• Aquilus – „Griseus“Ein richtig schönes Album (sofern man das überhaupt bei dieser Art Musik so sagen darf), majestätisch, erhaben, schwermütig, aber auch bitter und... (Matthias)
  • Napalm Death – „Smear Campaign“Mit etwas Abstand kann ich ganz eindeutig sagen, dass dieses Album einen der allerbesten ND-Tracks an Bord hat. „Sink Fast Let... (Matthias)
  • U2 – „No Line On The Horizon“Nach langer Zeit mal wieder aufgelegt. Was für ein Müll! Es tut fast schon weh, U2 in diesem Zustand zu hören (der sich bis heute leider... (Matthias)

Lykathea Aflame – "Elvenefris"

22. Juli 2009 | Matthias | Musikrezensionen | 2.410 mal gelesen

Tags: , ,

Rasende Technik im Orient

lykathea-aflame-elvenefris1Leider und völlig außerhalb meines Verständnisrahmens ging diese göttliche Band an der breiten Death-Metal-Masse fast gänzlich vorbei. LYKATHEA AFLAME aus Tschechien haben im Jahre 2000 mit ihrem Debut "Elvenefris" ein technisches Death-Metal-Album allerfeinster Couleur abgeliefert, welches Genregrößen wie NILE und explizit CRYPTOPSY problemlos Paroli bietet. Besonders die Parallelen zu CRYPTOPSY sind sehr groß, vor allem durch das exzellente Drumming bei LYKATHEA AFLAME, das mit dem eines Flo Mounier fast gleichzustellen ist.

Auf "Elvenefris" werden wahnwitzige und ultraschnelle Blastbeats abgefeuert, hinter denen sich (in punkto Geschwindigkeit) Bands wie NILE, BRODEQUIN, HATE ETERNAL und Konsorten auf jeden Fall verstecken können. Dazu wird das Ganze sehr präzise und variabel gespielt, dass es eine einzige Wonne ist, den Burschen aus dem östlichen Teil Europas zuzuhören.

Aber das ist längst nicht alles, denn nicht die Geschwindigkeit allein macht es aus. LYKATHEA AFLAME haben allen technischen High-Speed-Death-Metal-Bands ein sehr sehr großes Plus voraus, nämlich den Einsatz von hervorragenden Melodien. Sie benutzen ein hohes Maß an nachvollziehbaren und teilweise sogar schönen (!) Harmonien, in Form von vorzüglich intonierten Rhythmus- und Leadgitarren und Keyboard-Teppichen, um ihre Musik aufzufrischen. Zudem bauen sie nicht selten eine Prise orientalisches Flair ein, ohne aber als NILE-Kopie abgestempelt werden zu müssen. Ihre Interpretation der orientalischen Einflüsse klingt absolut eigenständig, zumal NILE im übrigen auch nicht die Erfinder dieser Einflüsse sind und zudem meiner Meinung nach schon gar nicht als unumgängliche Referenz diesbezüglich gelten.

Die einfachste Umschreibung der Musik LYKATHEA AFLAMEs ist wohl folgende: Man nehme die wahnwitzigen Riffs, den unbändigen Speed und die Brutalität CRYPTOPSYs und kombiniere dies' mit ägyptischem Flair; dann fügt man noch eine klitzekleine Note Jazz hinzu, garniert das Ganze mit unterstützenden Keyboards und Voila, fertig ist das ureigene und vollkommen eigenständige Gebräu aus tonnenschwerem Stahl, purer Energie, spielerischer Finesse, Vielseitigkeit und feinster Verarbeitungstechnik.

Besonders genial wird es, wenn die Keyboards die Blastbeats untermalen und das Gesamte in der klanglichen Sound-Weite eines DEVIN TOWNSEND ertönt. Die Nähmaschinen-Drums mit ihrer sehr prägnanten Snare und der rasenden Doublebass prügeln dem Hörer sämtliche Hirnwindungen windelweich und lassen kaum Luft zum Atmen übrig. Scheinbar konträr dazu schmeichelt sich der sanfte Klang der Keyboards ein und täuscht einem ein mögliches Entkommen aus dem Untergangsszenario vor. Es kommen unverzerrte und gezupfte Gitarren zum Zug, sogar in scheinbar irrsinniger Kombination mit Blastbeats (jawoll Leute, hier geht die Luzi ab!) und klarem Gesang. Dieser ist zumeist im ultraderben Grunzbereich gehalten, aber immer mit der nötigen Portion an Auflockerung. Vor allem, wenn ich mir das gesangstechnisch schwächste CRYPTOPSY-Werk "Once Was Not" zum Vergleich ranhole, ziehe ich LYKATHEA AFLAME auf jeden Fall vor. Sowieso liegen Welten zwischen dem sehr kraftvollen Gebrülle der Tschechen und dem dünnen Geröchel eines Lord Worm.

LYKATHEA AFLAME haben im Jahre 2000 mit "Elvenefris" bereits das Album abgeliefert, zu dem CRYPTOPSY im Jahre 2005 nicht mehr fähig waren, was im übrigen sicherlich nicht nur an deren Shouter lag.

Allen unter den Lesern dieser Zeilen, die von CRYPTOPSY nicht die Nase voll kriegen (oder eben voll haben), denen Rumpelbands wie BRODEQUIN zu eintönig und langweilig, oder Ägyptenfanatiker wie NILE nicht melodisch und abwechslungsreich genug sind, denen sei LYKATHEA AFLAME, die vorher übrigens auf den Namen APALLING SPAWN hörten und sich mittlerweile schlicht in LYKATHE umbenannt haben, aller wärmstens an Herzchen gelegt.

"Elvenefris" besitzt einen ungeheuren Druck, der schon wahrhaft beängstigend ist. Alles ist in einem äußerst stimmigen Maße vertreten und wenn es knallen soll, dann knallt es, wenn die Birne hochrot ist und man gerne nach Luft schnappen möchte, erlaubt es die Musik auch.

Musikalisch-technische Brutalität auf höchstem Niveau!

Offiziell ist dieses Album leider nicht mehr erhältlich, bzw. ist es ausverkauft, aber mit etwas Glück und Ausdauer kann man es für sehr wenig Geld bei eBay ergattern. Ich habe das Album sogar schon mal bei dem einen oder anderen Mailorder gesehen, der "Elvenefris" als Restposten anbot.

Ich bin gespannt und hoffe sehr darauf, daß diese Band nochmal ein neues Album auf die Beine stellt. Sollte dieses dann ebenso energiegeladen und genial werden wie "Elvenefris", können die meisten anderen technischen und brutalen Bands mit ziemlicher Sicherheit einpacken und sich schomal ihren Platz auf Mamis Schoß sichern…

9/10

» Lykathea Aflame

INFO-BOX
Künstler Lykathea Aflame
Titel Elvenefris
Format Album
Länge 11 Tracks | 72:13
Label Obscene Productions
31.10.2000

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (3 Wertungen, Ø 9,00 von 10)
Loading...


Ähnliche Artikel:
» Rivers Of Nihil – "Where Owls Know My Name"
» Kurz notiert #32 – Extrem hörbar
» Kurz notiert #51 – Extrem hörbar
» Kurz notiert #26 – Extrem hörbar
» Kurz notiert #29 – Extrem hörbar
» Kurz notiert #71 – Extrem hörbar
» Kurz notiert #96 – Extrem hörbar

No comments yet.

Leave a comment

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *