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Enslaved – "Riitiir"

20. Februar 2013 | ME | Musikrezensionen | 2.161 mal gelesen

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Die Magie kommt von allein

ENSLAVED hatten ja vor zwei Jahren mit "Axioma Ethica Odini" ein wahres Meisterwerk veröffentlicht, ein weiteres neben "Isa". Nun gehen sie mit "Riitiir" noch weiter, agieren sperriger, verschrobener, komplexer. Und sie bleiben ihrer Tradition treu, auf ein eher glatteres ein verschachtelteres Album folgen zu lassen.

"Thoughts Like Hammers" eröffnet den düsteren Kosmos mit der Mischung aus Black Metal und Indie-Rock, welche wir ja zu schätzen wissen. Growls (welche sehr gemein tönen) und Herbrands progressive Gesänge liefern sich ein tapferes Scharmützel. Gut ist, dass Grutle nicht locker lässt; seine harschen Gesangsbeiträge bilden einen trefflichen Kontrast zum eher optimistischen Herbrand.
Ivar Bjørnson spielt so facettenreich Gitarre wie selten; er beherrscht diverse Stilrichtungen und das zeigt er auch. "Death In The Eyes Of Dawn" beginnt opulent, weit geht es hinaus, die Halle des Bergkönigs wartet. Das Album ist heavier als die Veröffentlichungen zuvor, aber auch vielseitiger. Die Pole werden noch stärker ausgereizt. Grutles Gesang ist böser und Herbrand wandelt noch mehr im Lande des Siebziger-Rock.

Die Härtegrade sind hoch, die Strukturen der Tracks trotz Ihrer verschlungenen Komposition nachvollziehbar. Leicht machen sie es dem Hörer allerdings nicht immer. Warum auch. Anfangs hatte der Schreiber sich im norwegischen Dickicht verirrt. Doch nach und nach begann er zu entdecken. Und das Album ist wieder superb! Tolle Soli, seltsame Breaks, Melodien, welche man noch nie gehört hat und ein feines Verständnis für Spannungsbögen zeichnet dieses Album aus.

Manchmal apokalyptisch, dann wieder sanft verführend schlängelt sich dieses kantige Monster durch die Wildnis. "Veilburner" ist zunächst kratziger Black Metal mit rockigem Groove im Hintergrund, dann öffnet sich der Blickwinkel. Toll, wie ENSLAVED das machen. Indie-Rock vom feinsten mit sehr melancholischer, aber hoffnungsvoller Schlagseite lässt durchatmen, dann singen beide Vocalisten gleichzeitig, das ist richtig Gänsehaut erzeugend. "Roots Of The Mountain" setzt diesen harschen Kurs zwischen den Polen fort. Härter als alles Vorherige entstehen wirre Bilder vor unseren Augen, Raben, Wolkenfetzen, entvölkerte Landschaft. Sie erinnern hier an OPETH. Seltsam verwunschen melancholisch und dann wieder das plötzliche Auftauchen des Biests, welches immer in der Nähe lauerte. Verzweiflung und unendliche Traurigkeit schaffen eine beklemmende Atmosphäre.

Die Zerrissenheit hält an. Titeltrack "Riitiir" säbelt mit Metalriff und verhaltenem Klargesang. Grutle tönt fieser als auf den Alben vorher. Mainstream wird so nicht gemacht und nicht erreicht, das ist klar. Die Black Metal-Parts sind altruistischer, dorniger als zuletzt. Die hypnotisch-hämmernden Schlagzeugpassagen machen aus "Materal" eine Art Trance, eine düstere Prophezeiung. Wenn Grutle "Echo Chamber" intoniert, ist das dunkle Glück vollkommen. "Storm Of Memories" tönt verwirrend instrumental, bevor erneut archaischer Black Metal die Führungsrolle übernimmt. Herbrand entführt spiralförmig in die Sicherheit warmer Gemächer, dann meldet sich der böse Zauberer. Böse? Vielleicht auch weise. Wie auch immer, die wie Raben hackenden Gitarrenlicks sind jedenfalls richtig gemein.

Ein seit Jahrzehnten nicht mehr gehörtes Piano ertönt in unserer Erinnerung und wir sind mitten drin im Finale "Forsaken". Diese CD ist weit härter, experimenteller und vielschichtiger als die Vorgänger. Dennoch, ENSLAVED legen immer wieder vertraute Spuren aus, zaubern eine Portion Groove und Heavyness neben all die innovativen Klangspielereien. Manches strebt auseinander, wird jedoch nach diversen Serpentinen wieder zusammengeführt und verläuft dann in eine Richtung, geradewegs, um den nächsten Berg in Augenschein zu nehmen.

Dieses Album muss man anhören. Nicht nebenher. Eher so, wie wir das mit ISIS, TRANSMISSION0 und ALICE IN CHAINS tun. Leidenschaftlich mithören. Auf Entdeckungsreise gehen. ENSLAVED sind wie ein Paket zu Weihnachten. Genau weiß man nicht, was einen erwartet. Sie haben sich etwas einfallen lassen und man muss es sich erschließen. Die Magie kommt von allein.

» Enslaved

INFO-BOX
Künstler Enslaved
Titel Riitiir
Format Album
Länge 9 Tracks | 67:17
Label Nuclear Blast Records
28.09.2012

Leserwertung:

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