• Napalm Death – „Smear Campaign“Mit etwas Abstand kann ich ganz eindeutig sagen, dass dieses Album einen der allerbesten ND-Tracks an Bord hat. „Sink Fast Let... (Matthias)
  • U2 – „No Line On The Horizon“Nach langer Zeit mal wieder aufgelegt. Was für ein Müll! Es tut fast schon weh, U2 in diesem Zustand zu hören (der sich bis heute leider... (Matthias)
  • David Bowie – „★“ (Blackstar)Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister... (ME)

Level 42 – "A Physical Presence"

10. Juni 2018 | Matthias | Hall of Fame » Musikrezensionen | 90 mal gelesen

Tags: , , ,

Stimmung, gute Laune und Spielfreude

Level 42 - "A Physical Presence"Es gibt einfach Bands, die man zu Unrecht in eine bestimmte Schublade steckt, ohne darüber nachzundeken, ob das auch wirklich so passt; meistens zudem nur deshalb, weil sie mal einen Radio-Hit hatten, der rauf- und runtergedudelt wurde. Dazu gehören vermutlich auch LEVEL 42, zumindest phasenweise, denn sie mach(t)en es nicht allen recht. Für die einen ist es 'typischer Pop-Scheiß', die anderen wissen über die tatsächlichen Qualitäten der Band Bescheid, nämlich dass sie vorzügliche Musiker sind und nicht einfach nur Popmusik mit funky Feeling spielen, sondern nicht selten atemberaubend geniale Parts einflechten und den Hörer manchmal regelrecht schwindelig spielen. Besonders eindrucksvoll wird dies auf ihrem phantastischen Live-Album "A Physical Presence" präsentiert, bei dem es sich sogar ausnahmsweise sehr lohnt, zu einer späteren Ausgabe zu greifen, aber dazu gleich mehr.

Wer LEVEL 42 ausschließlich mit Radiokram wie "Running In The Family" oder "Lessons In Love" in Verbindung bringt, der darf sich jetzt mit einem strafenden Blick konfrontiert fühlen. Die Sache ist entfernt ähnlich, wie bei GENESIS, die man viel zu oft mit ihren Spätwerken in Verbindung bringt, obwohl die Band soviel mehr zu bieten hat, als sinnfreies Radiogedödel. Aber zurück zu LEVEL 42, die mit Mark King (Bass, Gesang), Mike Lindup (Keyboards) und in ihrer Hochphase die Brüder Phil (Schlagzeug) und Boon Gould (Gitarre) an Bord hatten. In dieser Besetzung entstand übrigens auch "A Physical Presence", das 1985 während ihrer Tour durch England in Coronet Woolwich, The Hexagon Reading und Goldiggers Chippenham mitgeschnitten wurde.

Sehr ansprechend an dieser Veröffentlichung ist, dass einige der Songs nicht 1:1 zur Studioversion geboten werden, sondern mit längeren Zwischenparts in Form von ausgedehnten Soli, Publikumsanimationen oder kleinen Medley-Ausflügen erweitert werden. Zudem ist der Sound äußerst gelungen und die Stücke kommen mit deutlich mehr Leben rüber, als auf den Studioversionen, was im Falle von Live-Alben sicherlich nicht immer der Fall ist. Es gibt genügend andere Live-Scheiben, bei denen man sich fragen muss, warum es sie überhaupt gibt, da sie nichts zu bieten haben, außer dass  bekannte Songs 1:1 runtergeleiert werden und dann auch noch in eher mäßihem Klanggewand. An diesem Punkt stellen wir einfach mal die provokative Behauptung auf, dass "A Physical Presence" sämtliche Studioalben der Band übertrumpft! Spricht nicht für die Band? Doch und wie, denn dies zeigt, dass sie live absolut überzeugen und dass sie es einfach drauf haben!

Mit Stücken wie beispielsweise "Love Games", das mit einem grandiosen Vorspiel von Bassvirtuose Mark King imponiert, "The Chinese Way", "The Chant Has Begun", "Almost There" (mit genialem Anfang), "Turn It On", "88" (inklusive Solo-Einlagen) "Hot Water" und und und… haben LEVEL ausschließlich klasse Stücke am Start und bringen in jedem Lied besondere Aspekte ihrer Musik zum Ausdruck. Diese können jazzige Elemente sein, natürlich (viel) Funk oder einfach nur tolle Pop-Melodien, die zwar immer freundlich und leicht sind, jedoch niemals billig oder ausgelutscht klingen. LEVEL wissen, wie es geht, Eingängigkeit mit musikalischem Anspruch zu verbinden.

Wer sich also für Live-Alben begeistern kann und bereit ist, zu erkennen, dass diese Aufnahmen besser als die Studioversionen sind, dem sei "A Physical Presence" als unverzichtbares Live-Dokument einer oftmals verkannten Band empfohlen. Hier stimmt einfach alles. Und es ist auch keine Schande, wenn man von LEVEL 42 nur dieses Teil (bestenfalls in der um drei Stücke erweiterten remastered Doppel-CD-Version aus dem Jahre 2000) im Schrank stehen hat und die regulären Alben außen vor lässt, denn besser als hier geht es einfach nicht.

» Level 42

INFO-BOX
Künstler Level 42
Titel A Physical Presence
Format Live-Album
Länge 10 (13) Tracks | 65:18 (89:38)
Label Polydor
Juni 1985 (2000)

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (Noch keine Leserwertungen vorhanden)
Loading...


Ähnliche Artikel:
» Gadi Caplan – "Look Back Step Forward"
» Black Lady Soul – "Black Lady Soul"
» Umphrey's McGee – "Anchor Drops"
» Kurz notiert #58
» Sophie Hunger – "1983"
» Kurz notiert #73
» The Police – "Ghost In The Machine"

No comments yet.

Leave a comment

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *