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Light Bearer – "Silver Tongue"

21. April 2013 | ME | Musikrezensionen | 2.628 mal gelesen

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Evil livE

Das Intro? Unendliche Traurigkeit, wie zumindest meine Wenigkeit sie kaum aushält, führt minutenlang in den musikalischen Kosmos von LIGHT BEARER. Da war doch was? Mit diesen Takten hatten sie ihr letztes Album "Lapsus" beendet, weches so großartige Massive, aus sich turmhoch schichtendem Post Metal und -Rock bot, dass wir immer wieder eintauchen wollten in diese packende, ganz eigenwillige Atmosphäre pendelnd zwischen Verdammnis und Hoffnung.

"Silver Tongue" nun führt das ambitionierte Bandprojekt LIGHT BEARER, welches ja auf die Veröffentlichung von vier Alben begrenzt sein soll, fort. Die Geschichte? Der Kampf Lucifers, des Ausgegrenzten, gegen maskuline Überhöhung, für die Erlangung der letzten Wahrheit, für die Errettung der armen Menschenkinder. Das alte Testament erfährt eine Deutung aus Lucifers Perspektive. Der Opener "Beautiful Is This Burden" ist bestimmt von  Eruptionen, den Kampf des Verbannten gegen Falschheit und Existenz im Kargen. Hoffnungslosigkeit bedeutet jedoch nicht Aufgabe und so erwächst Widerstand, durch den Einsatz monolithischer Gitarrenleads und heftigen Vocals trefflich in Szene gesetzt. Der überlange Song lebt von seiner Laut-Leise-Dynamik, seinen tückischen Ambivalenzen. Entscheidungen müssen gertroffen werden.

Und das werden sie. "Amalgam" baut den Widerstand in den Köpfen aus und lässt ihn physische Form werden. Der Turm wird geschichtet, hart donnern Stahlsaiten, der Gesang treibt vorwärts, der innere Antipode muss überwunden werden. Der ambitionierte Bau des Turms von Dis ist das Babelmartyrium, birgt den Keim der Zersetzung bereits in sich, doch es wird weiter gebaut. "Matriarch" ist sozusagen die Ruhe vor dem Höllenritt. Das humane Prinzip bricht sich Bahn mithilfe der Sünderin Eva, welche das dunkle männliche Prinzip, die düstere Gottheit herausfordert. Sanft, still und mit klaren wehmütigen Akustikparts scheint der Sieg nahe. Scheint. Lucifer schenkt ihr für das Menschengeschlecht den freien Willen. Kurz steht er auf dem Zenit, oben auf den Zinnen. Und Lucifer bezeichnet Gott als Lügner, man höre die Klasseumsetzung in "Clarus".

Es kommt zum Kampf, der Held wird verlieren, Eva für immer unrein sein. "Agressor & Usurper" tönt schräg, verzweifelt der Gesang, der Kampf muss ein andermal weitergeführt werden. Streicher und melancholische Klavierklänge zeigen, die Hoffnung wird nicht mit Axt und Schwert genährt, sie blüht im Stillen, dafür hartnäckig. Das muss sie auch, denn der Widerstand ist zunächst gebrochen.

Doch das Feuer ist weitergetragen worden, der freie Wille geboren, unzerstörbar. Die Geschichte wird ihren Fortgang nehmen. "Silver Tongue" eröffnet beinahe heiter, episch, hymnisch wird die Flamme zum Lodern gebracht, metallisch die Licks, die anklagende Stimme, welche im Verlauf des Albums alle Register zieht, kündet bessere Zeiten. Doch der Allwissende schläft nicht…

Erstaunlich, wie LIGHT BEARER es mühelos schaffen, die Überlängetracks mit so vielen Facetten auszustatten und dennoch den Faden der Ariadne nie zu verlieren. Ein monumentales Projekt! Musikalisch, künstlerisch sehr anspruchsvoll und nicht zum Nebenbeihören geeignet, ist das Musik für solche Postrocker unter Euch, welche noch hinhören und sich mit Kunst auseinandersetzen. Die Band arbeitete über zwei Jahre am Album. Epochal.

» Light Bearer

INFO-BOX
Künstler Light Bearer
Titel Silver Tongue
Format Album
Länge 6 Tracks | 79:39
Label Alerta Antifascista / Moment Of Collapse
20.04.2013

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (6 Wertungen, Ø 8,83 von 10)
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1 Kommentar zu Light Bearer – "Silver Tongue"

Matt
22. April 2013

Hätte man kaum besser ausdrücken können. Fantastisches Album. Hier stimmt alles.

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