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Melechesh – "The Epigenesis"

1. Oktober 2010 | ME | Musikrezensionen | 2.085 mal gelesen

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Schlangenbeschwörer und Säbeltanz

Melechesh - "The Epigenesis"Die Kosmopoliten von MELECHESH haben sich diesmal in die Türkei, genauer gesagt nach Istanbul begeben, um ihr neues Album "The Epigenesis" aufzunehmen. Die Einflüsse des nahen Ostens haben somit unmittelbar Eingang in die Arrangements gefunden. Die eigenwillige Mischung aus Black- und Thrash Metal, Siebziger-Psychedelic und orientalischer Folklore erfuhr am Bosporus eine weitere Verfeinerung.

Die Geister Assyriens hypnotisieren verführerisch wie eine glitzernde schwarze Schlange, "Ghouls Of Nineveh" schlängelt, windet sich durch unser Gehör. Groove, hartes Riffing und ein konsequent vorwärts marschierender Rhythmus führen auf eine Weise in das Album, welche man nur als gerissen, raffiniert, listig bezeichnen kann.

Die orientalischen Soli zeigen, dass Orbasan, der König der Wüste, nicht weit entfernt ist; sämtlicher Schmuck und feine Geschmeide sollten wir im uns noch verbliebenen Auge behalten. Ashmedis Gesang tönt aggressiv, aber facettenreich. Gepresst, wütend, innehaltend, er passt seine Stimme der Atmosphäre des Songs an.

"Garnd Garhas Of Baal Sin" nimmt Fahrt auf, Speed, Speed, Speed! Da können sich KREATOR und DESTRUCTION eine Scheibe abschneiden, denn Thrash kann sehr intelligent eingespielt werden, dann nämlich, wenn die Grenzen des Genres nicht nur berührt, sondern überschritten werden. Man höre das Akustikfinale. Erstaunlich auch, wie das Schlagwerk fuhrwerkt, vertrackte Beats zwischen die Geschwindigkeit platziert.

Babylonisch, sumerisch, assyrisch? "The Sacred Geometry" gräbt sich wieder heavy in den Wüstensand, eine einzige kabbalistische Beschwörung, ein orgiastischer Säbeltanz. Zu kurzen klaren Gesangslinien gesellen sich schwere Gitarrenakkorde. Die ersten Takte von "The Magickan And The Drones" entführen in den östlichen Morgen, dann setzt es böse Schlangengesänge, die Nacht deckt schneller, als wir denken ihre düsteren Schwingen über uns Ungläubige. Das Tempo nimmt zu und die dunklen Gitarrenklänge hinter dem Chorus schneiden langsam ins weiße Fleisch, mit Genuss. Rotmantel ist nicht weit…

"Mystics Of The Pillar" säbelt im wahrsten Sinne des Wortes. Inzwischen ist unsere Widerstandskraft gebrochen; jetzt könnte der Alte vom Berge uns jeden Auftrag erteilen, wir sind bereit. Die Leads türmen sich über uns auf, unwiderstehliche Schatten. Ein toller Heavysong ist das. Und die Überlänge aller Tracks ist klasse, wenn selbige so mit Ideen und Wendungen versehen sind.

Das akustische Instrumental "When Halos And Candles Collide" lässt uns innehalten, die Oase bietet der erschöpten Karawane eine verdiente Erholungspause. Mit "Defeating The Giants" folgt ein sehr harter, schneller Song mit sichelndem Riffing und eindringlich-gemeinem Gesang, der daran erinnert, dass der Grund für das plötzliche Aufblitzen hinter den Dünen in 40 gezückten Krummsäbeln liegen könnte. "Illumination – The Face Of Shamash" wickelt sich wie eine verschleierte byzantinische Nymphe in beschwörendem Tanz sich  windend, anschmiegend um den hypnotisierten Hörer, Entkommen aus dem Zustande der Trance ausgeschlossen.

Dass wir hier der falschen Religion anhängen, merken wir in "Negative Theology". Nun, schnell in den Staub mit dem Kruzifix, ein paar Schaufeln Sand darüber fertig. Möglichen Räubern soll sowenig Grund zum Ärger als möglich geboten werden. Ein schräges fließendes Riff wie aus älteren SLAYER-Zeiten, als selbige noch nicht schief klangen, durchzieht den Song.

Ein zweites Instrumental scheint zunächst Frieden anzudeuten, allerdings bleibt die unheimliche Atmosphäre. "A Greater Chain Of Being" setzt auf seltsame einheimische Instrumente, vertracktes Schlagwerk, eigenartigen Rhythmus. Das finale "The Epigenesis" bietet noch einmal alle Facetten; lange folkloristische Instrumentalpassagen und Riffs durchziehen den überbordenden, farbenreichen Song. Wir bemerken am Lagerfeuer, der Besucher, welcher uns nun gegenüber sitzt, gibt sich als neugieriger Kaufmann; ihn interessiert die Geschichte meiner abgehauenen Hand (Auflösung: Wilhelm Hauff – "Die abgehauene Hand" in "Die Karawane")… MELECHESH ist ein magisches Album gelungen, eines, dass Anhänger von "Tausendundeine Nacht", Hauffs "Die Karawane" oder den Freunden Grenzen überwindender metallischer Musik einige Unterhaltung bietet.

9/10

» Melechesh

INFO-BOX
Künstler Melechesh
Titel The Epigenesis
Format Album
Länge 11 Tracks | 71:24
Label Nuclear Blast Records
01.10.2010

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (6 Wertungen, Ø 9,50 von 10)
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1 Kommentar zu Melechesh – "The Epigenesis"

Matt
5. November 2010

Feines Teil!

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