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Insomnium – "Across The Dark"

31. August 2009 | ME | Musikrezensionen | 1.923 mal gelesen

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Gleichzeitig Frühling und Herbst

Insomnium - "Across The Dark"Dass ich eine Vorliebe für variablen Metal der atmosphärischen Sorte habe, dürfte den meisten inzwischen bekannt sein. PARADISE LOST, DARK TRANQUILLITY, OPETH, THROES OF DAWN und eben INSOMNIUM spielen (neben einigen anderen) diese facettenreiche, um Experimente nicht verlegene sehr melancholisch-dunkle Musik, welche intelligent arrangiert, farbenreich instrumentiert und technisch sehr fein umgesetzt ist. INSOMNIUM hatten seit jeher neben ihrer metallischen Schlagseite eine Vorliebe für akustische Klänge, geflüsterte Passagen und sehr eindringliche Growls, welche nicht brutal, sondern eher altersweise tönten, beseelt vom Auf- und Ab des Lebens.

"Across The Dark" führt den Faden der letzten Veröffentlichungen fort. Helle Gitarrenleads duellieren sich kontrastreich mit den Grunts von Sänger Niilo Sevänen. Passagenweise spielen INSOMNIUM mit Doom, Dark Metal und schwerem Rock. Neu hinzugekommen sind klare Vocals nicht geflüsterter Art in zwei, drei Chorussen. Wie bewährt, stehen Euphorie, Enthusiasmus und Lebensfreude in direkter Nachbarschaft zu Niedergeschlagenheit, Deprimiertheit, Melancholie. ENSIFERUM gehen ähnlich vor, wenngleich kindlicher, draufgängerischer, naiver alten Zeiten verbunden und natürlich musikalisch eher vom Königsschloss einhergaloppierend.

Der Opener "Equivalence" überrascht mit überlangem akustischem Intro; erst am Ende des Tracks wird Gesang eingesetzt; Laut-Leise-Dynamik und die permanente Steigerung Schicht um Schicht führt uns in den schillernden Kosmos aus hintergründiger Folklore und atmosphärischem Death Metal. "Down With The Sun" behält den Kurs bei: glasklar produziert schälen sich Umrisse aus dem burlesken musikalischen Relief; man muss genau zuhören, um die Feinheiten aufnehmen zu können. Der Chorus ist erhaben, majestätisch; das schneebedeckte Hochgebirge, zu welchem wir erschauernd aufblicken, zieht uns magisch an, denn unten im Tal ist Sommer. Im Gegensatz zu "Since The Day It All Came Down" setzten INSOMNIUM weniger auf dieses Wechselspiel aus naturnahem Gewisper in Verbindung mit akustischen Intermezzi, sondern lassen die Kontraste mehr ineinander fließen: die Enden der Parabel rücken zusammen. Das scheint auch das CD-Cover auszudrücken: Natur und Stadt im Hintergrund verhalten sich symbiotisch, das Individuum wirkt alleingelassen, steht still (unschlüssig?) im See, bedroht, bedrohlich; wir betrachten es durch die Linse einer Kamera oder durch eine Autoscheibe. Ein eingefrorener Augenblick, wir fragen uns, wie wird sich die Situation weiterentwickeln? Depression? Oder doch Hoffnung?

"Where The Last Wave Broke" lebt von seinem melodischen Refrain; Growls und männliche Klarvocals bilden ein formidables Duett. Auch in "The Harrowing Years" setzen INSOMNIUM auf klare Stimmen im Refrain; Frühling und Herbst können gleichzeitig stattfinden, man höre selbst. Wir erleben Verzweiflung, Trauer und gleichzeitig unbändige Lebensfreude. "Against The Stream" bietet in der Strophenphase ausufernd Speed, die Leads flirren, der Groove reißt uns mit, die Auflösung erfolgt durch einen orgiastischen Chorus. Obwohl im Refrain ins Midtempo zurückfallend, lassen wir erschöpft die Luftgitarre zu Boden sinken… Doch es geht noch weiter, also wieder hoch die Klampfe.

Das überlange, wie in einzelnen Kapiteln aufgebaute "The Lay Of Autumn" ist einfach nur grandios; diese Art Songs sind die Spezialität von INSOMNIUM. Klarstimmen in der Strophenphase und filigrane finnische Folklore, welche sich durch die Hintertüre einschleicht und ohne Felle, Hörner oder Schwerter auskommt, tragen den ausgeklügelten Track über akustische Schluchten, schwere Rifflandschaften und reißende Flüsse aus verwirbelnden Noten. Herbst hält Einzug; Erntezeit, die Stürme werden kommen, bald. "Into The Woods" erinnert durchaus auch an ältere IN FLAMES, wobei naturgemäß Stanne näher ist als Friden. Die sich verästelnden Soli und die Leads bieten der Instrumentalfraktion einigen Boden, sich ordentlich auszutoben. Die druckvollen, fintenreichen Drums und der stets pumpende Bass führen ein Eigenleben und dienen dennoch dem Gesamtkonzept.

Das finale durch Streicher eröffnete "Weighted Down With Sorrow" wird durchzogen von einer sehr einprägsamen Hookline; hier setzen INSOMNIUM auf Eingängigkeit; OPETH zu "Blackwater Park"-Zeiten oder die legendären WITHERED BEAUTY sind hier nicht weit. Die Folkpassage ist trefflich in den Song integriert. Okay, man merkt, ich stehe drauf. Aber INSOMNIUM sind auch weit besser, kreativer, musikalischer als andere Kombos aus ähnlichen Bereichen. Das muss man entsprechend würdigen. Und noch etwas: Diese Musik MUSS laut gehört werden!

9/10

» Insomnium

INFO-BOX
Künstler Insomnium
Titel Across The Dark
Format Album
Länge 8 Tracks | 46:23
Label Candlelight Records
07.09.2009

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (9 Wertungen, Ø 7,78 von 10)
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