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Knall – "Knall"

12. April 2015 | Bastian | Musikrezensionen | 1.299 mal gelesen

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Improvisationskrautsalat

Knall - "Knall"Warum sollte man Musik konservieren? Worin besteht denn der Reiz, zuhause und nicht in einem Konzert- oder Tanzsaal, immer wieder das gleiche anzuhören? Solche Fragen erfüllten vor mehr als hundert Jahren Musiker mit Sorgen, die durch die ersten aufkommenden Tonträger (wie später auch die bösen "Tonfilme") ihren Berufsstand bedroht sahen. Aus künstlerischer Perspektive ist an diesen Fragen aber bis heute etwas dran, denn ein Tonträger ist in der Tat statisch, keine lebendige Performance, sondern nur ein akustisches Abbild davon.

Für die meisten Bands ist das kein Problem, denn deren Songs verändern sich auch außerhalb des Tonträgers nicht. Für Improvisationskünstler wie die Kölner Band KNALL aber sind weder Medien noch konventionelle Strukturen verbindlich. "Alles, was wir je an Aufnahmen rausgebracht haben (und werden) ist für den Moment gespielt, so nie wieder reproduzierbar." Seit ihrer Gründung vor zehn Jahren haben es solche Momentaufnahmen auf ihren Bandprofilen bei Myspace, Soundclick und Soundcloud mittlerweile auf mehrere Stunden gebracht. Ihr erster Wunsch auf dem bescheidenen Weg zur Weltherrschaft hat sich nun erfüllt, denn auf Tonzonen Records erschien dieser Tage ihr Debütalbum – die ersten fünf Aufnahmen, die man nun anfassen und auf den Plattenteller legen kann.

Sie zeigen eine Band, hörbar zuhause im Rockuniversum der 60er und 70er Jahre, in denen Helden wie PINK FLOYD, THE DOORS und vor allem CAN den Ton angeben. Wie bei den Altmeistern aus ihrer Heimatstadt wirkt die Musik bei KNALL wie ein Liveexperiment; Improvisations-Jamming, geboren im Free Jazz, vollendet auf dem Fundament des Rock.
So geht es mit "Zongazonga" auch erstmal in die Vollen. Der Track ist ein rhythmisch pulsierender Rocker mit kantigen Riffs und prägnantem Bass – Band und Hörer sind nun auf Betriebstemperatur. Mit "Kartoffelsuppe" und vor allem "Cuddle" geht es dann erstmal auf eine ausgedehnte Reise ins Reich der Synthflächen und elegisch-verspielten Melodien. Es ist nun weniger der Rhythmus des Schlagzeug taktgebend, sondern der Gesamtfluß der Musik, die sich wie ein Strom ergießt. Mit "800" kehrt man zunächst wieder in rockendere, energischere Gefilde zurück, vereint sich dann mit psychedelischen Schwebeteilchen und glüht somit für den Ofen, "Furnace" vor, in dem es mitunter herrlich elektronisch blubbert.

Sie nach zehn Jahren Existenz als Bereicherung der hiesigen Krautrockszene zu bezeichnen, wäre ein Understatement schlechthin – aber mit diesem Album setzen die Kölner Knaller ein facettenreiches Achtungszeichen, welches man sich nun in Orange oder Neongelb in den Schrank stellen kann.

Knall - "Knall"

7/10

» Knall

INFO-BOX
Künstler Knall
Titel Knall
Format Album
Länge 5 Tracks | 42:08
Label Tonzonen Records
20.03.2015

Leserwertung:

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1 Kommentar zu Knall – "Knall"

Peter der Lichtwerker
13. April 2015

Eine sehr schöne Rezitation zu einer ungewöhnlichen Band. Umso mehr freut mich, dass besagte Band auf der 3. Spacerocknight in Salzkotten auftritt. Ich werde dort alle Bands mit einer individuellen analogen Lightshow beleuchten, die exakt weil analog nicht reproduzierbar ist. Das ist doch ein schönes Zusammentreffen. Die anderen Band sind Love Machine, The Pancakes, Nebelreise und Aphodyll.
Gruß
Peter

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