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Killing Joke – "Absolute Dissent"

1. November 2010 | ME | Musikrezensionen | 3.970 mal gelesen

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Echoes from the Past

Killing Joke - "Absolute Dissent"Ein Album in Originalbesetzung also. Nach dem Tode des Bassisten Paul Raven haben sich die Urväter des Punk KILLING JOKE um Legende Jaz Coleman einiges vorgenommen. Und eins gleich mal vorweg: der Band ist mit "Absolute Dissent" erneut ein großartiges Album gelungen. Jaz singt wie ein leidender Gott, mal beinahe lässig-positiv gestimmt, dann wieder kehlig, brüllend, wie wir es von ihm lieben, und das seit Dekaden.

Schon immer spielten KILLING JOKE mit monotonem Beat, wiederholten Passagen endlos, doch hinter der Wall Of Sound spielte sich das Leben des kleinen Erdenmenschen ab, Routine ja, doch mit Höhen und Tiefen reichlich versehen. Immer waren KILLING JOKE politisch, an der Seite der Unterdrückten; das sind sie auch heute noch. Und das ist selten heutzutage im Musikbusiness und gibt fein Pluspunkte.

Der Opener "Absolute Dissent" ist ein Heavy-Groover ohnegleichen, superb! Typisch KILLING JOKE, mit Verve vorgetragene Trance. Jaz singt einfach unbeschreiblich engagiert, da ist der Gesang mal echt, lebendig, es wurde gelebt, geliebt, gelitten. "The Great Cull" wartet mit Klasserefrain auf und feinem Spannungsbogen trotz des alles einebnenden Grundrhythmus. "Fresh Fever From The Skies" könnte dancefloorkompatibel für bleiche Düsterlinge sein, welche sich im Laufe des Abends als gar nicht so dunkel entpuppen werden, "In Excelsis" erinnert vom Songaufbau und der Melodieführung sehr an frühe Punkzeiten, Protest, Rebellentum, hinfort mit Roben und Dogmen, hin zum wirklichen Leben.

"European Super State" spielt mit Achtziger-Pop, der Groove ist tanztauglich und dennoch ein optimaler Autosong. Und dunkel tönt er auch, dieser Ohrwurm sondergleichen. Das zunächst abgehackt tönende "This World Hell" mutiert dann doch zu einem fließenden Monster, welches alle Ecken und Nischen erreicht, Entkommen ausgeschlossen. Gut, dass sich KILLING JOKE auch postmetallischen Exkursionen nicht verschließen. Man könnte es natürlich auch anders sagen. Die Band ist immer Vorreiter für solcherart Musik gewesen.

Und wieder ein toller Rhythmus: "Endgame" marschiert, der Gesang von Jaz erinnert hier stark an Phil Lynott von THIN LIZZY. "Engames…" intoniert unser Altmeister inbrünstig, allmählich müssen wir konstatieren, dass KILLING JOKE nach wie vor eine Klasseband sind. Obwohl, wussten wir das nicht vorher? Das "klasse" trifft auf die Briten ähnlich zu wie auf die phantastischen Kollegen der NEW MODEL ARMY. "The Raven King" zeigt wieder die sanfte Seite der Band: auch diese schwebende ätherische Melodielinie gelingt der Kombo mit Bravour. Eine Zeitreise ins Jahr 1982 gefällig? Hier ist sie. Und unser Kumpel Jaz hat noch immer eine brillante Stimme. Wie geht das nur, nach einem so aufreibenden Leben? Vielleicht gerade deshalb; da geht es ihm wie Jazz (mit Doppel-Zett!)-Ladies im fortgeschrittenen Alter, wenn deren Vocals von Narben veredelt werden.

Wummernd der Bass, lässig der Gesang, beinahe optimistisch, hoffnungsvoll, psychedelisch der Chorus, das ist "Honour The Fire", ein Déjà-vu: Was waren das noch für Zeiten, philosophische Reden zur Selbstgedrehten, in feines Kaschmir gehüllt, umgeben von Mittelscheitel tragenden Jüngern, Punks der Bohème. Düsternis dann in "Depthcharge", ein wenig beunruhigend, diese Tonlagen. Denn in Manchester trägt man keinen Kaschmir und beäugt die Hobbyphilosophen kritisch.

Doch schnell schließen Brillenträger und Arbeiter Freundschaft, daher runter die Treppen, ab in den Vorstadt-Club unseres Vertrauens: Mit "Here Comes The Singularity" folgt noch ein dancefloorkompatibler Hit für den Spätsommer oder Frühherbst, Versöhnung im Rausch. Einerseits bleibt die Band sich treu, andererseits integriert sie schon einiges an modernen Vibes; Jaz und Co. Spielen mit verschiedenen Genres: so auch dem Reggae, welcher im Finale "Ghosts Of Ladbroke Grove" angedeutet, jedoch verfremdet wird. Auch der Song gerät traumwandlerisch leicht; KILLING JOKE verstehen es, Songs voller Rhythmus und Spannung zu komponieren, wobei die Monotonie immer Stilmittel ist, gewollt, nicht Schwäche. Und dass die Texte sehr einfallsreich und voller politischer Anspielungen und somit viel besser als die von 99% der hier besprochenen Bands sind, muss eigentlich nicht extra Erwähnung finden. Punks not Dead!

9/10

» Killing Joke

INFO-BOX
Künstler Killing Joke
Titel Absolute Dissent
Format Album
Länge 12 Tracks | 64:21
Label Spinefarm Records
27.09.2010

Leserwertung:

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1 Kommentar zu Killing Joke – "Absolute Dissent"

Matt
30. Oktober 2010

Ein absolutes Sahnealbum! Steht aus meiner Betrachtung nur knapp hinter ihrem selbstbetitelten Meisterwerk aus dem Jahre 2003. "Absolute Dissent" ist definitiv ein Highlight des Jahres 2010. KILLING JOKE leben! Top! 9/10

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