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Heaven And Hell – "The Devil You Know"

28. April 2009 | ME | Musikrezensionen | 1.696 mal gelesen

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Dehumanizing The Sign Of Heaven

Heaven And Hell - "The Devil You Know"Die Alben von BLACK SABBATH mit Ronnie James Dio gehören (inzwischen) zum bekanntesten, was diese Band produziert hat, trotz oder gerade wegen Ozzys Abwesenheit. Als ich vor 25 Jahren als Zweijähriger "Children Of The Sea" hörte, fand ich das Gitarrenriff nach den akustischen Eingangsakkorden unglaublich. Alete, Spinat und Milchfläschchen wurden alsbald (nicht nur bei mir) durch Jack Daniels, Pommes Schranke (Mano Cornuto war nur eine Frage der Zeit) und Dannemann ersetzt und leisteten einer fortan glücklichen persönlichen Entwicklung Vorschub. Die LP's "Heaven And Hell" und "The Mob Rules" waren richtig fein, wer denkt nicht gerne an "Voodoo", "The Sign Of The Southern Cross", "Neon Knights" oder "Lady Evil" zurück. Zehn Jahre später gab es eine Reunion und das Album "Dehumanizer", welches gut ausfiel, aber sperriger, moderner tönte und den Drachen außen vorließ. Nun gibt es also 16 Jahre später das zweite Comeback Iommis mit Dio, "The Devil You Know", welches allerdings unter dem Banner HEAVEN AND HELL veröffentlicht wurde, da die Band u.a. Ärger mit trunksüchtigen Ex-BLACK SABBATH-Mitgliedern bekommen hätte.

Wie also hören sich BLACK SABBATH, ich meine natürlich HEAVEN AND HELL nun 2009 an, nachdem in den letzten 30 Jahren namhafte Vocalisten wie Ozzy, Dio, Ian Gillan, Toni Martin und Glen Hughes ihre Stimmbänder strapazierten und die Akzente durchaus unterschiedlich setzten? Nach den ersten Durchläufen muss man sagen, "Dehumanizing The Sign Of Heaven" wäre ein passender Titel. Obwohl, der Teufel, den wir bereits kennen, trifft es ebenso. Man könnte auch sagen, die Band blieb sich treu und klingt Anno 2009 weit weniger rau als 1992; dennoch, auch Vibes aus dieser ersten Comeback-Phase sind enthalten. Vor allem die Achtziger erscheinen in (quasi-)neuem, etwas stumpfem Glanze. Neuere CANDLEMASS könnten sich freuen, hätten sie ein Riff wie im Opener "Atom  & Evil" hinbekommen. Der Gesang tönt charismatisch, schräg, ein wenig an Ozzy erinnernd, nicht zum letzten Male übrigens. Heavy, melodisch, doomlastig senkt sich der schwere Stein auf die Grabstätte. Solo, Harmonie, Akkorde, Vocals, Leads, Bassfiguren und drückende Drums, sämtliche Ingredienzen sind der "Heaven-And-Hell-" und "The-Sign-Of-The-Southern-Cross"-Episode entlehnt.

"Fear" zeigt, dass die Gitarrenwände immer gleichberechtigt zum Gesang plaziert werden, kontrastierend und begleitend, je nach dem, wohin der Kompass sich dreht. Toll, was Altmeister Iommi immer noch für einprägsame Licks spielt. Und immerhin gibt es inzwischen 4500 Doom-Riffs. Dennoch gelingt es ihm, immer zum Rock (ich meine die Musik) schielend, stets aufs neue interessante sägende Akkorde einfacher prägnanter Natur aus im Grunde bekannten Zutaten zu kreieren. Und die Chorusse sind weit besser als die der Konkurrenz, denn da sind H & H einfach songschreiberisch inspirierter. Aber auch noch magisch? Die Strophenphase von "Bible Black" erinnert uns (zu sehr) an die von Dio schon immer so gerne mit viel Pathos und Magie intonierten Akustikorgasmen von früher. Nicht schlecht, aber doch ein Selbstplagiat. Growl doch mal, Dio, möchte man beinahe rufen und nachdrücklich die Pommesgabel schwenken.

Das Midtempo regiert auch das sehr forsch und heavy vorgetragene "Double The Pain", das in der Strophenphase allerdings allzu bekannten Gesang bietet. Über die Schlagwörter "Torture", "Anger", und "Demons" gelangen wir in den erneut als äußerst markig zu bezeichnenden Refrain. "Rock And Roll Angel" huldigt zunächst dem US-amerikanischen Markt; eher unspektakulär und gar nicht düster verliert sich die Band im riffenden Rock, um dann, Überraschung, einen gewaltig berührenden akustischen Chorus und ein ultrasuperbes traditionelles Iommi-Solo in das Finale des ehrlich gesagt ziemlich lendenlahmen Songrahmens zu plazieren. Die Basslinie und der Spannungsaufbau vor der Lead-Eruption im nachfolgenden "The Turn Of The Screw" erinnern uns wieder einmal stark an den Track "The Sign Of The Southern Cross", eine Vorlage, auf die Dio und Co. immer wieder gern bzw. auf dem neuen Album viel zu oft zurückgreifen.

Der kurze Track "The Mob Rules" stand Pate für das mit Speed vorgetragene "Eating The Cannibals". Atmosphärische Orgeltöne hören wir in "Follow The Tears", ein Hammeriff und Gesang, stark an Ozzy orientiert; Hymne, Hypnose, Hexensabbath, allerdings fehlt mir auch hier die Seele;  der Track wirkt künstlich, etwas verhalten. "Neverwhere" (die Soli sind gut) balanciert zwischen eintöniger Melancholie und aufbrandendem Enthusiasmus; das Finale "Breaking Into Heaven" schiebt Akkorde zäh wie Lava in die Ebene und tönt im Grunde wie der Opener. Der Drachenjäger hält theatralisch schwarzen Sabbath. Da es keine Blasphemie gibt, dürfen alle Teilnehmer der Veranstaltung Christen bleiben, was beruhigend wirkt. Und die Moderne spielt kaum eine Rolle, allerdings schleichen sich in den letzten Songs immer mehr kleine Querverweise zum grantigen "Dehumanizer" ein.

Der stellenweise doch etwas zu routiniert wirkende Dio hätte durchaus auch mal seine Strophengesangslinien wenigstens in Nuancen variieren dürfen, aber gut, er zählt nunmehr 67 Lenze und steht für immer auf die guten alten "RAINBOW-Rising"-Zeiten und genretypische hohe Hard Rock-Vocals. Iommi ist der Erfinder dieser schleppenden Licks; auch er wird nie mehr woanders hin abdriften; die Zeit der Klassiker ist allerdings vorbei. HEAVEN AND HELL kopieren ihre guten Momente und konstruieren etwas „quasineues“ daraus. Passagenweise ist es nett gemacht, aber den Staub der Jahrzehnte, und ich meine nicht den der Wüste, wird "The Devil You Know" niemals los, was schnell zu Abnutzung und Langeweile führen kann.

6/10

» Heaven And Hell

INFO-BOX
Künstler Heaven And Hell
Titel The Devil You Know
Format Album
Länge 10 Tracks | 54:12
Label Rhino Records / Roadrunner Records
28.04.2009

Leserwertung:

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