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Kampfar – "Profan"

16. Dezember 2015 | Matthias | 4 Ohren 2 Meinungen » Musikrezensionen | 1.146 mal gelesen

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Waldschrate zum Kampfe

4 Ohren 2 Meinungen

Kampfar - "Profan"Nächstes Jahr, 2016,  sind es 20 Jahre, in denen KAMPFAR Musik veröffentlichen und ihrer dunklen, naturbeeinflussten Kunst freien Lauf lassen. Einst waren sie die Rohlinge aus den hart umkämpften Wäldern des hohen Nordens. Ungeschliffen und ungezähmt waren die ersten drei Alben "Mellom Skogkledde Aaser", "Fra Underverdenen" und "Kvass", bis sich mit "Heimgang" langsam abzeichnete, dass sich zukünftig etwas verändern würde auf dem Schlachtfeld KAMPFARs. "Mare" läutete eine neue Ära ein, die einerseits eine moderne Produktion mit sich zog und andererseits die Musik griffiger zeigte, aber auch mit neuen Akzenten noch mächtiger erscheinen ließ. "Djevelmakt" hat diesen Wandel bestätigt und nun donnert uns das Schlachtwerk "Profan" entgegen. KAMPFAR erbauen die Brücke zwischen der alten und neuen Welt. Rohe Unbeugsamkeit trifft auf schwarze Epik. ME und Matt nahmen sich des Albums an und berichten von Ungeheuern, kultischen Beschwörungen, Hassorgien und bösen Buben…

Der Nikolaus trägt schwarz

Orks granteln gemein zur Eröffnung, "Fiiiiiiiiire" giftet Dolk ("Gloria Ablaze") und das Inferno bricht los. Sofort fällt auf, dass KAMPFAR sich rückbesinnen. Weg vom Hall, Bombast und der Halle des Bergkönigs Peter Tägtgren. Sie sicheln wieder archaischer, dorniger, mäandern wieder selbstvergessener durchs filzige Unterholz.

Diese Band ist ein Phänomen des Black Metal. Denn im Grunde waren sie ja immer gut. Und nun, da sie gezeigt haben, dass sie quasi alles beherrschen, was Morgensterne regnen lässt, sind sie wieder heimtückischer und archaischer unterwegs.

Mit "Profanum" hat sich gleich der erste Hit eingeschlichen. Hier zimmern sie wie einst in den Neunzigern, es schmettert, der Gesang ist absolut einzigartig, Dolk ein Ungeheuer. Hatte ja die Ehre, den guten Mann kennenzulernen, Hut ab, was der seiner Kehle für bösen Höllengesang entlocken kann. Das Break, der verschleppte Rhythmus, Mordor schläft nur mit einem Auge. Einer der besten Black Metal-Tracks des Jahres.

Das Gute an KAMPAR ist, dass sie sich absolut treu bleiben. Gut aber auch, sie könnten auch anderes spielen. Das erweitert den Horizont und lässt ihren Black Metal gerade deshalb noch trver klingen.

Auch "Icons" schlägt den Bogen in die Endneunziger. Wie sie Fahrt aufnehmen, erinnert ein wenig an WINDIR. Die hatten einen ähnlichen Zugang zum schwarzen Felsgrat. Der Riese schläft nicht mehr, er öffnet das Argusauge. Düstere Chöre tönen aus dem Inneren des Massivs. Bitte nichts in den Brunnen werfen…

"Skavank" rumort im Inneren des Düsterwalds, man möchte zuhören, jedoch nicht näher kommen. Es wird geschreddert, gepoltert und gegrantelt, auch Stimmen wie in einer kultischen Beschwörung vernebeln die Sinne. Der Nordwind fühlt die Konkurrenz und ist machtlos. Die Dämonen sind frei, düstere Didgeridoo-Klänge dann in "Daimon", das Ritual ist noch nicht vorüber. Dann wieder die antreibenden Peitschen, Trommeln und ein überirdisch anmutender Chor, wie geil!

