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Jesu – "Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came"

26. Juli 2014 | Matthias | Musikrezensionen | 1.090 mal gelesen

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Hypnotische Melancholie

Jesu - "Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came"Man konnte es im Grunde im Vorfeld der Veröffentlichung nicht wirklich ahnen, in welche Richtung dieses Album gehen würde. Der Vorgänger "Ascension" wirkte im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen bereits reduzierter, die Dichte der Produktion wurde ebenfalls heruntergeschraubt, alles klang ein wenig einfacher und echter, weg von der Elektronik, weg vom künstlich komprimierten Sound, hin zu mehr Weite und mehr Authentizität insgesamt. Ein Blick zurück zum Debütalbum oder zu "Infinity" machen die Unterschiede, die Wandlung des Sounds von JESU sehr deutlich. Eine persönliche Vermutung von mir ist, dass sich Justin Broadrick deshalb soundmäßig zurückgenommen hat, weil er seit einiger Zeit zusammen mit seinem Kumpel G.C. Green GODFLESH wieder zum Leben erweckt hat und er nun dort die druckvollen Produktionen fahren kann. JESU bedient somit die Aspekte der klanglichen Weite und melancholischen Träumereien.

Ebenfalls eine kleine Korrektur gab es in der Struktur der Songs. Auf "Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came" sind nur fünf Titel enthalten, von denen jedoch nur "Grey Is The Colour" mit rund viereinhalb Minuten eine normale Länge besitzt. Der Opener "Homesick", das zweite Stück "Comforter" sowie das Titelstück bewegen sich dann schon zwischen sechs und siebeneinhalb Minuten Länge und werden nur noch von der Krönung des Albums, "The Great Leveller", mit über 17 Minuten Spielzeit getoppt. Inhaltlich bleiben sämtliche aggressiven Töne, die man teilweise von JESUs früheren Alben und EPs her kennt, außen vor. Es gibt also keine Erinnerungen an "Heart Ache", "Silver" oder "Conqueror". Vielmehr werden hier ausschließlich fließende, harmonische und auch leicht disharmonische aber durchweg melancholische Melodien bedient, zu denen Broadrick mit verhallter Stimme singt. Seine nachdenklichen, latent depressiven, an sich zweifelnden Texte wirken durch die vorzügliche Klangkulisse umso gezielter und intensiver.

Langgezogene, sich oft wiederholende Melodiebögen, die man fast schon in die Ecke Drone oder Ambient stecken kann, laden dazu ein sich fallen zu lassen und für die Dauer der Albumspielzeit alles andere hinter sich zu lassen. Durch die starke hypnotische Wirkung der Musik lässt sich "Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came" vorzüglich am Stück genießen. Die langen Lieder kommen einem irgendwann gar nicht mehr so lang vor. Es passiert inhaltlich, also von der Menge an Riffs und Veränderungen, gar nicht mal so viel mehr als in Stücken kürzerer Dauer, da alles eher gestreckt und gezogen wird, bis der gewünschte Effekt der Weite und Losgelöstheit erreicht wird. Es ist vielmehr die Atmosphäre, die einen einlullt, mitreißt und die Zeit vorbeifliegen lässt. Die perfekte Musik also, um einmal alles hinter sich zu lassen.

Ob man am Ende nun den Stempel Post-Rock, Ambient, Drone oder doch irgendwas mit Industrial drunterpappt ist eigentlich völlig egal, Fakt ist, dass dieser Weg, den Broadrick mit JESU eingeschlagen hat, ein sehr intensiver und nahezu einzigartiger ist. Liebhaber der Band und Freunde von losgelösten, fast schon surrealen Klangbildern sollten mit diesem Album auf jeden Fall einen Trip wagen.

8/10

» Jesu

INFO-BOX
Künstler Jesu
Titel Everyday I Get Closer To The Light From Which I Came
Format Album
Länge 5 Tracks | 42:39
Label Avalanche Recordings
24.09.2013

Leserwertung:

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