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Finntroll – "Nifelvind"

2. März 2010 | ME | Musikrezensionen | 1.763 mal gelesen

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Die mit den Trollen tanzen

Finntroll - "Nifelvind"FINNTROLL aus dem Lande der tausend Seen müssen weit größere Erwartungen als andere Drachenbootverfechter erfüllen, wenn sie ein neues Album veröffentlichen. Denn zahlreiche Bands des Viking-Genres integrieren Folkpassagen in ein Korsett aus schwarzem Metall und rudern sozusagen in Trendgewässern. Wir erinnern uns, das Debüt von FINNTROLL war seinerzeit einer der Wegbereiter dieser Bewegung. Leider gelang es nur den Gründervätern der Bewegung, zu denen ich neben FINNTROLL bei aller Verschiedenheit auch EINHERJER, ENSIFERUM, MOONSORROW, MANEGARM, THYRFING und vielleicht noch KORPIKLAANI zählen möchte, Folkloreparts stimmig in härtere Musik zu integrieren. Inzwischen bedienen sich ja auch Mittelalterbands immer mehr dieser erfolgsträchtigen Mischung, zu der sowohl gefeiert wie gekämpft werden kann; und Pagan entstand im Grunde erst aus der Mixtur der Stile und mutierte zu einem der anspruchslosesten Segmente im Metalsektor.

Daher müssen FINNTROLL das Besondere bieten, wenn sie erstgenommen werden wollen. Das bedeutet: Songs clever so zu arrangieren, dass Feierlaune nicht zu simpel musikalisch umgesetzt wird ("Schunkelmetal") und andererseits der dunklen finnischen Seele genügend Raum bleibt, in düstere Waldregionen zu entschwinden und in Zwergenhöhlen schwarzen Stahl zu schmieden. Der Vorgänger "Ur Jordens Djup" schaffte diesen Spagat. Und "Nifelvind"?
Das neue Album eröffnet trollish mit einem seltsamen Intro, welches Orientalik opulent mit "Heja-Heja"-Chören mischt. "Solsagan" knüppelt überraschend heavy; harsch bellt der Frontmann, die Melodien zelebrieren Jagdgalopp. Bei aller Eingängigkeit bleiben Kanten, das ist gut. Überdreht tanzen FINNTROLL sich in den finalen Rausch, schon am Beginn des Albums. Breaks, klassische Passagen, welche mich sehr an das METALLICA-Experiment mit Orchester erinnern umrahmen das kleine Drama, welches sich nicht ohne Enthusiasmus vollzieht. Dasselbe gilt auch für den verschachtelten Song "Mot Skuggornas Värld".

"Den Frusna Munnen" (immer wieder drollig, diese Titel!) zeichnet farbige Percussions und eigenwillige Drumfiguren in die von Trollen bevölkerten Höhle. Sparsam dosierte Licks werden effektiv, rhythmisch wiederholt eingesetzt: so kann Atmosphäre aufgebaut werden. "Ett Norrskensdad" vollführt farbige Folklore. Auch "I Tradens Sang" zeigt, dass FINNTROLL auch ganz andere Musik machen könnten, reinen Black Metal ebenso wie Rock oder stille Musik. Das facettenreich arrangierte Mini-Epos "Tiden Utan Tid" (russische Chöre?) bestätigt das Gesagte. Ich möchte nicht soweit gehen, zu behaupten, dass sich FINNTROLL in die stillen Holzakustik-Gefilde von TENHI vorwagen könnten, aber sie sind viel besser als die Konkurrenz. Die überdrehte Spieluhr erinnert eher an alte DIMMU BORGIR und verzichtet auf den Zirkus solcher Bands wie SIGH. Klare Vocals begegnen uns in der Folkballade "Galgasng". Es erinnert ein wenig an ihre Landsleute ENSIFERUM, was FINNTROLL da veranstalten, Banjo, etwas Western-Atmosphäre. Es gibt auch zunehmend Parallelen zu MOONSORROW. Die Härte des schwarzmetallischen Stahlskeletts der Tracks bildet immer einen Kontrast zur Melancholie der heimatlichen Melodien. Dadurch gleiten FINNTROLL im Gegensatz zu vielen Konkurrenten nicht ins Kitschige ab.

Es gibt noch einen Song zum Mitgrölen, der nennt sich "Under Bergens Rot". Die verbleibenden Lieder mischen die Zutaten bunt durcheinander; das Album ruft dem Hörer immer zu: "Spiel mich laut, noch lauter, es geht noch mehr!" Das tue ich gerne. Es folgt das  dunkle, kaleidoskopartige "Fornfamnad"; das Schlagwerk tönt wieder durchtrieben bunt, das Orchester überthront fein die Hooks. Das in der Halle des Bergkönigs aufgenommene, ziemlich überdrehte und mit gemeinen Gesängen ausgestattete "Drap" schmiedet das Schwert des Fafnir. Und so höre ich dann das Finale der CD "Under Dvargens Fot": Swingend tanzen die Finnen begleitet von Hammonds und Akkordeonklängen an den gebannten Trollen von Moria vorüber und nutzen die Ablenkung der Zwerge fein, um sämtliche soeben von selbigen fertig geschmiedeten Schwerter Huckepack zu nehmen um sodann mit ihrer Beute im Drachenboot am Horizont zu verschwinden.

8/10

» Finntroll

INFO-BOX
Künstler Finntroll
Titel Nifelvind
Format Album
Länge 11 Tracks | 50:37
Label Century Media
17.02.2010

Leserwertung:

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