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Isis – "Wavering Radiant"

7. März 2010 | ME | Musikrezensionen | 2.768 mal gelesen

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Auch in Amerika baut man atemberaubende Brücken

Isis - "Wavering Radiant"Das permanente Touren mit TOOL hat seine Spuren hinterlassen bei den US-Post-Rockern von ISIS. Die Songs wurden länger, komplexer, Growls und Klarvocals wurden variabler gestreut. Kult sind sie spätestens seit "Oceanic", ihrem Zweitwerk von 2002. "Wavering Radiant" haben sie ihre neue, fünfte CD genannt. Der Opener "Hall Of The Dead" mischt die unzugängliche monolithische Härte von Felsgestein des Monument Valley mit der Atmosphäre von knarrenden Stahltauen im Hafen von New York (oder Rotterdam). Akustische Einschübe und klare Stimmen führen uns gerne aufs Glatteis oder sollte man sagen auf stählerne Geländer der George Washington Bridge. Da geht es uns ähnlich mit ihren Genrekollegen von TRANSMISSION0 oder CULT OF LUNA. Weit schweifen ISIS in die sie umgebende Landschaft; den Song behalten sie jedoch immer im Auge. Die dezent angedeuteten Hammond-Vibes und Sludge machen aus dem Einführungstrack ein zackig aufgebautes und dennoch fließendes Songungeheuer von spartanischer, nicht authentischer Schönheit.

"Ghost Key" beginnt schwebend, swingend, luftig. Schwere Growls dröhnen, dann wieder diese Leichtigkeit, wieder böser Gesang… Das Tönen von sich windendem Stahl, Materie, welche zum Zerreißen überspannt ist, schräge Breaks mit harsch-anklagenden verzerrten Vocals unterstützt von sehr prägnantem Heavy-Riffing brechen sich Bahn, walzen über uns hinweg. Dagegen ist Doom ein Witz, ein schlechter. Wo Doomer aufhören, da fangen ISIS noch lange nicht an. Sie setzen den Anfangspunkt in die unvollendete, karstige, unbequeme Soundlandschaft, lassen Töne und Sprache sich entwickeln, Schritt für Schritt. "Hand Of The Host" spielt lässig mit beinahe einlullenden Klängen; klar, dass im Anschluss ein granitener Chorus über uns hereinbricht. Während Doom-Bands nur noch albern mit ihrem Slow-Motion-Einheitsbrei wirken und vergilbte plakative Umschlagbilder zum Leben erwecken wollen, sind die Zauberkünstler von ISIS beseelt von den dunklen Flecken im Fotoalbum, von den fehlenden, herausgenommenen (von wem?) Abzügen des kollektiven Familiengedächtnisses. Das ist unbequemer und kann weh tun. OPETH und HIMINBJORG fallen mir als musikalische Verwandte ein, nicht so sehr stilistisch als vielmehr was den Aufbau unheilvoller "Blair-Witch"-Atmosphäre betrifft. "Hand Of The Host" ist wirklich sehr bedrohlich, gerade auch das verzerrte Finale.

Der Titelsong "Wavering Radiant" ist mehr ein akustisches Zwischenspiel und stimmt auf "Stone To Wake The Serpent" ein, welcher sehr hart, laut und dennoch melodisch aufgebaut ist. Der Groove und die seltsamen Bass- und Drumfiguren verwirren, führen jedoch nicht im Zickzack durch den Track. Im Gegenteil, das Basisriff bleibt uns erhalten, swingend lassen wir uns treiben, begleitet von Aaron Turners Klarstimme. Hervorzuheben auch die tollen, verspielten, verwinkelten und dennoch wirkungsvoll einrahmenden elektronischen Farbtupfer von Bryant Clifford Meyer. Die Hammond lässt sich auch nicht unterkriegen, sehr schön! "20 Minutes – 40 Years" beginnt ruhig, verhallte Gitarrenleads stehen schon bereit, auszuschwärmen. Jeff Caxide, der Bassist, leistet allerhärteste Arbeit, dem Track Konturen zu verleihen. Denn trotz der Leichtigkeit gilt: Schweiß muss fließen. Gitarrist Mike Gallagher türmt wieder und wieder Massen von dunklem Riff-Gestein in wild-verschraubten Formationen in schwindelerregende Höhen, welche unseren Blicken entgleiten. Nicht jedoch unseren Ohren.

"Threshold Of Transformation" bildet das Finale von "Wavering Radiant". Einen netten TOOL-Part haben sie da in ihr kleines Drama eingebaut. Höhenangst sollte man keine haben, und wer sich auf ISIS einlässt, sollte keine Fahrstuhlmusik erwarten oder einen permanenten Ritt auf Endorphinen. Glück ist zumeist kurz, vergänglich und dennoch gerade deshalb so begehrt. Die Schönheit lauert; Fassade um der Verkleidung willen wie im Black Metal oder blindes Geholze ohne Sinn und Verstand wie im Death Metal finden wir an diesem Orte nicht. Hier wird die Welt zerlegt, in ihre Facetten, neu zusammengesetzt und wieder durchgeschüttelt wie in einem Kaleidoskop. Eine Klasse-CD. Wem PELICAN, RED SPAROWES, GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR, JESU oder obengenannte Bands zusagen, der muss hier reinhören. Ach was, holt euch die CD einfach auf meinen Rat hin, so!

9/10

» Isis

INFO-BOX
Künstler Isis
Titel Wavering Radiant
Format Album
Länge 7 Tracks | 54:23
Label Ipecac Recordings
09.05.2009

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (8 Wertungen, Ø 8,75 von 10)
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3 Comments zu Isis – "Wavering Radiant"

Matt Sick
4. Mai 2009

Cooles Album, wenn auch "Panopticon" nach wie vor mein Fave bleibt. Für die nächste Veröffentlchung sollten sich ISIS aber mal ein paar Gimmicks überlegen, denke ich, vor allem gesangstechnisch. Für meinen Geschmack haben sie zb das Gebrülle langsam ausgereizt. Singen lernen? Bitte Beispiel an MASTODON nehmen! Ansonsten ein ordentliches bis gutes Album, wie gewohnt von ISIS! 7/10

Aschtarot
26. Mai 2010

Geniales Album! Der perfekte Sound! Leider, denn das veranlaßte die Band leider zur Auflösung. Es gab wohl nichts mehr zu entdecken für sie! Ihre LPs und EPs sprechen für sich, schade nur, dass alles gesagt zu sein scheint!

Matt
8. März 2011

Das ist die typisch ISISche Schwerheit! Ein bärenstarkes Album, das mir mittlerweile gleich nach "Panopticon" am (zweit)besten gefällt. Genial! 9/10

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