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Marilyn Manson – "The High End Of Low"

22. Juni 2009 | Bastian | 4 Ohren 2 Meinungen » Musikrezensionen | 1.944 mal gelesen

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Marilyn Manson - "The High End Of Low"4 Ohren 2 Meinungen

Für MARILYN MANSON alias Brian Warner ist jedes Album ein Stück Selbsttherapie, das ist bei "The High End Of Low" nicht anders und wird sogar explizit hervorgehoben. Ob Mr. Manson nun aktuell mehr auf den Bühnen hin und her wankt, und der von Trent Reznor als "dope clown" bezeichnete nur mit Sauerstoffmasken halbgare Performances übersteht, ändert nichts an der Tatsache, dass er nach wie vor gute Alben produzieren kann. Da sind sich ME und Bastian einig.

Tanz den Marilyn Manson

Wesentlich sanfter als in früheren Tagen zelebriert MARILYN MANSON seine Musik, nicht erst mit dem neuesten Album, wie wir wissen. Ruhige Passagen, Blues (dank Rückkehrer Jeordie White?) und Atmosphärenrock halten mehr und mehr Einzug in des Meisters Klangkosmos. Dennoch, auch schräge Töne und gewohnt marschierender Groove finden sich auf dem neuen Opus "The High Of Low". "Devour" spielt noch facettenreich mit Elektro, Pop, sphärischen Leads, metallischen Licks, der variablen Stimme, welche an Bowie erinnert; manchmal auch an Eldritch.

Lautstärke, wilder Groove und tanzbare Rhythmen veredeln "Pretty As A Swastika". "Leaves A Scar" lotet die stimmlichen Möglichkeiten des umtriebigen Bandchefs aus: es wird aggressiv intoniert, beinahe geflüstert, die Stimme variiert manchmal in einem einzigen Wort, ja in einer Silbe. Der Beginn des Albums gestaltet sich flott, zupackend, hitverdächtig. Die lockeren Akustikakkorde von "Four Rusted Horses" zeigen, dass kratzig-bärtige ZZ-TOP in der Nähe verweilen, väterlich beinahe, gleichem Wüstenstaub entstammend.

Wir kennen das Video zu "Arma-Goddamn-Motherfuckin-Geddon". Der Track taugt zu feinem Schattenboxen inmitten sich biegender Nachbarn auf der mit Schwarzlicht überzogenen Tanzfläche. Das Wechselspiel von harten und sanften Klangkaskaden setzt sich fort. Die Klammer um all diese fokussiert komponierten Songs ist in diesem eigenwillig-marschierenden Rhythmus zu sehen. Doch natürlich gibt es auch wieder experimentellere, technischere Passagen zu vernehmen: MARILYN MANSON plaziert diese Sequenzen, welche zu konzentriertem Zuhören auffordern (u.a. "I Want To Kill…", "Wow", "White Spider", "We're From America") in den zweiten Teil des Albums. Nicht umsonst, denn wir haben uns auf dem Dancefloor ausgetobt und können nun physikalischen Problemen eher unsere Aufmerksamkeit schenken, als wenn uns diese vor der intelligent inszenierten Ouvertüre serviert worden wären.

Ob nun "Running To The Edge Of The World", "Into The Fire" oder "15", all diese verschiedenartigen Songs ergeben ein organisches Ganzes, das sich hören lassen kann. Die alternativen Akustikversionen einiger Tracks, welche der Japan-Bonus bereithält, sind übrigens ganz vortrefflich geraten. Klar, so schneidend wie zu Zeiten von "The Beautiful People" sind MARILYN MANSON nicht mehr. Dafür entdecken sie die Stille, den Blick zurück, bewegen sich zum Ursprung. Denn wer gern vorprescht, muss ja vorher auch Kraft schöpfen, oder? Mir gefällt "The High Of Low" sehr. Es gibt noch guten Düsterpop, kaum zu glauben!

