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Heresy – "Face Up To It!"

28. November 2015 | Matthias | Musikrezensionen | 1.143 mal gelesen

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It's not shit! It's f***in' good ol' Hardcore Punk from the UK

Heresy - "Face Up To It"Ende der 80er Jahre wurde der Grindcore, bzw. Hardcore vollkommen anders definiert als heutzutage. HERESY waren seinerzeit eine der führenden Bands in diesem Genre und haben neben NAPALM DEATH, RIPCORD, DISCHARGE, EXTREME NOISE TERROR, CONCRETE SOX, STUPIDS und einigen anderen die Fahnenstange des Hardcore Punk am höchsten gehalten. "Face Up To It!" erschien 1988 und gehört sicherlich zu den besten Hardcore-Alben dieser Epoche, obwohl die Band selbst es erstaunlicherweise nie wirklich mochte. "Face Up To It – It's Shit" war ihre Aussage hinterher dazu. Es hatte, der Zeit entsprechend, auch einen recht guten modernen (!) Sound. Man darf hier natürlich keine fetten Sound-Granaten erwarten und Plastik-Triggerdrums, aber es geht in diese Richtung. Das Schlagzeug wurde definitiv im Studio überarbeitet, denn vollkommen natürlich klingt es nicht, aber dafür rödeln die Gitarren gut dazu und der Sänger röchelt und schreit mit klarer aber aggressiver Stimme zu jedem Song, bis die Adern am Hals austreten.

Meistens im Uptempo-Speed knattern HERESY ihre Stücke runter und versprühen dabei nicht nur Hardcore-Feeling der alten Schule mit Grindcore-Ansätzen, sondern auch eine gehörige Menge ungestüme Punk-Power. Zudem waren dies mit die ersten Ansätze einer englischen Band, stilistisch leicht in die U.S.A. rüber zu schielen, wo bereits Bands wie SIEGE ihr mehr oder minder erfolgreiches Unwesen trieben. Wenn man heutige Hardcore-Bands hört (und ich meine Hardcore, nicht so einen komischen Metal-Mischmasch!) und HERESY sowie die oben genannten Bands, merkt man ganz klar, woher diese ganzen jungen Stöpsel ihre Einflüsse beziehen.

Ein weiteres spannendes Element bei HERESY und anderen Bands aus ihrer Zeit ist, das alle irgendwie irgendwas miteinander zu tun hatten. Der Bassist von RIPCORD spielte Bass auf "Face Up To It!", Musiker von UNSEEN TERROR und NAPALM DEATH wechselten hin und her zu HERESY und zurück und irgendwie war die damalige Hardcore-Szene in England eine Inzestfamilie, die aber trotz aller Wechsel stets gut funktionierte und harmonierte.

Das Entscheidende an "Face Up To It!" ist, dass dieses Album vorzüglich den Zeitgeist der End80er wiedergibt. Es wurde nicht über Monster, Kannibalen-Nonnen oder Weltraumherpes gesungen, sondern fast ausschließlich politische und soziale Themen standen im Mittelpunkt der Musik, was zudem ein Antrieb für den wütenden und vor allem ehrlichen Ausdruck der Musik war. Aufrichtiger kann man Hardcore eigentlich kaum spielen.

Für wichtig halte ich noch anzumerken, dass HERESY gar nichts (aber auch rein gar nichts!!!) mit dem modernen Hardcore gemein haben, wie man ihn heute versteht. Hier gibt es nicht ein einziges reines Metal-Riff oder Groove-Geschrubbel, hier gibt es ausschließlich ordentlich was auf die Zwölf, und zwar bis der Arzt kommt. Nix mit "Motherfucker" oder einen auf dicke Hose und Goldkettchen. Gegen die Energie von HERESY und ihren damaligen Brüdern können nahezu alle jüngeren Bands ihre Sachen packen und wieder zu Mami auf den Arm krabbeln.

"Face Up To It!" wurde 2006 mit einigen Bonus Tracks über Boss Tuneage erstmalig separat auf CD veröffentlicht. Bislang gab es das Album nur auf der HERESY-CD-Compilation "Voice Your Opinion", zu der es ein Schwester-Release gibt mit dem Namen "Visions Of Fear", auf dem die restlichen musikalischen Ergüsse der Band verewigt wurden. Mittlerweile haben sich Boss Tuneage (Website) sämtlichen alten Aufnahmen HERESYs angenommen und diese in 3 Staffeln, sprich auf 3 verschiedenen CD's veröffentlicht.

8/10

INFO-BOX
Künstler Heresy
Titel Face Up To It!
Format Album
Länge 10 Tracks | 31:40
Label In Your Face Records
1988

Leserwertung:

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