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Godflesh – "Post Self"

24. März 2018 | Matthias | Musikrezensionen | 170 mal gelesen

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Pioniere mit Blick in die Zukunft

Godflesh - "Post Self"Nachdem bekannt wurde, dass das Comeback-Album "A World Lit Only By Fire" (2014) keine einmalige Sache bleiben sollte, durfte man gespannt darauf warten, was sich Justin Broadrick und sein Weggefährte G.C. Green dieses Mal einfallen lassen würden. Geht es einfach weiter auf bewährte GODFLESH-Art oder greifen die beiden mal wieder in die Trickkiste? Nun, letzteres sollte der Fall sein. Hält man sich dazu noch einmal "A World Lit Only By Fire" intensiv vor Augen bzw. Ohren, dann wird einem im zweiten Gedankengang vielleicht deutlich, warum das Duo nicht einfach mit seinem bewährten Rezept weiter macht, auch wenn sich viele vielleicht darauf gefreut haben. Broadrick und Green verlassen die Komfortzone zugunsten künstlerischer Freiheit, was "Post Self" zu einer Überraschung macht, denn es klingt so unerwartet wie nie zuvor.

Zunächst erhält man möglicherweise einen gemischten Eindruck. Vorbei sind die Zeiten der superharten Riffs und kalt stampfenden bis donnernden Beats, des tief brummelnden Bass und des aggressiven bzw. melancholischen, mit Hall unterlegten Gesangs. Die zehn Songs wirken wie Remixe imaginärer Lieder der Band. Es fällt schnell und deutlich auf, dass die Musiker Abstand von einem klinischen Drumsound genommen haben. In jedem Stück klingen die einzelnen Elemente des Drumcomputers anders. Zudem wurden massenweise Effekte über das Schlagzeug, die GItarren und den Gesang gelegt, was vermutlich der Auslöser dafür ist, dass man den Eindruck bekommen könnte, es mit Remixen zu tun zu haben. Unterm Strich ist es dann genau dieser Umstand, der das Album so interessant macht und der es von den vorherigen Werken so sehr abhebt.

Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde propagiert, dass es nach Post-Punk klingen und deutlich zurück zu den Wurzeln der Band gehen würde. Bei genauerem Hinhören darf der Begriff Post-Punk mit wenigen Ausnahmen außer Acht gelassen werden, der Schritt zurück zu den Wurzeln ist allerdings nicht verkehrt beschrieben, wobei dazu ganz eindeutig moderne Stilelemente einfließen, wie eben die unterschiedlich programmierten Beats und deren Sounds. "Post Self" ist also ein Album, das alt und neu miteinander verwebt.

Auffallend ist, dass fast alle Stücke eine tiefe Atmosphäre besitzen. Manche wirken regelrecht gespenstisch, mindestens jedoch futuristisch, fast schon postapokalyptisch. Dies erreicht das Duo mit kompositorischer Tiefe und offensichtlicher oder versteckter Melancholie, aber natürlich auch mit den großen Klangwänden, die immer wieder errichtet, ausgeweitet und dann langsam wieder eingerissen werden. Die hohe Anzahl an verwendeten Effekten erledigt dann den Rest, um jedem einzelnen Lied eine besondere Atmosphäre einzuhauchen.

Ein weiterer Punkt, der auffällt ist, dass der Gesang überhaupt nicht auf das klassische Strophe-/Refrain-Muster fokussiert ist. Genaugenommen waren die Texte bei GODFLESH fast immer eher kurz und es wurden meist nur wenige Worte gezielt eingesetzt, um maximal wirken zu können. Auf "Post Self" hat man den Eindruck, dass es ausschließlich nur Text gibt, ohne Hauptteil oder prägnante Wiederholungen in Form eines (Schein-)Refrains. Dieser Umstand lässt jeden Song wie eine mit Text/Gesang belebte Klanglandschaft erscheinen, was eine Herausforderung, jedoch auch einen Reiz ausmacht.

Insgesamt lässt sich behaupten, dass "Post Self" experimentell ausgefallen ist und GODFLESH von einer ganz anderen und auch neuen Seite zeigt. Ob hierbei die Zusammenarbeit mit KHOST als Inspirationsquelle diente, lässt sich nur vermuten. Auf jeden Fall ist das Album alles andere als Stagnation geworden. Mit der Fanbrille könnte man einmal mehr von Pioniergeist sprechen, da die Grenzen wieder einmal erweitert wurden. Broadrick ist dafür natürlich bekannt und beliebt und zeigt dadurch auch, dass er als Musiker noch viel zu sagen hat und nach wie vor imstande ist, der bekannten Musik neue Nuancen hinzuzufügen.

» Godflesh

INFO-BOX
Künstler Godflesh
Titel Post Self
Format Album
Länge 10 Tracks | 46:38
Label Avalanche Recordings
17.11.2017

Leserwertung:

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