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Opeth – "Blackwater Park"

26. Mai 2010 | Matthias | Musikrezensionen | 1.547 mal gelesen

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Vielseitig und gleichzeitig enorm dicht

Opeth - "Blackwater Park""Blackwater Park" ist das fünfte Album der schwedischen Extrem-Progressive-Metaller OPETH. Spätestens seit dem Vorgänger "Still Life" (1999) sind sie nicht einfach nur eine Band, die versucht ihren Weg zu gehen, sondern OPETH sind eine ernstzunehmende musikalische Größe, die nicht nur um Eigenwilligkeit und Eigenständigkeit bemüht ist, sondern diese Aspekte auch verkörpert und mit jedem weiteren Album neu, frisch und eindrucksvoll manifestiert.

Sehr verspielt und gar nicht mal so düster beginnt das Album mit "The Leper Affinity". Viele Melodien, sehr harmonische Soli und eine ausgelotete Dynamik stellen hier die Formel zum Erfolg dar. "Bleak" beginnt erhaben und klingt am Anfang von der Melodieführung her ein klein wenig orientalisch. Mikael Åkerfeldt benutzt sein heftiges Grunzorgan und verleiht dem Song dadurch etwas gefährliches. Erst während des akustischen Zwischenparts in der Mitte des Stückes wird Druck herausgenommen und die Stimme klingt weich und zerbrechlich, bevor zum Ende hin nochmal alles an Power gegeben wird. Bei den klaren Vocals hat hier übrigens Produzent Steven Wilson von PORCUPINE TREE ausgeholfen.

"Harvest" startet akustisch und wirkt wie ein Lied von einer lupenreinen Progressive-Rock-Truppe. Åkerfeldt singt mit klarer, etwas melancholischer Stimme; zwischendurch wird sein Gesang leicht mit Hall unterlegt, was dem Ganzen noch ein zusätzliches leichtfüßiges Feeling verleiht. "The Drapery Falls" klingt dann erstmal wieder typisch nach OPETH. Verspieltes, hartes Riffing und kantige Schlagzeugrhythmen bringen zunächst amtlich Saft ins Spiel, bevor die Akustikgitarre die alleinige Führung übernimmt und die Drums vorübergehend nur eingreifen um Akzente zu setzen. Åkerfeldt bestimmt mit klarer Stimme die Lage bevor das Stück erneut vollmundiger wird und in richtig schöne und laute, dynamische Gitarrenmelodien mündet, zu denen dann auch wieder richtig OPETH-like gegrunzt wird.

Leise, reduziert, akustisch und von der Stimmung her recht melancholisch beginnt "Dirge For November". Nach ca. drei Minuten knallt dann die volle Instrumentierung rein und bringt enorm Power. Åkerfeldt grunzt sich den Teufel aus dem Leib und die musikalische Stimmung wird dadurch nicht nur dramatisiert, sondern wirkt energetisch und gefährlich zugleich. Abrupt brechen OPETH ihre eigene Kraft und lassen das Stück mit verhallten Hintergrundtönen und schwach verzerrtem Gitarrengezupfe gefühlvoll ausklingen.

"The Funeral Portrait" startet im altbekannten, verspielten OPETH-Riff-Gewand inklusive kräftigem Drumming. Auch Åkerfeldts Gegurgel ist natürlich mit von der Partie und bringt dem Song amtlich Saft. Bis zum Ende hin behält das Stück seine Power und ist insgesamt gesehen das am wenigsten abwechslungsreiche auf dem Album, was hier keineswegs negativ gemeint ist und der Qualität absolut nicht angelastet werden soll. "Patterns In The Ivy" ist rein instrumental, nur mit Akustikgitarre und ein paar wenigen Pianoklängen vorgetragen; zu verstehen als gelungenes Zwischenstück und Einleitung für den krönenden Abschluss des Albums.

Der Titel-Song "Blackwater Park" bildet das Finale und ist gleichzeitig mit über 12 Minuten der längste Track auf dieser Veröffentlichung. Hartes, OPETH-typisches Riffing, harte Stimme, harte Beats und ebenso harte Arrangements greifen dem Hörer zunächst an die Kehle und schnüren dieselbe zu, bevor unerwartet ein Break herbeigeführt wird. Nur die E-Gitarre ertönt mit gezupften Melodien, eine Akustikgitarre kommt kurzzeitig hinzu, verschwindet jedoch genauso schnell wieder von der Bildfläche wie sie gekommen ist. Es wird eine aufkeimende Spannung erzeugt und urplötzlich geben OPETH wieder mit all ihren Mitteln Gas. Sie lassen nochmal gehörig ihre musikalischen Muskeln spielen und machen klar, dass mit ihnen nicht zu spaßen ist. Bis zum Ende hin rangelt das Stück ungestüm umher, bevor die Wand zusammenbricht und Akustikgezupfe übrigbleibt, womit "Blackwater Park" dann auch ausklingt.

Selten habe ich OPETH so dynamisch und abwechslungsreich innerhalb einzelner Songs gehört wie auf diesem Album. Trotz allen Ecken und Kanten die OPETH in ihre Riffs und überhaupt in ihre Songs einbauen und trotz aller aufgebrachter Energie wirkt diese Band nie ausschließlich aggressiv, sondern immer auch progressiv und angenehm verspielt. Gut und Böse halten sich die Waage und vermitteln dem Hörer eine feine musikalische Dynamik, die schnell fesselnd und begeisternd wirkt.

"Blackwater Park" bietet eine sehr gute Gelegenheit, harte und trotzdem gefühlvolle Musik aufmerksam genießen zu können. Zurücklehnen, Anlage aufdrehen und den interessanten und spannenden Arrangements dieser Ausnahme-Band lauschen und alles ist so, wie es immer sein sollte, wenn man gute Musik hört.

8/10

» Opeth

INFO-BOX
Künstler Opeth
Titel Blackwater Park
Format Album
Länge 8 Tracks | 67:13
Label Music For Nations
12.03.2001

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (7 Wertungen, Ø 8,57 von 10)
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1 Kommentar zu Opeth – "Blackwater Park"

ME
20. Februar 2010

Song 4 und 5 sind göttlich; diese Dynamik, die Growls, welche so melancholisch Atmosphäre zaubern. Damals waren OPETH Magier.
Für mich die beste OPETH, daher 9/10.

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