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Jesu / Sun Kil Moon – "Jesu / Sun Kil Moon"

30. August 2016 | Matthias | Musikrezensionen | 476 mal gelesen

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Ein musikalisch untermaltes Hörbuch

Jesu / Sun Kil Moon - "Jesu / Sun Kil Moon"Man kann ja von den musikalischen und lyrischen Ergüssen des Exzentrikers (darf man doch so sagen oder?) Mark Kozelek halten, was man will, unbestritten dürfte jedoch sein, dass er sich in Szenekreisen einer eigenartig großen Beliebtheit erfreut. Warum und wieso wissen vermutlich nur seine Anhänger selbst, denn Kozelek pflegt mittlerweile eine übergreifende Fuck-You-Haltung, die sich auch auf seine Kunst entsprechend auswirkt. Wenn dann dieser Querkopf auf einen feinfühligen Sound-Tüftler wie Justin Broadrick (JESU, GODFLESH, uvm.) trifft und beide beschließen, gemeinsame Sache zu machen, muss man sich ernsthaft am Kopf kratzen und die berechtigte Frage stellen, ob das wirklich funktionieren kann.

Kurzerhand haben sie ihre Bandnamen JESU und SUN KIL MOON in enen Topf geworfen und ihr gemeinsames Album eben unter diesem Banner veröffentlicht. Und was gibt es zu hören? Erstaunlicherweise genau das, was man von den beiden kennt. JESU-Musik und SUN-KIL-MOON-Gesang. Tatsächlich verhält es sich so, dass hier, trennt man Musik vom Gesang, zwei Welten aufeinandertreffen.

Während Broadrick lupenreine JESU-Songs geschrieben hat und diese in stilistisch markanter und bekannter Manier vorträgt, legt Kozelek seine ausladenden Lyrics über die Songs. Und genau hier liegt ein großer Knackpunkt, der nicht einfach zu händeln ist. Er singt nicht zu den Broadrick-Songs, sondern er quatscht sie dicht. Sorry, für diese abwertende Beschreibung, aber es dürfte bekannt sein, dass sich Kozelek seit geraumer Zeit regelrecht weigert zu singen. Diese Verweigerung gipfelt darin, dass er seine sehr großzügig erzählten Geschichten in einer stellenweise sehr monotonen Sprechstimme vorträgt, die nur selten so etwas wie eine Melodie erkennen lässt, geschweige denn sich an die melancholische Musik schmiegt.

Leider sipelt es dabei dann auch nur eine untergeordnete Rolle, ob die Texte gut bzw. interessant sind (sie sind es!), da der Gesamteindruck ziemlich anstrengend ist, durch das nahezu pausenlose Getexte. Als Gipfel der Nervenaufreibung kommt hinzu, dass die Stimme Kozeleks sehr laut ausgesteurt ist und die Musik teilweise fast schon überlagert. Ob das nun wirklich so gewollt ist oder lediglich seinem Ego zuzuschreiben ist, 'damit man die Texte besser verstehen kann', sei dahingestellt. Man kommt an der Frage jedenfalls nicht vorbei, ob Mark Kozelek das wirklich ernst meint. Vermutlich schon. Ob das Resultat nun haarsträubend schlimm oder künstlerisch wertvoll geworden ist, sollte jeder für sich entscheiden.

Bezüglich der Musik stellt sich die Frage, ob hier altes JESU-Material verwendet wurde, welches bislang aufgrund mangelnder Originalität in der Schublade verstaubte oder ob die Sachen tatsächlich, ausschließlich und etxra für diese Kollaboartion geschrieben wurden. Wie dem auch sei, letztendlich spielt das keine Rolle, denn auch altes beziehungsweise bislang unverwendetes Zeugs kann man zu neuer Klasse auf- und umpolieren; wenn man es denn macht.

Dass Broadrick ein großer Shoegazer ist, hat er bereits ausgiebig gezeigt und bewiesen, das allerdings, was er als musikalischen Grundstock für Kozelek bereitgestellt hat, lässt sch bestenfalls im qualitativen Mittelfeld ansiedeln. Nicht falsch verstehen, die Musik, die Songs sind OK,; nein, nicht gut, aber eben OK. Sie klingen halt nicht wie hochkarätiges Material. Sie besitzen auch nicht das Potential, für sich alleine gestellt, also ohne den Gesang, ausgesprochen gut zu wirken. Alles klingt ein wenig wie Hintergrundmusik, wie Begleit-Sound, um den Texten Kozeleks eine musikalische Untermalung zu bieten. Sollte dies auch die tatsächliche Vorstellung der beiden gewesen sein, ist ihre Rechnung aufgegangen. Wenn sie geplant haben, dass beides auch für sich glänzt und das Beste beider Welten vereinen soll, dann ist es mehr als legitim, dies infrage zu stellen. Viel zu selten finden Musik und Stimme zueinander.

Am Ende bleiben viele Fragezeichen, enttäuschte Gesichter und etwas Verwirrung übrig, welche übrigens alle leider nicht vertont wurden…

5/10

» Jesu / Sun Kil Moon

INFO-BOX
Künstler Jesu / Sun Kil Moon
Titel Jesu / Sun Kil Moon
Format Album
Länge 10 Tracks | 79:39
Label Caldo Verde Records
21.01.2016

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