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Judas Priest – "Firepower"

10. März 2018 | ME | Musikrezensionen | 428 mal gelesen

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Rising from Ruins oder das Kind im Manne

Judas Priest - "Firepower"From Ruins? Naja, so wohl doch nicht; bis auf "Nostradamus" und Halfords Solo-Weihnachtsalben war immer eher Phoenix als Asche, oder? Die zahlreichen (raffiniert gestreuten) Snippets haben heiß gemacht auf JUDAS PRIESTs neues Opus, nun rotiert das simpel titulierte "Firepower", und das bereits einige Male. Die Sehnsüchte nach "Painkiller II" waren bei vielen Anhängern groß, allein die Priester wären keine, wenn sie ihren Schafen einen Aufguss servieren; Weihwasser muss zwar direkt von der (un)heiligen Quelle kommen, darf aber nicht wie aus der Leitung schmecken, nicht wahr?

Überhaupt, haben die Briten doch zahlreiche geile Alben im Backkatalog, auf die sie sich beziehen könnten, auch gerade die ersten sind da zu nennen. Und so geht "Firepower" mit "Laser'n Lights" (geile Stelle) des rifforientierten, preschenden Titeltracks und dem treibenden "Lightning Strikes" gleich in die Vollen, hier muss man einfach "Painkiller" und "Screeming For Vengeance" assoziieren. Schmissig, flott gespielt, Harmonien schrauben sich in ungeahnte Höhen, geniale Breaks lassen das Visier zuklappen und bei "Lightning" setzt es zudem einen tollen Pre-Chorus.

Rob singt wie ein junger Gott, keine Ahnung, wie der das hinbekommt. In einigen Videos sieht man ihn, wie er extrem konzentriert zu Werke geht, wie er sich in sich versenkt, nur auf die eigene Stimme und die Instrumente der Bandmitglieder hörend, das Umfeld ausblendend, weitersingend, stets den Focus auf den bestmöglichen Ton gelenkt.

"Evil Never Dies" schiebt vorwärts, moderner, aber auch kurz METALLICA-lastig. Die kurze rockige Zeile vor dem Chorus ist trefflich, raffiniert gesetzt, der Teufel lässt nichts anbrennen. "Never The Heroes" bringt AEROSMITH-ALICE-COOPER-KISS-Attitüde ins Spiel, hey, wir sind alle auch Rocker und Leder ist unsere Bibel, sonst gar nichts! Her mit der Kutte, ciao Mudda, see ya at the gates!

"Necromancer" enthält eine wunderbar-mitreißende intonierte Strophenphase und ein Solo, das Glas zum Klingen bringt. Harter Einstieg ins Album, man ist bereits sehr fein gestimmt. Warum ein paar Rezensenten "Children Of The Sun" als zu simpel einstuften, wird ihr Geheimnis bleiben. Der Song spielt mit BLACK SABBATH-Tonlagen, effektiv auf die Glocke unseres Vertrauens. Im Mittelteil singt Rob wie in den Siebzigern, was Schauer der Ehrfurcht auslöst.

Das sanfte "Guardians" ist ein Interludium zum Atemholen und zugleich Intro eines Monstertracks: Was sich PRIEST mit "Rising From Ruins" gedacht haben, wird ihr Geheimnis bleiben. Eine Art "Desert Plains" der Neuzeit, könnte man sagen. So ein sensationell arrangierter Songaufbau, der Chorus von Glenns magischen Gitarrenleads begleitet, hymnisch, episch, euphorisierend, hinforttragend. Mit Tränen in den Heldenaugen kniet man huldigend, das PRIEST-Shirtchen aufgeweicht und restlos geschafft vor dem Band-Starschnitt aus dem Jahre 1983, welcher natürlich weiterhin über dem Kinderbettchen hängt, danke Ian, Rob, K. K., Glenn, Dave, Scott und Richie. Auch Tim, übrigens!

"Flame Thrower" erinnert mich durchaus an die "British Steel"-Phase der Combo. Das war jahrelang mein Favorit. Der Refrain ist kunstvoll inszeniert, das Spektakel dauert an. "Specter" kommt schleichend mit langezogenem "iiiiiiiiiaaaiiiii" am Ende Chorus, Rob erneut in der Form seines Lebens, Scott und Ian klopfen und wummern den Weg frei, Glenn und Richie schrauben und mäandern um die Wette. Ein weiteres Highlight, dieser Mittelteil des Albums ist absolut nicht zu toppen, Gitarren, Gitarren, Gitarren, eine enthusiastische, gleichzeitig etwas dunkle Atmosphäre, wie inmitten des Lasers, immer im Blick des elektrischen Auges.

Ordentlich Heavyness und Tempo setzt es bei "Traitor's Gate", der  Schwermetalltransport gerät auf die andere Fahrbahn, aufzuhalten ist er nicht, er erhöht das Tempo, düster, schleudernd, rauf und runter die Tonleitern, riffend, vorbei auch an der letzten Tanke. Am Ende der Welt steigen wir um, denn mit "No Surrender" kann auf der Autobahn auch ein Micra einen Aston Martin locker in seine Schranken verweisen. Das probieren wir gern und geben uns noch den "Lone Wolf", ein sägendes Untier, das den Zeiten von "Stained Class" oder "Killing Machine"entstammen könnte. Es erinnert auch angenehm an die schweren Tracks der letzten METALLICA.

"Sea Of Red" beschließt das Album mit einer Halbballade, akustisch, Hall, Erinnerungen an 1978 werden wach, ein Toni Iommi-Gedenksolo mittendrin, der "neue" Gitarrist Richie Faulkner spielt, als wäre er seit 1970 dabei. An der Stelle: Gute Besserung Glenn, Du bleibst Priester, soviel ist klar.

Wir haben Mucke getankt, wer braucht Gasoline? Nun das Ganze noch einmal. Pommesgabel forever.

» Judas Priest

INFO-BOX
Künstler Judas Priest
Titel Firepower
Format Album
Länge 14 Tracks | 58:45
Label Sony Music Entertainment
09.03.2018

Leserwertung:

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