Zehn Jahre mindestens zurück trägt uns auch "Pole In The Ground". Manchmal fuhrwerken sie einfach durch den Forst, sensen, erfreuen sich ihrer jugendlichen Allmachtsphantasien. Allein es bleiben Phantasien. Dolk hat Humor, das wissen wir. Die Band kann ernst sein, aber auch mit  Genreversatzstücken ein exzellentes Spiel treiben, so gemahnt das Finale des Songs an WINDIR, Valfar R.i.P.

Und es endet alles mit "Tomekratt". Mir gefällt es ausgesprochen gut, dass Dolk auf dem ganzen Album alle Facetten seines Gesanges zieht: anklagend, verzweifelt, düster, beschwörend, eindringlich, black-metallisch, giftig, grantelig und folkloristisch. Das chorale Ende von "Tomekratt" ist gigantisch genial. Diese Melodik verschafft uns Schauer der Verzückung. Das raffiniert-gemeine Geschenk an euch: Der Refrain wird nur einmal aufgefahren, hehe…

(ME)

9/10

Dolk und seine Horde

Der Wandel dieser herausragenden (Folk-) Black Metal Band begann mit dem recht eingängigen Midtempo-Feuerwerk "Mare" (2011), wurde durch "Djevelmakt" (2014) konsequent und einen deutlichen Schritt fortgeführt und findet nun in "Profan" einen weiteren Höhepunkt. KAMPFAR, die wilde norwegische Horde um Waldkreischer Dolk, sind zurück mit einem superben Album, das die Band-Discography um einen Edelstein bereichert.

Dieses Mal setzen die Waldschrate auf ungezügelten Black Metal und reduzieren den Pagan-Anteil ihrer Songs um einen beachtlichen Teil. Rasend und garstig beginnt das Album und immer wieder kehren KAMPFAR in ihren Songs zu dieser ungebändigten Form des Schwarzmetalls zurück. Zwischendurch wird genügend Atmosphäre aufgebaut, um die traditionelle Seite KAMPFARs deutlich zu machen. Stets begeleitet von Dolks (im positiven Sinne) widerlichem Gekreische werden hier wütende Hassorgien fabriziert, die man so von KAMPFAR eigentlich gar nicht kennt. Wenn man bedenkt, dass damals "Mare" keinen einzigen richtigen Uptempo-Part bzw. typischen Black-Metal-Part hatte und "Djevelmakt" diesbezüglich sehr durchwachsen war, setzen sie dem eher traditionellen Black Metal nun mit "Profan" die Krone auf. Spannend dabei ist, dass sie, selbst wenn sie typischen Black Metal zelebrieren, ihre Sache immer noch besser machen als ein Großteil der hiesigen Bösbuben-Bands.

Es erübrigt sich fast schon, einzelne Songs besonders hervorzuheben, da alle sieben Stücke ihren Reiz versprühen, und dennoch sollen hier als Anspieltipp gerne der Opener mit seinem rasanten Einstand und das atmosphärische, abwechslungsreich arrangierte "Daimon" genannt sein. Letzteres zeigt übrigens äußerst eindrucksvoll, wie bösartig Dolk klingen kann, wenn er nach seinem heroischen Klargesang zum Kreischen wechselt; irre.

"Profan" ist mehr als nur ein einfaches oder normales Folgealbum. Es ist die konsequente Weiterführung einer Entwicklung, die mit "Mare" begonnen hat und nun einen Höhepunkt in Sachen Inensität erfährt. Wirkt, als wären KAMPFAR auf einer musikalischen Reise. Wir dürfen sehr gespannt sein, was uns diese vorzügliche Band in Zukunft noch zu bieten hat.

(Matthias)

9/10

» Kampfar

INFO-BOX
Künstler Kampfar
Titel Profan
Format Album
Länge 7 Tracks | 40:11
Label Indie Recordings
13.11.2015

Leserwertung:

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