• Napalm Death – „Smear Campaign“Mit etwas Abstand kann ich ganz eindeutig sagen, dass dieses Album einen der allerbesten ND-Tracks an Bord hat. „Sink Fast Let... (Matthias)
  • U2 – „No Line On The Horizon“Nach langer Zeit mal wieder aufgelegt. Was für ein Müll! Es tut fast schon weh, U2 in diesem Zustand zu hören (der sich bis heute leider... (Matthias)
  • David Bowie – „★“ (Blackstar)Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister... (ME)

Groombridge – "Panic: We Are Hanging Here…"

27. Februar 2013 | Bastian | Musikrezensionen | 2.173 mal gelesen

Tags: , ,

Große Rockkunst

Habe ich den Schweizern Unrecht getan, als ich sie bis vor kurzem noch als Indie-Rocker tituliert habe? Mögen sie nicht. Akzeptiere ich ob der Schwammigkeit des Begriffs. Und nach einigen Durchläufen ihres Neulings "Panic: We Are Hanging Here…" verstehe ich auch, warum sich die Jungs näher am großen Bruder Alternative Rock sehen als bei College Rock Pionieren oder den Bands, die den Kanal voll hatten von Post-Punk und Synthpop. Derlei Zutaten hört man bei GROOMBRIDGE nicht, dafür eine gerade zu herausfordernde Offenheit, die dem Hörer allerdings mehr zu bieten hat, als ihm abverlangt.

Wie schon auf dem Vorgänger "Customers From Hell" verfolgt die Band alles, bloß keine klare Linie. Wer einen ganzen Sack voll Ideen hat, sollte ihn ausschütten und nicht rationieren, als wäre wieder die Zeit der Lebensmittelmarken angebrochen. Genau das machen sie, und deshalb ist jeder Song eine kleine Welt für sich und – so hingerissen bin ich von dem gutem Stück – auch ein kleines Goldstück. Es fehlt mir schwer, hier konkrete Songs rauszupicken, ohne nicht gleich alle mitnehmen zu wollen.

Der Einstieg mit "Follower" macht schon klar: Eingängig kriegt ihr woanders, aber doppelt soviel Melodien. Schräg spielen sie teilweise auf, und breitbeinig in den Refrains, so wie bei "Bad With Names". Da werden dann auch gern die Regler der Gitarren fast auf 11 getreten. "Lacking Hope", ein weiteres Beispiel für diese herrlichen Arrangements in den Refrains, so als würde sich die Band hier direkt für große Arenen empfehlen wollen. Man muss nicht immer gleich Stadion Rock spielen, um so ein Klangspektrum zu erreichen, selbst mit deutlich progressiven Tönen und komplexeren Strukturen ist da einiges möglich.

Schön auch die zahlreichen Kontrastwechsel – "Dancer In The Park" spielt verdammt gut auf, danach folgt das titelgebend hypnotische "Hypnotic" mit zaghaften, mystischen Linien und einem Bass, der sich zielstrebig in die Gehörgänge schlängelt, den ganzen Körper infiziert, bis selbst die Beine beim Einsatz des treibenden Schlagzeugs kein Halten mehr finden. Spätestens hier zündet das Album mit leuchtenden Funken.

Auf "In The Woods", welches in ein sehenswertes Video gekleidet wurde, folgt mein persönlicher Favorit, mein persönliches Top-Detail auf diesem so detailreichen Album: "There Are Trees".

Das Teil schwebt, schwingt, bebt, elektrisiert – Gänsehaut pur. Und dann dieser ekstatische Höhepunkt, der meinetwegen gleich 20 Minuten so weitergehen könnte. Aber vielleicht wäre der Sound von GROOMBRIDGE dann irgendwann so gewaltig, dass er wie ein Neutronenstern kollabieren würde. Jedenfalls: Irres Stück, keine Diskussion!

Was die Band hier auf dem Album geschaffen hat, sind nicht einfach nur Kompositionen, sondern echte Rock-Dramaturgie. "At Dawn: We Betray The Liars" oder auch "Let The Clowns Moan" sind Glanzstücke mit denen GROOMBRIDGE zeigen, wie man spannende Songs schreibt, die viel zu erzählen haben und den Hörer viel zum Entdecken geben. Kann man unmöglich "einfach mal so hören", und deshalb scheren sich die Schweizer auch nicht um irgendwelche Fertigmaße und Erwartungen.
Einen geradezu epischen Abschluß findet das Album dann mit "The King", mit dem sie sich nochmal deutlich zu den alten, großen Alternative-Helden hochschwingen. Ja, spätestens hier hat man's endlich begriffen, warum Indie Rock anno 2013 eine völlig unangemessene Kategorie für GROOMBRIDGE ist. Alternative Progressive Rock Art triffts da schon eher.

» Groombridge

Beim LP-Cover darf auch der Herr mal etwas abhängen…

INFO-BOX
Künstler Groombridge
Titel Panic: We Are Hanging Here...
Format Album
Länge 11 Tracks | 45:32
Label Eigenproduktion
04.01.2013

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (3 Wertungen, Ø 9,33 von 10)
Loading...


Ähnliche Artikel:
» Groombridge – "Customers From Hell"
» The Gathering – "The West Pole"
» Jolly – "Forty-Six Minutes, Twelve Seconds Of Music"
» Muse – "The Resistance"
» Seven Sound – "Beautiful Illusion"
» Ampersphere – "Blue Amperience"
» Artificial Superstition – "Artificial Superstition"

No comments yet.

Leave a comment

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *