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Jesu – "Conqueror"

26. Dezember 2009 | Matthias | Musikrezensionen | 2.275 mal gelesen

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Tiefe Emotionen

Jesu - "Conqueror"Nach der EP "Silver" von 2006, die etwas vielschichtiger klang als das erste selbstbetitelte Album aus dem Jahre 2005, wurde mit "Conqueror" ein weiterer wichtiger und richtiger Schritt nach vorne vollzogen und der Sound von JESU um einige Elemente erweitert.

Als erstes fällt sofort auf, dass "Conqueror" nicht durchgehend von lavaartigen Soundwänden gestützt wird, wie es noch auf dem selbstbetitelten Debut-Album der Fall war, sondern rhythmisch und auch melodisch deutlich abwechslungsreicher erscheint. Dominierten früher fast ausschließlich schwere Rhythmen und langsame, zäh fließende Klangkonstruktionen, besticht "Conqueror" durch abwechslungsreiche Arrangements und kleine, aber feine Veränderungen im Sound-Gefüge.

Der Opener "Conqueror" und das darauffolgende "Old Year" sind zwei schwere und schleppende Tracks, die zunächst eher durch die differenziertere Produktion gegenüber dem Debütalbum auffallen. "Transfigure" ist dann mit einem losgelöst erscheinendem Beat bestückt, den man sicher nicht so ohne Weiteres erwartet hat, während "Weightless & Horizontal" dagegen eher deutlich zurückhaltender und leise erscheint. "Medicine" erinnert durch die harten Gitarrenriffs und das schwere Drumming erst stark an GODFLESH und lediglich der klare und freundliche Gesang lässt von diesem Gedankengang wieder absehen. Es folgt das schleppende und traurige "Brighteyes" und das wieder deutlich positiver wirkende "Mother Earth". Den Abschluss bildet "Stanlow", ein erneut losgelöstes Stück, das ein wenig Hoffnung in den ansonsten durchgehend schwermütigen Sound von JESU transportiert.

Es gibt so viele Bands, deren Ziel es ist, brachial und energetisch zu sein, den Hörer in den Schwitzkasten zu nehmen und ihm sinnbildlich die Gelenke zu verdrehen, aber Musik, die es schafft, intensive Emotionen zu verbreiten und  dabei authentisch zu erscheinen, existiert definitiv nicht wie Sand am Meer; und genau hier liegt die Stärke von JESU.

Das Gespann Justin Broadrick, Ex-SWANS-Drummer Ted Parsons und Basser Diarmuid Dalton hat ein fantastisches Gespür für weiträumige Sounds und atmosphärisch dichte Kompositionen. Nicht das Riff allein steht im Vordergrund oder ein eingängiger Refrain, der sich zwingend vom Rest des Songs abheben muss, sondern die Gesamtheit des Liedes muss funktionieren. Es soll Feeling transportiert werden, ein Gefühl, eine Emotion, ein kleiner Tod für sich.

Unterstützt wird die Musik vom ebenfalls perfekt integrierten Gesang Broadricks, der sich, für alle die es kennen und sich erinnern, an den klaren Gesang von GODFLESH orientiert. Hall, lang gezogene Silben und melancholische Tonfolgen runden das depressive Erscheinungsbild ab, verbinden sich mit der Musik zu einem regelrechten Klagewerk und versetzen den Hörer nachhaltig in eine Art Trance.

Eine klare und nuancierte Produktion tut das Übrige, um die wummernden Bässe und die Gitarren perfekt in Szene zu setzen. Hier passt einfach alles zusammen! Müsste ich diese Musik in Bilder ausdrücken, könnte ich mir folgendes Szenario vorstellen: Du stehst auf dem Sims eines Hochhauses im 70sten Stock, der lauwarme Wind umweht schmeichelnd die nackte Haut. Du schaust hinunter in den Moloch der Großstadt und wieder hinauf in den klaren Himmel der Sommernacht und versuchst zu ergründen, warum alles um dich herum überhaupt geschieht, warum genau jetzt und hier. Ein melancholisches, aber entspanntes Gefühl von Endzeitstimmung umarmt deine Seele. Eine Reise endet und eine neue beginnt….

"Conqueror" ist ein Werk der tiefen Emotionen. Perfekt, um eine Reise ins eigene Ego anzutreten und es zu ergründen. Perfekt, um alles Alltägliche für eine Stunde hinter sich zu lassen, um der Welt für eine Weile den Rücken zu kehren und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Man sollte diese Chance nutzen!

9/10

» Jesu

INFO-BOX
Künstler Jesu
Titel Conqueror
Format Album
Länge 8 Tracks | 57:58
Label Hydra Head Records
02.02.2007

Leserwertung:

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1 Kommentar zu Jesu – "Conqueror"

ME
3. Januar 2010

Jesu saves! Ein Meisterwerk.

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