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  • David Bowie – „★“ (Blackstar)Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister... (ME)

Kurz notiert #83

10. Dezember 2017 | Matthias | Kurz notiert » Musikrezensionen | 357 mal gelesen

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People Like You - "Verse"People Like You – "Verse"
Indie Rock, Math Rock, Jazz (Topshelf Records, 2017)

Selten haben sich eigentliche Gegensaätze so gut ergänzt wie auf "Verse", dem zweiten Album der Truppe aus Boston. Ihre Mischung aus geschmeidigem Indie Rock und Jazz ist so gut gelungen, dass man fast glauben mag, diese Art Musik gab es schon immer. Sängerin Michi Tassey singt lieblich, zurückhaltend und ohne großartig herausstechende Phrasen. Die Gitarre spielt weitestgehend klar und wenig bis gar nicht verzerrt, sie zockt fast unaufhörlich schnelle, kompliziert wirkende Picking-Muster, die sich dabei schnell ins Ohr schleichen. Der Bass zieht unaufhaltsam seine Runden und der Schlagzeuger achtet förmlich darauf, es nicht zu übertreiben; das hört man ganz eindeutig, denn das Potential ist definitiv da. Hinzu kommt eine wiederkehrende Trompete, die den vertrackten Rhythmen eine jazzige Note verleiht und die Musik letztendlich zu etwas eigenständigem macht. Klasse Platte, die man aufgrund ihrer musikalischen Komplexität auf jeden Fall mehrmals hören muss, damit sie richtig wirken kann.


Chain And The Gang - "Experimental Music"Chain And The Gang – "Experimental Music"
Garage Rock, Lo-Fi (Radical Elite Records, 2016)

Eigenwillig und auch etwas schrullig präsentiert die Truppe aus Washington D.C. ihr sechstes Album. Am Rande zum Lo-Fi, mit etwas Garagen-Feeling, einer Prise Rock ohne Zusatz und viel Bewegung im Sound, markieren sie, dass sie sich weiterhin auf Pfaden abseits dessen bewegen, was so angesagt ist. Manchmal schielen sie in alte Rock'n'Roll-Gefilde rüber, dann orientieren sie sich wieder an Bar-Sounds und beim nächsten Mal klingen sie einfach nach altem Experimental-Rock ohne harte Gitarren und ohne doppelten Boden. Kapiert ihr nicht? Nicht verständlich, was ich sagen will? Verstehe ich. Einfach hören und selbst versuchen, den Stil der Band in Worte zu fassen. Witziges Teil.


Fleet Foxes - "Crack-Up"Fleet Foxes – "Crack-Up"
Indie Rock, Folk, Americana (Nonesuch, 2017)

Keine Ahnung, ob folgende Behauptung zu hoch gegriffen ist, aber hauen wir sie einfach mal raus: FLEET FOXES Rückkehr nach sechs Jahren Abstinenz ist nicht nur klasse, sondern zeigt die Band so stark in ihrem musikalischen Thema verwurzelt, dass man sie (nicht nur mit Wohlwollen) getrost in die Reihe der besten Indie-Folk-Bands stellen kann, sollte und muss. Dabei sind sie gar nicht mal so leicht zugänglich, wie sich das der eine oder andere vielleicht erhofft hat. Und doch oder vielleicht sogar genau dadurch besitzen die Stücke und das gesamte Album diese besondere Tiefe inklusive einer mitschleichenden emotionalen Schwere, die sich durch das gesamte Material zieht. Auf jeden Fall ist "Crack-Up" ein Werk, mit dem man sich Zeit lassen sollte, da sich die stimmungsgeladenen Feinheiten nicht sofort erschließen.


Alison's Halo - "Eyedazzler"Alison's Halo – "Eyedazzler 1992-1996"
Indie Rock, Shoegaze (Manufactured Recordings, 2017)

Eine Neuauflage erfährt die eigentlich bereits 1998 veröffentlichte Compilation der Indie-Shoegazer ALISON'S HALO. Auf der Scheibe sind analoge Kassetten-Tracks sowie Studioaufnahmen zu finden, welche die Band in den Jahren aufgenommen hat, die im Titel genannt sind. Unter den Stücken befindet sich ebenfalls ein Livetrack, der während des Beautiful Noise Festival 1995 aufgenommen wurde. Die Musik ist verträumt, aber durchaus schwungvoll. Die weiche, im positiven Sinne als niedlich zu bezeichnende Stimme von Sängerin Catherine Cooper dürfte dabei der ausschlaggebende Punkt sein, um das Ganze zwischen Indie und Shoegaze zu stellen. Die digitale Version der Neuauflage wurde um drei Bonusstücke ergänzt und um den Titelzusatz "1992-1996" beschnitten. Die CD-Neuauflage wird dafür unter dem alten, vollständigen Titel vertrieben.


Infinity Girl - "Somewhere Nice, Someday"Infinity Girl – "Somewhere Nice, Someday"
Indie Rock, Shoegaze (Disposable America, 2017)

Aus Brooklyn stammen INFINITY GIRL und sie haben sich ebenfalls einer Indie-Variante des Shoegaze verschrieben. Der Indie-Anteil muss deshalb explizit genannt werden, weil der Shoegaze-Faktor nicht so extrem ausgereizt wird, dass man das Gefühl erhält, in völlig vernebelten, experimentellen Sphären zu schweben. Es werden stets die Songstrukturen hochgehalten, diese aber halt ein wenig mit Hall (auch in der Stimme) und einer gehörigen Prise Melancholie verschleiert. Ein Gimmick, das sich möglicherweise die Band ausgedacht hat ist, dass das Album als Kassette (!) und in digitaler Form erscheint.


