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Lard – "The Last Temptation Of Reid"

1. Januar 2010 | Matthias | Musikrezensionen | 1.739 mal gelesen

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Wenn der Jello mit dem Alien...

Lard - "The Last Temptation Of Reid"Alleine die Besetzungsliste dieses Projektes sollte, nein, muss man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen. Al Jourgensen (MINISTRY, REVOLTING COCKS, uvm.) an der Gitarre, Paul Barker (MINISTRY, REVOLTING COCKS, uvm.) am Bass, Jello Biafra (DEAD KENNEDYS, uvm.) am Gesang und Jeff Ward (NINE INCH NAILS, MINISTRY, uvm.) an den Drums. Das liest sich doch wie die verführerische Einladung einer Nymphomanin oder?

Was kommt wohl heraus, wenn so viele dreckige Typen mit einer Punk-Vergangenheit und diversen Industrial-Vorkenntnissen zusammen Musik zelebrieren? Genau, Industrial Punk. Zumindest irgendwas, das man so oder so ähnlich betiteln könnte.

Nach ihrer ersten sehr guten EP "The Power Of Lard" kam das vollständige Album "The Last Temptation Of Reid" und bestätigte meine Hoffnungen, dass es LARD gelingen würde, ihre EP zu toppen. Ein wahres Fest an äußerst eingängigen Uptempo-Beats und genialem Industrial-Gestampfe, inklusive fast jederzeit die Drums unterstützenden Stakkato-Gitarren, machen dieses Album zu etwas Besonderem und vor allem Eigenständigem. MINISTRY-typisches Klampfenspiel verbindet sich mit punkigem Uptempo, Kettensägen-Riffmassaker und Presslufthammer-Drums vermischen zwei eigentlich grundverschiedene musikalische Elemente zu einem funktionierenden Ganzen.

"Forkboy" beginnt mit einem treibenden Bass und geht dann äußerst knackig in einen flotten Uptemo-Hüpfer über, der einem gleich zu Beginn ein richtig fettes Grinsen in die Mundwinkel treibt. "Pineapple Face" (was für ein Titel!) bringt ordentlich rhythmischen Schwung in die Hüften und besticht durch einen sehr geilen Beat mit Vorschlag. "Mate Spawn And Die" ist ein flotter Presslufthammer-Track, dessen Beat tatsächlich an eine Baustelle erinnert. Immerzu absolut eingängiges Riffing und Refrains zum mitsingen. "Drug Raid At 4 A.M." macht den Punk wieder startklar und geht erneut straight geradeaus, besticht mit sehr abgedrehtem Gesang und Mitgröhl-Refrain. "Can God Fill Teeth" brilliert zu Beginn mit spanisch anmutendem Gitarrenflair, um darauf dann einmal mehr der LARDschen Riff-Maschine platz zu machen. "Bozo Skeleton" und "Sylvestre Matuschka" zeigen LARD nochmal von ihrer besten Seite und ebnen den Weg für zwei Extrem-Tracks, die mit außerordentlichen Arrangements glänzen. "They´re Coming To Take Me Away" brilliert mit einem Marsch-Beat, der sich unerschöpflich durch das ganze Lied zieht, inklusive extrem abgekicktem Gesang, der vordergründig durch die Titelzeile und dem darauf folgenden Lachen basiert. "I Am Your Clock" ist dann abschließend lupenreiner Avantgarde. Die Drums unterstützen hier lediglich durch gaaanz laaangsame Einschübe, während Jello einmal mehr über den Sinn des Ganzen philosophiert. Absolut genial!

Jello Biafras psychisch krank anmutender Gesang entwickelt durch bekannt kluge und politisch kritische, aber auch witzige Texte seinen (für alle Jello Biafra-Projekte üblichen) ureigenen Charme. Eine textliche Basis stellt der Missbrauch von harten Drogen dar, womit nicht nur Riff-Schmied Alien Jourgensen bekanntlich langjährige Erfahrungen gemacht hat.

LARD waren damals ihrer Zeit um einiges voraus, ebenso wie Mutter MINISTRY, nur leider wurde das im Falle LARD nicht allzu stark zur Kenntnis genommen. Während MINISTRY immerhin einen nicht unkleinen Teil des Kuchens abbekamen, durften sich LARD lediglich mit den Resten der Krümel rumschlagen. Sicher, LARD war von jeher nur als Projekt konzipiert und galt lediglich der Verwirklichung gemeinsamer Ideen, bzw. Vorlieben, welche die Musiker schon länger mit sich herumtrugen, "The Last Temptation Of Reid" ist aber trotzdem ein fast unverzichtbares Stück Musik geworden.

Besorgen, hören, wohlfühlen!

9/10

INFO-BOX
Künstler Lard
Titel The Last Temptation Of Reid
Format Album
Länge 9 Tracks | 57:14
Label Alternative Tentacles
26.09.1990

Leserwertung:

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