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Kurz notiert #77

2. November 2017 | Matthias | Kurz notiert » Musikrezensionen | 107 mal gelesen

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Amber Arcades - "Fading Lines"Amber Arcades – "Fading Lines"
Indie Rock, Indie Pop, New Wave (Heavenly, 2016)

Die Niederländerin Annelotte De Graaf kramt alte New-Wave- und Indie-Sounds raus und schreibt mal eben ein Album, das von Anfang bis zum Ende eben diesen roten Faden verfolgt; eng gestrickt und weitestgehend ohne Seitenblicke in andere Ecken. Sie streift dabei höchstens ab und an die Grenze zum Dream Pop, was vordergründig an ihrer vorsichtigen, etwas ungekonnten, aber lieblich verschlafenen Gesangsstimme, die keinem etwas Böses will, liegen dürfte. Die Musik selbst ist dabei klar gestaltet und besticht durch leichte, einfache Strukturen. Ob ihr beim Einfangen des Spirits für die Platte New York als Aufnahmeort geholfen hat, lässt sich nur vermuten; Fakt ist, dass ihr "Fading Lines" gut gelungen ist.


Ariel Pink - "Dedicated To Bobby Jameson"Ariel Pink – "Dedicated To Bobby Jameson"
Indie Pop (Mexican Summer, 2017)

Die Musik des aus L.A. stammenden Songwriters ARIEL PINK zu beschreiben, ist schon nicht so einfach. Er verwebt Pop mit allerlei Ideen aus den '60ern und '70ern und wirft alles gemeinsam in einen experimentellen Mixer, der daraus dann etwas völlig eigenständiges macht. So, als ob in einem Labor aus bestehenden Genen und DNA ein neues Geschöpf kreiert wird. Das Resultat klingt spannend, eigensinnig vor allem, fordernd, trotzdem aber auch eingängig, unkompliziert und gleichzeitig trotzdem nicht simpel. Auf jeden Fall hat der Mann eine Ader für extravagante, fast schon vergessene Soundaspekte.


Cabbage - "Young, Dumb And Full Of..."Cabbage – "Young, Dumb And Full Of…"
Punk Rock, Post-Punk (Skeleton Key Records, 2017)

Hört man die ersten Töne dieser Veröffentlichung, kann es passieren, dass man denkt: Na hoppla, die DEAD KENNEDYS sind wieder mit Jello Biafra am Start? Natürlich nicht! CABBAGE kommen aus England und werden als große Hoffnung am Punk-Rock-Markt gehandelt. "Young, Dumb And Full Of…" beinhaltet die Sammlung früherer EP-Songs und ist somit nicht wirklich ihr erstes, reguläres Album. Trotzdem ist das Teil absolut gerechtfertigt, denn der Stoff ist gut und wichtig, nicht nur für die Band. Wer sich die Mische aus oben genannten, amerikanischen HC-Punk-Helden und THE FALL vorstellen kann und infolge dessen nun neugierig wird, der landet unweigerlich bei CABBAGE.


Overlake - "Fall"Overlake – "Fall"
Indie Rock, Alternative Rock Shoegaze (Bar/None Records, 2017)

Zwischen Indie und Alternative, angereichert mit einer Prise Shoegaze, verarbeiten die aus Jersey City stammenden U.S.-Amerikaner ihre musikalischen Ideen. Die Lead-Gitarren sind ein wenig in Raumklang und Hall getränkt, verschwinden allerdings glücklicherweise nicht in einem wabernden Brei. Das ist auch gut so, denn die Melodien sind auf weite Strecken sehr gelungen und es wäre schade, würden sie im Hintergrund untergehen. Der Gesang ist meist gehaucht und zurückhaltend vorsichtig. Trotzdem kann auch er mit ein paar kleinen, aber feinen Linien überzeugen, die sich an die Saiteninsteumente schmiegen und der insgesamt gelungenen Atmosphäre des Albums zuspielen.


Natural Velvet - "Mirror To Make You"Natural Velvet – "Mirror To Make You"
Alternative Rock, No Wave, Post-Punk (Friends Records, 2017)

Eines muss man dieser Band und Sängerin Corynne Ostermann (auch am Bass) lassen: Ihre Musik ist vollständig unangepasst und verfolgt eine ganz eigene, kantige und extravagante Linie. Vor ca. 30 Jahren nannte man diesen Sound noch No Wave, heute weiß kaum noch jemand, wie man Feedback-Orgien, schiefe Melodielinien und launische (aber gekonnte) Gesangsparts richtig einordnen und stilistisch benennen soll. Post-Punk muss gerne mal als Universalbeschreibung herhalten und wenns ganz schräg wird, wird einfach der Begriff Experimental drübergeklatscht. Wie dem auch sei, NATURAL VELVET aus Baltimore scheinen frühe SONIC YOUTH zu lieben, vielleicht auch die SWANS und trotzdem kennen sie sich auch mit coolen Alternative-Melodien aus, denn diese blitzen immer wieder durch. Eine Platte, die herausfordert, dabei aber einige Reize bietet.