Isobel Anderson - "Chalk / Flint"Isobel Anderson – "Chalk / Flint"
Pop, Electronic, Folk (Isobel Anderson Music Ltd., 2017)

Nach dem ersten Blick aufs Cover möchte jeder, der Gitarrenmusik bzw. Indie mag, die Scheibe kaum noch auflegen. Pop-Hörer werden frohlocken, denn das Album verspricht handzahmen Plüsch-Pop mit Säuselstimmchen und einer Menge radiotauglichem… ähem, Scheiß. Weit gefehlt. Und obwohl Frau Anderson sich mit süßer Trällerstimme und auf den ersten Eindruck leichten Kompositionen schmückt, kann man bei genauerem Hinhören merken, dass es sich hier keineswegs um Pop-Gülle der nichtssagendsten Kategorie hndelt Es gibt einige coole elektronisch verspielte Akzente, die man manchmal gar nicht sofort entdeckt, weil sie so dezent in den Hintergrund gemischt sind oder aber diese Effektspielchen mit der Stimme, die den Sound auf "Chalk / Flint" abheben. Der Mix aus Eingängigkeit und kleiner experimenteller Freude ist ihr jedenfalls gelungen, auch wenn sie ruhig noch etwas mehr Mut hätte zeigen können.


Certain General - "November's Heat"Certain General – "November's Heat"
Post-Punk, Indie Rock, New Wave (L'Invitation Au Suicide, 1984 / Alive Records, 1999)

Genau das, was man unter den Begriffen Post-Punk -sofern dieser damals überhaupt schon regulär Anwendung fand- und Independent sowie New Wave versteht bzw. verstanden hat, zelebrieren CERTAIN GENERAL aus New York auf ihrem ersten vollwertigen Album, das zwei Jahre nach der Mini LP "Holiday Of Love" (1982) erschien. Es gibt etwas kantigen Rock mit dezenter Indie-Schlagseite inklusive völlig massenentferntem Songwriting. Soll heißen, die Band hatte damals noch die eigene Richtung gesucht und ausprobiert, ohne selbst zu merken, dass sie schon voll drin waren. Man merkt zwar, dass sie noch etwas Zeit und Erfahrung brauchten, damit ihre Musik so gut wird, dass man sie auf Anhieb mögen kann, aber welche Band beginnt nicht so?


Daddy Issues - "Deep Dream"Daddy Issues – "Deep Dream"
Alternative Rock, Grunge, Indie Rock (Infinity Cat Recordings, 2017)

Die drei Mädels hinter DADDY ISSUES gehören ganz offenichtlich zu den Musikern, die sich in die kultige Gitarrenverzerrung der frühen SMASHING-PUMPKINS-Alben "Gish" und "Siamese Dream" verliebt haben, denn "Deep Dream" schlägt vom Sound her genau in diese Kerbe. Das Songwriting bzw. die Stücke sind allerdings etwas leichterer Natur. Es gibt ein wenig Grunge, grundsätzlich leicht zugänglichen Alternative und immer wieder viel Indie zu lauschen, der jedoch vom kräftigen Gitarrensound verschleiert wird. Alles in allem ganz nett anzuhören und ein paar gute Momente gibt es auch. Für den richtigen Kick und ausgelassenes Musikhören ist "Deep Dream" auf Dauer vermutlich aber eher nicht geeignet; dazu fehlt es noch an zündenden Ideen.


Girl One And The Grease Guns - "The Strange Little Lines That Humans Draw In The Dust"Girl One And The Grease Guns – "The Strange Little Lines That Humans Draw In The Dust"
Indie Rock, Post-Punk, New Wave (Next Phase: Normal Records, 2017)

So ganz klar ist nicht, welche Musiker sich hinter dem Bandnamen verbergen. Außer ein paar Pseudonymen, wie Warren Betamax, Sissy Space Echo, Bruce LeeFax und Charles Bronson Burner, ist bislang nicht viel bekannt. Musikalisch bietet die Band eine Mischung aus Post-Punk und experimentellem Indie Rock, der stellenweise sogar mit New Wave und ganz leichten Industrial-Elementen angereichert wird. Diese Compilation, die EPs und Singles bündelt, ist bereits 2016 über das griechische Label Undo Records erschienen. Da die Version allerdings ein paar Audiofehler enthielt, macht eine restaurierte Wiederveröffentlichung also durchaus Sinn, zumal die Mucke auch irgendwie abgefahren und cool ist.

7/10


Exploded View - "Exploded View"Exploded View – "Exploded View"
Post-Punk, Experimental, Industrial, No Wave (Sacred Bones Records, 2016)

Das kann man mal eigensinnig und eigenständig nennen, was die vier Musiker hinter EXPLODED VIEW auf ihrem Albumdebüt fabriziert haben. Mit einfachen Rhythmen, dabei aber stets kantig oder untypisch, dem stilvollen Gesang von Annika Henderson sowie unzähligen Geräuschen und Noise-Schleifen haben sie hier ein Werk abgeliefert, das den Hörer herausfordert. Wer es nicht mag, wenn Musik in den Avantgarde- oder gern auch No-Wave-Bereich driftet, der sollte die Finger von dem Zeug hier lassen, denn der Stoff ist definitiv nicht leicht zu konsumieren. Für all jene, die frühe SONIC YOUTH, BIRTHDAY PARTY, spätere NEUBAUTEN und sowas in der Art mögen, könnten EXPLODED VIEW ein zeitgemäßer Pendant sein; natürlich ohne genannte Bands nachzuäffen.


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