem neuen Album "Heritage" sind Åkerfeldt und Co. Nun ganz im experimentellen Soundkosmos von Stephen Wilson (PORCUPINE TREE) gelandet, dessen komplexem Werk sich Bandleader Åkerfeldt ja immer sehr verbunden fühlte.

Seine Dunkelstimme setzt der Altmeister aus Schweden nun gar nicht mehr ein. Noch immer sind wir dieser eigenartigen Atmosphäre ausgesetzt, welche OPETH immer auszeichnete: Ein halb verfallenes Blockhaus im Walde, in dem vor Jahren jemand lebte, ein inzwischen längst vergessener Mensch. Das Interieur der Behausung? Ein in unendlicher Stille liegendes Wohnzimmer, darin ein mit einem Überwurf bedeckter Ohrensessel, eine uralte Zeitung, eine seit Jahren nicht mehr tickende Uhr, ein halbvergilbtes Foto einer uns unbekannten Person weist darauf hin, dass es hier Leben gegeben hat, gegeben haben muss; möglicherweise verborgene Leidenschaften. Und immer hallt ein verhaltenes Echo durch den seit Dekaden stillstehenden, in der Zeit eingefrorenem, von Erinnerungen durchsetzten Raum.

Es gelingt Åkerfeldt mühelos, diese sehr traurige Stimmung zu erzeugen. Progressive Elemente werden mit Akustischem und Siebziger-Spärenrock gemischt. Das Biest, welches durch die garstigen Vocals in früheren Zeiten Unruhe schaffte, daran erinnerte, dass sich hier auch unheimliche, nein eher unerklärliche Dinge ereigneten, es klopft so manches Male an die in schiefen Angeln hängende Tür. Allein, es tritt nicht ein, es ist vielmehr ins Innere des nun ausnahmlos klaren Gesanges verlegt. Das Unheimliche ist sozusagen in uns selber und wir müssen mit der Schwere des Raumes und seiner Geschichte allein klarkommen.

Das ist nicht ganz einfach. Dunkel und magisch tönen OPETH immer noch. Ich war anfangs nicht gerade begeistert über das Fehlen von harten Gitarren und Growls. "The Drapery Fally" und "Dirge For November" (von "Blackwater Park") hatten einst gezeigt, dass OPETH es meisterhaft verstanden, verschiedene sehr ausdrucksstarke Gesangsstile zu mischen, in die Songstrukturen zu integrieren, ohne dass die Songs etwa zerfledderten. So tat ich mich zunächst sehr schwer mit "Heritage", weil ich immer wieder erwartete, dass der unheimliche Besucher von einst sich endlich zu Worte meldet. Doch es gibt dieses Mal keine Besucher außer uns selbst.

Åkerfeldt und seine Mannen bieten beinahe jazziges ("Nepente"), erklimmen vertrackt winklige Treppen, blicken kurz zurück in DIOs bzw. RAINBOWS Reich der Phantasie ("Slither"), beschwören Erinnerungen an längst vergangene Zeiten durch Balladeskes, verhallte Stimmen und eine kurze Hommage an DIRE STRAITS ("Häxprocess") immer im schwebenden Kontrast zu düsteren Akkorden und KING CRIMSON-artigen Songstrukturen. Eine warme orientalische Umarmung erfolgt in "Famine". "The Lines In My Hand" erinnert mich an ARCTURUS: melodisch, schräg, auch der Gesangsstil. Das kann durchaus gefallen. Mir persönlich fehlt dennoch diese schnittige Härte, welche nach fünf instrumentalen Minuten der inneren Einkehr immer so schön den Vorhang der Trauer beiseite schob um so unfassbar gut dem Track eine andere Richtung, eine dramatische nämlich, zu geben. OPETH haben einige ihrer Trademarks beibehalten, andere (leider) abgestoßen. Für mich bleibt "Blackwater Park" das Album der Band.

» Opeth

INFO-BOX
Künstler Opeth
Titel Heritage
Format Album
Länge 10 Tracks | 57:01
Label Roadrunner Records
20.09.2011

Leserwertung:

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1 Kommentar zu Opeth – "Heritage"

Matt
15. Oktober 2011

Also ich vermisse das Grunzen gar nicht. Ein "muss" ist das nicht. Ich vermisse eher packende Songs und auch mal ein musikalisches Aufbäumen. Die gesamte produktion ist doch sehr reduziert und harmlos gestaltet. Ist nicht übel, keine Frage, OPETH spielen sicher und fest wie immer. Auch die Kompositionen sind ausgereift und gut durchdacht, dennoch fehlt mir trotz aller Perfektion irgendwie noch das gewisse Etwas… aber vielleicht kommt das ja noch. Eine fette 7/10 ist es allemal.

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