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Oceansize – "Everyone Into Position"

9. September 2009 | Matthias | Musikrezensionen | 1.463 mal gelesen

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Alle Mann auf Posten!

Oceansize - "Everyone Into Position" Diese Band aus Manchester hat ein superbes Händchen für sanfte und gleichzeitig äußerst wirkungsvolle Melodien sowie ein musikalisch dermaßen ausgereiftes Harmoniespiel, das jedem geneigten Hörer mit Sicherheit einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen dürfte.

OCEANSIZE bewegen sich am Rande des Progressive Rock und verbinden diesen dezent progressiven Metal-Klängen. Auch wenn ein paar der ruhigen Passagen auf "Everyone Into Position" an TOOL erinnern lassen, wäre es unfair zu behaupten, OCEANSIZE würden diese kopieren, denn dazu klingt ihre Musik zu eigenwillig. Sie erschaffen eine homogene Mischung verschiedener Zutaten und durch den dadurch entstehenden Wiedererkennungswert ihr eigenes Gesicht.

Alternative-Rock-Elemente paaren sich mit hypnotischen Gesangslinien, werden durchzogen von leicht vertracktem Riffing, welches aber nie nach Metal klingt, sondern stets das typische Rock-Flair innehat. Experimentierfreudig sind OCEANSIZE ebenfalls und so werden die Gitarren nicht selten mit Wah-Wah und diversen anderen Effekten veredelt. Keyboards kommen auch zum Einsatz, werden aber immer dezent und eher unterstützend eingesetzt; nachzuhören auf "Heaven Alive", das von einem lupenreinen 90er Jahre Alternative-Rock-Refrain getragen wird.

"A Hommage To A Shame" lässt die bereits oben erwähnten TOOL durchblitzen, wobei der direkte Vergleich etwas hinkt, da OCEANSIZE ihre eigene Note verwenden und Sänger Mike Vennart spätestens beim Refrain-Gesang weitab eines Maynard James Keenan klingt. Melancholisch und gleichzeitig hypnotisch geht es mit "Meredith" weiter, einer vornehmlich ruhigen aber atmosphärisch sehr dichten Nummer. Die mit dem diesem Lied begonnene getragene Stimmung zieht sich von nun an immer intensiver durch den kompletten Rest des Albums und macht gerade deshalb die wundervolle Wirkung von "Everyone Into Position" aus.

Der Nachfolger "Music For A Nurse" besticht durch abwechslungsreiches, jedoch verhaltenes, bzw. sanft gespieltes Drumming und Gitarren mit viel Hall. Etwas flotter geht es mit "New Pin" weiter, jedoch bleibt die eben erwähnte Grundstimmung lückenlos erhalten. Am Ende des Tracks spielt die Band mit einem Techno-artigen Lead-Out, was den berühmten Blick über den tellerrand bescheinigen dürfte. Unverzerrt beginnt dann "No Tomorrow" erneut als waschechter Alternative Rocker mit unendlich viel Gefühl, um zum Refrain hin in ein Stimmungshoch umzubrechen, so dass man eigentlich nur noch gewillt ist, die Anlage lauter zu drehen und zu genießen. Das folgende, sehr atmosphärische "Mine Host" ist mit seinem leisen, fast gesprochenen Gesang, den entspannten Keyboardteppichen und effektverspielten Gitarren eher als Zwischenspiel zu betrachten, leitet den roten Faden des Albums jedoch gekonnt weiter.

"You Can't Keep A Bad Man Down" versinkt dann wieder vollkommen in einer art Down-Stimmung und der melodische Gesang erübrigt den Rest, um diesen Track zu einem weiteren Höhepunkt werden zu lassen. OCEANSIZE werden besonders dann immer richtig groß, wenn sie ihre Refrains oder Überleitungen mehrstimmig einsetzen. Den Abschluss bildet "Ornament / The Last Wrongs". Fast 10 Minuten lang wird der Hörer auf eine letzte Reise durch einen wundervoll hymnenhaften Song geschickt. Melancholisch, nahezu depressiv beginnt dieser Übersong zu wachsen. Unverzerrte Gitarren mit Delay-Effekt spielen eine traurige Melodie zu dezenten Hintergrundgeräuschen, das Schlagzeug fängt vorsichtig an zu spielen, wird immer verspielter und letztendlich kommt es zum Ausbruch. Die Gitarren schlagen dem Hörer verzerrt und laut ins Gesicht, ohne jedoch übermässig oder unnötig aggressiv zu klingen. Ein Wechselspiel aus laut und leise besiegelt dann den ersten Teil des letzten Aktes. Nachdem diese Hürde überwunden ist, baut das Lied eine neue, erleichterte Struktur auf und verzaubert den Hörer mit lauten, jedoch superschönen Melodien und traumhaftem Gesang, der die Bezeichnung Hymne mehr als verdient hat.

Wer für derartige Musik aufgeschlossen ist, sich auf sie einlassen kann und nicht davor scheut, ein Album mehrmals zu Hören um es zu begreifen, der wird "Everyone Into Position" von OCEANSIZE mit ziemlicher Sicherheit lieben lernen.

Ein Album allerfeinster Couleur.

9/10

» Oceansize

INFO-BOX
Künstler Oceansize
Titel Everyone Into Position
Format Album
Länge 10 Tracks | 66:46
Label Beggars Banquet
07.02.2006

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (3 Wertungen, Ø 8,67 von 10)
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