Avail - "Dixie"Avail – "Dixie"
Punk Rock (Lookout! Records, 1994)

Wer sich vorstellen kann, wie THE BRONX geklungen hätten, wären sie bereits Anfang der '90er am Start gewesen, der kann sich bereits im Vorfeld ein Bild davon machen, wie "Dixie" klingt, das zweite Album der aus Virginia stammenden und bereits 2008 aufgelösten Punk-Rocker AVAIL. Natürlich ist alles noch etwas roher, wobei unterm Strich gar nicht mal so weit entfernt von heute angesagten Punk-Sounds. Im Uptempo Rock, aber auch mit alternativen Parts bestückt, rotzen sich die Jungs durch die Botanik und machen deutlich, dass es keinerlei technischen Schnickschnack benötigt, um coole Musik rauszuhauen.


Shiny Darkly - "Little Earth"Shiny Darkly – "Little Earth"
Indie Rock, Alternative Rock, Psychedelic Rock, Punk Rock (Crunchy Frog, 2014)

Diese Dänen klingen manchmal, natürlich mit etwas Fantasie, wie eine verklärte Psychedelic-Version von SUEDE, nur ohne deren Pop-Pathos. Schwer zu greifen? Ja, ein wenig! Mit durch Hall gedoppelter Stimme, wie man es aus dem Rockabilly-Genre kennt, psychedelisch verzerrten Old-School-Gitarren, wenigen, aber irreführnden Synthie-Einlagen und einem insgesamt leicht verstrahltem Vibe im Sound, hat uns der Dreier aus Kopenhagen ein gutes Album beschert, das einen im Anderssein bestätigt und völlig unangepasst ist; halt so, wie es sich alternative Musikhörer doch wünschen oder!?


Traitrs - "Rites And Ritual"TRAITRS – "Rites And Ritual" EP
New Wave, Gothic Rock, Post-Punk (Alchera Visions, 2017)

Die Kanadier, die das 'o' aus ihrem Bandnamen scheinbar verbannt haben, vermutlich um sich abzuheben, liefern mit dieser EP ein gutes Lebenszeichen ab. Ihre Mischung aus Goth, Post-Punk und gehörig New Wave kann sich absolut hören lassen. Ständig werden Erinnerungen an die seeligen 1980er Jahre wach, ohne jedoch mit verzerrtem Gesicht zu denken, dass das alles längst alter, überholter Kram ist. TRAITRS transferieren die Musik gekonnt in die heutige Zeit und erzeugen beim (zumindest älteren) Hörer irgendwas zwischen Nostalgiegefühlen und einem Zeichen entgegen der derzeit gängigen Trends.


Zola Jesus - "Okovi"Zola Jesus – "Okovi"
Electronic, Pop, Experimentsl, Industrial (Sacred Bones Records, 2017)

Die U.S.-Amerikanerin mit russisch-deutschen Wurzeln ist seit Beginn ihrer Karriere dafür bekannt, Grenzen zu überschreiten und ihrer (Pop-)Musik durch experimentelle Ansätze ein extravagantes Erscheinungsbild einzuhauchen. So auch auf "Okovi", auf dem sie mit Industrial-Elementen experimentiert, wenn auch nur dezent. Die Gesangsmelodien bleiben poppig und sogar eingängig und selbst die elektronischen Beats zeichnen ein klares Bild. Es sind die offensichtlichen Klangexperimente, die zur Grundatmosphäre beitragen und die der Musik einen besonderen Anstrich verpassen. Dass die Sängerin klassisch ausgebildet ist, ist übrigens nicht zu überhören. Ihre Stimme an sich ist zwar nicht von außerordentlicher Schönheit und klingt recht typisch, dafür weiß sie aber, wie man das Beste aus ihr herausholt.


Gold Class - "Drum"Gold Class – "Drum"
Post-Punk, Indie Rock (Felte, 2017)

Das zweite Album der aus Melbourne/Australien stammenden Indie-Post-Punks ist gelungen. Der Stoff auf "Drum" ist nicht gänzlich sperrig, man merkt ihm dennoch Kauzigkeit und Unangepasstheit an. Der leicht unterkühlte Bariton von Sänger Adam Curley scheint dabei das wichtigste Augen- bzw. Ohrenmerk, da dadurch das Post-Punk-Element erst so richtig zur Geltung kommt. Das tatsächlich Entscheidende an "Drum" ist jedoch, dass es einfach stimmungsvoll ist. Die Atmosphäre zieht sich gelungen durch das gesamte Album und hinterlässt eine angenehme Melancholie, in die man sich wunderbar hineinfühlen kann.

7/10


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