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  • U2 – „No Line On The Horizon“Nach langer Zeit mal wieder aufgelegt. Was für ein Müll! Es tut fast schon weh, U2 in diesem Zustand zu hören (der sich bis heute leider... (Matthias)
  • David Bowie – „★“ (Blackstar)Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister... (ME)

Kurz notiert #44

14. Mai 2017 | Matthias | Kurz notiert » Musikrezensionen | 280 mal gelesen

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Native - "Orthodox"Native – "Orthodox"
Alternative Rock, Indie Rock, Post-Hardcore (Sargent House, 2013)

Aus Valparaiso in Indiana kommen NATIVE und nach ihrem 2010er Debütalbum, das weitestgehend untergegangen ist, veröffentlichten sie drei Jahre später einen Nachschlag, der zwar ähnlich wenig Aufsehen erregte, dafür aber qualitativ ein deutlicher Schritt nach vorne war bzw. ist. Grenzüberschreitend zwischen Post-Hardcore, leichtem Math Rock und einer kleinen Prise Indie pendelnd, treffen sie mit ihrer Musik den Nerv des Genres. Komplexe aber nie überbordernde Sturkturen, aufgeregte Riffs und kantige Beats werden mit leichten Gitarrenparts und zurückgenommenen Takten vermischt. Der Gesang ist hier ein wesentlicher Bestandteil des Spannungsaufbaus, denn die latent fordernde Stimmlage bzw. das Fastgeschrei macht viel Druck und zeugt von aufgestauten Aggressionen. Zu einem kleinen Hit hat es zwar nicht gereicht, aber "Orthodox" ist ein Album, das man sich bei schlechter Laune durchaus mal reinziehen kann.

7/10


La Dispute - "Rooms Of The House"La Dispute – "Rooms Of The House"
Post-Hardcore, Alternative Rock (Better Living / Big Scary Monsters, 2014)

Ich weiß nicht, ob es gänzlich vermessen ist, zu behaupten, dass LA DISPUTE den (Post-) Hardcore maßgeblich verändert haben, aber ihr Album "Wildlife" (2011) hat eine Veränderung herbeigeführt, die sich bis heute entwickelt und zunehmend Früchte trägt. "Rooms Of The House" war bis 2014 ein Maß der Dinge und strahlte vor musikalischer Vielseitigkeit und vor allem vor Feinsinnigkeit. Zwar ist der Gesang nach wie vor typisch in oft schreiender Erzählform gehalten, aber das gehört halt als letztes Hardcore-Überbleibsel dazu und macht das Genre ja auch aus; sonst könnte man die Musik locker als Alternative oder sogar Indie bezeichnen. Starkes Album, das im selben Jahr nur noch von PIANOS BECOME THE TEETHs "Keep You" getoppt wurde.

8/10


Black Peaks - "Statues"Black Peaks – "Statues"
Math Rock, Post-Hardcore (Sony Music, 2016)

Ich habe diese Band im Vorprogramm von LONELY THE BRAVE gesehen und danach einige Wochen ungeduldig auf ihr Debüt gewartet. Live gerockt kamen die klaren Gesangsmelodien im Wechsel mit den derben Screams richtig gut, auf Platte wirkt das Verhältnis leider nicht ganz so einzigartig und eben etwas austauschbarer, aber trotzdem immer noch gekonnt. Liegt vermutlich daran, dass man den vollmundigen Schnäuzer des Sängers nicht sieht, wenn man von Konserve hört. Bestechend sind vor allem die vertrackten Parts, die ungeraden Takte und Beats sowie das saftige, verschnörkelte Riffing. Math Rock trifft auf feinen Post-Hardcore. Als Einstand geht die Platte absolut in Ordnung, selbst wenn mich das Gefühl beschleicht, dass hier durchaus noch etwas mehr an packenden Melodien hätte drin sein können. Die Jungs haben es auf jeden Fall drauf, denn ich hab's gesehen!