(ME)

8/10

Erwartet nichts, erwartet mehr!

Zwei Jahre nach "Eat Me, Drink Me" und eine Frau später war es bei MARILYN MANSON offenbar Zeit für tabula rasa. Hinaus aus dem Wunderland und der bitteren Realität ins Auge geschaut. Dass Jeordie White alias Twiggy Ramirez nach zehn Jahren Auszeit wieder Teil der Band sein sollte, beflügelte Anfang des vergangenen Jahres die Fantasie und Erwartungshaltung der Fans weltweit, vielleicht ein bißchen über Maß.
Die Ende März als Download veröffentlichte Vorab-Single "We're From America" schien dies zu bestätigen, und doch war sie ein interessanter Zug. In einem Interview meinte Manson einmal, er habe sein Feuer wieder gefunden, und irgendwie ist ihm damit die größte Überraschung gelungen. Das einfach gehaltene Cover strahlt die Reduziertheit aus, von der das Album zu großen Teilen lebt – lieber drei richtig gute Ideen, als ein Dutzend schlechte.

Whites Rückkehr ist unüberhörbar, das Album atmet Rock und Blues in jeder Minute, und diese Gitarren und Bässe, fast hätte man sie schon vermisst. Mit jedem Album wird unter Fans eine neue "Manson-Ära" aufgemacht, und teilweise traf das noch bis vor ein paar Jahren zu. Neuer Look, neuer Sound, doch der Innovationsmotor dreht sich längst nicht mehr so schnell bei Manson. Erstaunlicherweise schafft es "The High End Of Low" mehr als jedes andere Album zuvor, die unterschiedlichen Einflüsse und Aspekte aus fast 20 Jahren MARILYN MANSON zu bündeln. Das mag manch einer als Selbstbedienung am eigenen Inventar betrachten, doch das Dreiergespann um Manson, White und Chris Vrenna besinnt sich auf die Stärken des Manson-Sounds und vor allem darauf, richtig gute Songs zu schreiben. Kein Zwang, unbedingtes Hitpotential sofort zu entfalten, sondern echte Tiefe, die trotzdem hitverdächtig bleibt.

Vor allem Fans der jüngeren Generation werden sicherlich überrascht sein, positiv wie negativ. "The High End Of Low" wächst, mit jedem Song. "We're From America" entpuppt sich nach dem ersten Schauer im Kontext des Albums als einer der stärksten Songs, "Arma-Goddamn-Motherfuckin-Geddon" will nicht schocken, sondern Glam-rockt wie auf "Mechanical Animals", Twiggys unverkennbare Handschrift lauert in der Blues- und Stoner-angehauchten Ballade "Four Rusted Horses" und dem fast schon epischen "I Want To Kill You Like They Do In The Movies". Mit "15" gelingt Manson abermals das Kunststück, einen großartigen Schlußtitel hinzulegen, spätestens hier müssten sich alle Überreste von Skepsis in Wohlgefallen aufgelöst haben.

Nicht wenige haben einen Schocker oder eine Hitfabrik wie "Antichrist Superstar" oder "Mechanical Animals" erwartet, ein Album welches mit Leichtigkeit Livegranaten und Klassiker ausspuckt. Dabei hat uns Manson lediglich ein großartiges Album versprochen – nicht mehr und nicht weniger. Er hat sie alle überrascht, wenn auch er nicht alle überzeugen wird.
Ein Song auf "Eat Me, Drink Me" heißt "Just A Car Crash Away". "The High End Of Low" ist der große Knall, das Ende und der Anfang – und ein Album, was MARILYN MANSON verdammt gut zu Gesicht steht.

(Bastian)

8/10

» Marilyn Manson

INFO-BOX
Künstler Marilyn Manson
Titel The High End Of Low
Format Album
Länge 15 Tracks | 71:55
Label Universal Music
20.05.2009

Leserwertung:

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