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Malia & Boris Blank – "Convergence"

7. Juli 2014 | Bastian | Musikrezensionen | 1.589 mal gelesen

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Jazz und Elektronisches mit Soul

Malia & Boris Blank - "Convergence"MALIA ist in der Jazzszene keine Unbekannte mehr. Die Sängerin, die noch als Teenager nach London zog, und dort in die Welt des Jazz eintauchte, konnte 2012 mit ihrem Tribut an Nina Simone ("Black Orchid", Universal) einiges Aufsehen erregen. Über eine Bekannte traf sie 2010 auf Boris Blank, seines Zeichens ebenfalls kein Unbekannter, sondern Schweizer Elektronikpionier mit YELLO, die von einigen Schwergewichten der Szene für ebenso essentiell erachtet werden wie KRAFTWERK. Zwei Welten fand hier zusammen – eine Jazzsängerin, die sich neuen Ufern öffnen wollte und ein begnadeter Soundarchitekt und Komponist, der in den letzten Jahrzehnten immer wieder eindrucksvoll Stile und Genres vermischt hat, bei denen man eine Fusion kaum für möglich gehalten hätte.

Drei Jahre Zeit sind in "Convergence" geflossen, der Titel muss symbolisch für den Schaffensprozess und seine Protagonisten stehen. Drei Jahre als musikalische Therapie, in denen Malia mit ihrer Brustkrebserkrankung zu kämpfen hatte. In ihr fand Boris die perfekte Stimme für seine Kompositionen, und über die Zeit wuchs aus beiden ein Duo, die Anfang des Jahres ein beeindruckendes, starkes Album veröffentlicht haben.

"Convergence" lebt von der Vielfalt und Offenheit, die so typisch für Jazz ist – und ist dabei mehr als "nur" Jazz. Auf "Convergence" finden Jazz und R'n'B zusammen, Elektronisches und Soul. Für Malia ist es eine Art "electronic gospel" mit Wurzeln im Blues. Und für Boris stehen sich Jazz und Pop viel näher, passen viel harmonischer zusammen, als das in beiden Lagern mitunter denkbar wäre.
Traditionelle Instrumente, Arrangements und Kompositionsmuster treffen hier auf Elektronik, so dass die Grenzen letztendlich völlig verschwimmen. Grenzen, die letztendlich vor dem Hintergrund der Musik völlig irrelevant erscheinen.

"Convergence", das sind elf Stücke voller Emotionen, Geheimnisse, Offenbarungen, intimen Momenten, getragen von Boris' Kompositionen, erzählt von Malias ruhiger, soullastiger Stimme. Schon der erste Song "Celestial Echo" besticht mit düsterem, sakralem Flair, dezenten Orgelklängen und geisterhaften Synths. In "Embraceable Moon" leuchtet die Stimmung auf, insgesamt hat das Stück etwas trip-hoppiges der Marke "Don't Leave" von FAITHLESS. "I Feel It Like You" kommt sehr groovy mit Rhythm'n'Blues und schönem Effekt mit mehreren Gesangsspuren von Malia. "Touching Ghosts" ist eine schöne Winterballade mit einem grandiosen Bridge-Part, der unter die Haut geht. Stücke wie "Claire Cadillac"  und "Smouldering Ashes" geben sich verwegen, auch dank Malias lasziver, erzählender Stimme. Bei "Raising Venus" merkt man mal wieder, dass an Boris Blank ein James-Bond-Soundtracker verloren gegangen ist, das Stück steht in bester Tradition zu YELLO-Tracks wie "The Rhythm Divine".
Mit "Fever" begegnet uns ein überraschendes Cover von John Davenports (aka Otis Blackwell) berühmtem Song, dem Malia und Boris ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken können, und der oft designierten Nightclub-Nummer nochmal eine Extraportion Seele einhauchen. Nächtliche Stimmung verbreitet auch das smooth-jazzige "Tears Run Dry".

"Convergence" ist das fünfte Album für Malia, die sich hier vielleicht so offen und vielseitig (auch stimmlich) wie noch nie zeigt. Boris Blank hingegen gelingt die Emanzipation von der traditionellen YELLO-Arbeit zusammen mit Dieter Meier offenbar mühelos, auch wenn natürlich diese spezielle Handschrift auch auf diesem Album zu hören ist. In kleinen Details schimmern immer wieder kleine Funken von Alben wie "One Second" durch, auch scheinen sich Ideen vom letzten YELLO-Album "Touch Yello" (z.B. "Stay" oder "Vertical Vision") hier weiterentwickelt zu haben. Beim kontrastreichen Stück "Turner's Ship" kommt afrikanische Folklore und Percussion ins Spiel, die bisweilen an "Pocket Universe" erinnern. Es sind alles Zeugnisse der detailverliebten Arbeit eines bisweilen besessenen Klangtüftlers und Perfektionisten, der in Malias einfühlsamer und intensiver Stimme eine wunderbare Ergänzung gefunden hat.

Ein beeindruckendes Werk von zwei beeindruckenden Künstlern, welches man zum Glück in keine einzige Schublade stecken kann.

9/10

» Malia

I Feel It Like You by Malia on tape.tv.

INFO-BOX
Künstler Malia & Boris Blank
Titel Convergence
Format Album
Länge 11 Tracks | 45:03
Label Universal / EmArcy
24.01.2014

Leserwertung:

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1 Kommentar zu Malia & Boris Blank – "Convergence"

ME
30. November 2014

Ein superbes Album. Grandios, dieser Shirley-Bassey-Erinnerungscocktail 🙂 Top-Album, eines der besten 2014 😎

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