7/10


Pinkwash - "Collective Sigh"Pinkwash – "Collective Sigh"
Noise Rock, Math Rock, Post-Hardcore (Don Giovanni Records, 2016)

Ein heftiges Energiebündel hat das aus Philadelphia stammende Duo Joey Doubek und Ashley Arnwine mit ihrem PINKWASH Album-Debüt ins Leben gerufen. An der Grenze zum Math Rock wird gerockt, auf die Instrumente eingedroschen, aber auch bedacht gespielt, es wird gerufen, geschrien und gesungen. Während das Schlagzeug auch mal einen Gang zurückschaltet und ein paar coole Grooves rausholt, zeigen die Gitarren kaum Gnade. Die Riffs sind zackig, eckig und hart, aber alles passt wunderbar zusammen. Es hätte nichts anders sein dürfen auf "Collective Sigh".  Keines der zehn Stücke fällt qualitativ ab und insgesamt darf man durchaus behaupten, dass die beiden hier ein saustarkes Teil veröffentlicht haben, das man zwar im Großbereich des Post-Hardcore ansiedeln kann, jedoch mit Noise- und Math Rock noch ein paar Facetten mehr auf Lager hat.

8/10


Rome Hero Foxes - "For When You're Falling Backwards"Rome Hero Foxes – "For When You're Falling Backwards"
Alternative Rock, Post-Hardcore (Esque Records, 2016)

Diese noch relativ unbekannte Truppe aus Houston, Texas, gehört zu der Kategorie an Bands, die man locker auch in die Indie- und auf jeden Fall in die Alternative-Ecke stecken könnte. Aber dieser Umstand ist im Post-Hardcore nicht unüblich, denn die Grenzen des Genres sind seit jeher nicht nur äußerst nebulös, sondern oftmals schlichtweg nicht vorhanden. Nimmt man beispielsweise "Keep You" von PIANOS BECOME THE TEETH und betrachtet das, was die Jungs da fabrizieren mal etwas genauer, darf man, nein, muss man gehörigen Zweifel an der tatsächlichen Existenz des Sub-Genres Post-Hardcore haben. So ähnlich verhält es sich mit ROME HERO FOXES, die auf ihrem vorzüglichen Album eine sehr anspruchsvolle Mischung aus progressivem Indie, etwas Math- und Alternative Rock sowie einer klitzekleinen Prise Wildheit, die sich in kontrollierten Ausbrüchen äußert, praktizieren. Es gibt viele tolle Melodien und starke Refrains, vertrackte Parts, aber auch klare Strukturen und einen fähigen Sänger zu hören. Würde mich wundern, wenn diese Band in nächster Zeit nicht stärker ins Licht der Öffentlichkeit rückt.

8/10


Refused - "Freedom"Refused – "Freedom"
Alternative Rock, Post-Hardcore (Epitaph, 2015)

Ob wohl jemand schon von dem Begriff Post-Hardcore geträumt hat, als REFUSED Anfang der 1990er Jahre ihr wildes Werk begannen? Kinder, kommt, langsam, jetzt nicht Schaum vor dem Mund produzieren! Denkt mal drüber nach… Was REFUSED bitteschön mit Post-Hardcore zu tun haben? Na, hört doch mal genau hin! Ist das nicht eigentlich genau der Sound, den moderner Hardcore mit Alternative-Elementen haben sollte bzw. den eine ehemalige Hardcore-Truppe heute spielen könnte, würde und tut? Ihr könnt nun von mir aus gerne die Tischkante abknabbern, aber REFUSED spielen doch im Grunde genau den Post-Hardcore schlechthin! Ihr erstes Album nach 17 Jahren Abstinenz ist weder lahm, noch ein Aufguss schimmligen, alten Tees geworden. Das Teil rockt! "Freedom" vereint nicht nur die Trademarks der Band, sondern ihr Sound wird gekonnt in die heutige Zeit transferiert und klingt durch das Wildern in fremden Genres so frisch und modern, wie es wohl kaum jemand erwartet hätte. Coole, zackige Riffs, kantiges Drumming, tobender Gesang und einige entspanntere Zwischentöne liefern alles, was man braucht, um abzugehen. Cooles Ding also. Die schwedischen (Post-)Hardcore Ex-Punks sind wieder am Start!

8/10


Super Unison - "Auto"Super Unison – "Auto"
Post-Hardcore (Deathwish Inc., 2016)

Ja, na hoppla, aber hallo, was geht denn hier ab!? Wehe, jemand behauptet, (Post-)Hardcore würde nicht mit einer Frau am Mikro funktionieren! Diese aus Oakland (Kalifornien, USA) stammende Truppe hat sich der alten Schule verschrieben. Namen, wie frühe SLEATER KINNEY, BLAG FLAG und auch SONIC YOUTH, in Auszügen, blitzen durch. SUPER UNISON geben dabei eine Menge Gas und  versprühen viel Energie. Die Stimme von Sängerin, Bassstin und ungekröntem 'Riot Grrrl' Meghan O’Neil Pennie harmoniert wunderbar mit den Gitarren von Kevin DeFranco und den flotten, wuchtigen Beats von Justin Renninger. Die Musik auf "Auto" wirkt auf- und angestachelt, wütend und stinkig, wild und ungezähmt. Im Grunde verwunderlich, dass die Geschwindigkeit der Songs stets überschaubar bleibt. Eigentlich müsste hier die Luzi fliegen. Tut sie ja auch, nur eben nicht im Uptempo.

7/10


The Sparrowhawk Orkestrel - "Voices In The Void"The Sparrowhawk Orkestrel – "Voices In The Void"
Progressive Rock, Alternative Rock (Egenproduktion, 2016)

Die Briten mit dem etwas ungewöhnlichen Namen machen es einem wirklich nicht leicht. Musikalisch plündern sie sich durch sämtliche Facetten des Progressive- und Alternative Rock, kombinieren diese mit Punk- und Allerlei-Rock sowie einem dezent theatral angehauchten Prog-Gesang. Dabei kommt das Gefühl auf, als schauten sie dem Hörer grinsend ins Gesicht, so als würden sie einem sagen wollen: Friss oder stirb! Dass die Musik auf "Voices In The Void" eine Herausforderung darstellt, dürfte sich anhand der zugegeben etwas gewagten Beschreibung von selbst erklären. Langweilen dürfte sich jedenfalls definitiv niemand beim Hören der Platte, es sei denn, man ist nicht ganz so aufgeschlossen (was selbstverständlich kein Vergehen ist) und kann mit derart vielseitiger Musik wenig anfangen. Gelingt einem der Zugang, erschließt sich einem ein spieltechnisch fortschrittliches und rein musikalisch toll konzipiertes Werk.


Fight Amp - "Constantly Off"Fight Amp – "Constantly Off"
Noise Rock, Sludge Rock (Knife Hits, 2015)

Einen saftigen Batzen werfen uns die Amerikaner FIGHT AMP mit ihrem vierten, ähem, Album vor die Füße. Von wuchtigem Noise Rock bis an die Grenze zum Sludge braten sie ihren 18-Minüter runter und legen (laut ihrer Website) offenbar Wert darauf, dass wir es mit einem Longplayer zu tun haben. Nun denn… Mit Gesang, der aggressiv die Stimmung der Musik unterstreicht sowie getriebenen Beats und schweren Gitarren wird klar gemacht, dass mit der Scheibe nicht zu spaßen ist. Die sechs Songs knallen fett und geil aus den Rillen und liefern alles, was der geneigte Hörer von dem praktizierten Stil(en) erwartet. Dass das Vergnügen leider bereits vorbei ist, wenn man gerade erst so richtig heiß geworden bist, darf und kann dabei durchaus kritisch gewertet werden.

7/10


Guilt - "Further"Guilt – "Further"
Post-Hardcore (Victory Records, 1997)

Was auf "Further" beginnt, wie ein bevorstehender musikalischer Albtraum, im Stile von NEUROSIS, entpuppt sich nach wenigen Minuten zu einer Post-Hardcore-Referenz erster Güteklasse. Der Begriff Referenz ist dabei sogar mehr als sinnig, denn das Album erschien kurz vor der Jahrtausendwende und dürfte somit als ein(er der vielen) Wegbereiter des Genres gelten. Zwischen Alternative und Hardcore spielt sich die Truppe durch wuchtiges, aber melodisches Riffing und teils verschachtelte Schlagzeugfiguren. Der Gesang ist dabei geschickt zwischen Ausbruchstimmung und tatsächlich aggressiven Shouts angelegt und genau das, was man von diesem Genre erwartet. Zu erwähnen ist noch, dass es sich bei "Further" um ein Mini-Album mit sechs übergehenden Tracks handelt, allesamt unbetitelt, lediglich mit Zahlen für die Reihenfolge belegt. Somit macht es wenig Sinn, die Stücke aus dem Kontext zu reißen. Es empfiehlt sich, die 22nochwas Minuten einfach zu genießen. Ansteckungsgefahr inklusive!

8/10


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