• Napalm Death – „Smear Campaign“Mit etwas Abstand kann ich ganz eindeutig sagen, dass dieses Album einen der allerbesten ND-Tracks an Bord hat. „Sink Fast Let... (Matthias)
  • U2 – „No Line On The Horizon“Nach langer Zeit mal wieder aufgelegt. Was für ein Müll! Es tut fast schon weh, U2 in diesem Zustand zu hören (der sich bis heute leider... (Matthias)
  • David Bowie – „★“ (Blackstar)Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister... (ME)

Enslaved – "E"

19. Oktober 2017 | ME | Musikrezensionen | 205 mal gelesen

Tags: , , , , ,

Of forests, hidden landscapes and memories of mystery

Enslaved - "E"Eine neue ENSLAVED ist wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Die norwegische Band hat zuletzt ja eigentlich nur grandiose Alben produziert. Ihr gelang spätestens seit "Isa" stets, was andere sich nicht trauten oder was sie gar nicht erst umsetzen konnten, Innovation, Komplexität und harte Klänge zu verschmelzen. Sie setzt archaischen Black Metal wuchtig und kontrastreich in Szene, flankiert von harmonischen, flächigen, pyschedelischen Keys und nebulösem Gitarrengewaber.

Das 14. Studioalbum nennt sich ganz einfach "E". Einfach? Nicht mit ENSLAVED. Der mutige, weil komplexe und lange Opener "Storm Son" fährt zunächst Vogelgezwitscher, den Ruf der Altvorderen, Pferdewiehern um dann einige Minuten bedächtig durch den Schnee zu mäandern. Ein granteliger Grutle krächzt "Miseryyyyyy", "Entityyyy", "Mortalityyyy", vom neuen Håkon Vinje immer wieder mit klaren Vocals kontrastiert. Seine nicht nasale, eher schwebend-leichte und fein ausbalancierte Stimme ist ideal geeignet für die progressiven Parts. Der Song wird stürmischer, nun ist Grutle richtig wütend, der Sommer ist vorbei, Pfeile am Horizont, graue Wolken oder ist es die Armee der Untoten? Fragen über Fragen, der "Storm Sun" lässt sicht nicht beeindrucken. Aus dem Holz der "Olden Domain" fein geschnitzt setzt es erst einmal kräftig Blitze und Feuer in Richtung wolkiger Mysterien.

"The River's Mouth" kommt schnell zur Sache, verschluckt werden in gemein sich offenbarenden Strudeln all jene, welche uns das Lagerfeuerchen ausblasen möchten. Der Chorus erinnert an VOIVOD, an die "Panorama"-Phase. Bei aller Experimentierfreudigkeit hauen uns ENSLAVED immer noch Schwarzwurzelsud um die heißen Öhrchen. Nicht, ohne ihre Hinwendung zu HAWKWIND, PINK FLOYD und KING CRIMSON immer wieder hervorzuheben, reliefartig, ein gleichzeitig ablaufender Fries archaischer Logik. Sie haben die Mischung raus, man muss es sagen. Und das Ende, das rauschende Finale des Songs, treffen sich da Breughel der Ältere und Hieronymus der Mutige in orgiastischen musikalischen Klangfarben?

"Sacred Horse" startet fies, Black Metal, giftig vorgetragen, wandert in Richtung Blair Witch, wobei es durch unwirtliche Anfurten geht. Unheil schwingt hier mit, doch dann zaubert Håkon einen warmherzigen Hammond-Teppich darüber, ganz DEEP PURPLE, was die Laune steigen lässt und mal ehrlich, so übel ist es nun auch nicht, an Ruinen vorbeizutrailen, denn man kann doch immer was mitnehmen zum eigenen Gebrauch. Hier wird Wert auf ein beschwörendes, eindringliches Finale mit melancholisch-folkloristischem Touch gelegt.

"Axis Of The World" eröffnet rifforientiert, wer Angst hatte, Grutle würde nicht mehr herumgiften, der irrt. ENSLAVED spielen Black Metal Jazz auf höchstem Niveau, ohne progressives Geplänkel, in dem sich OPETH manchmal verlieren, welche ja auf metallische Kontraste und Growls zuletzt (leider) verzichteten. Die Hammonds swingen rockig, wovon sich der Rest der Band insoweit beeindrucken lässt, nun noch grimmiger zu instrumentieren. Geil, haha!

Beinahe indiemäßig und erhellend flockt "Feather's Eohl" in den heimatlichen Forst. Hier erahnen wir, dass menschliche Behausungen in der Nähe sein müssen, es wird urban, tatsächlich sind Nordmänner echte Lebewesen. Der Songaufbau und der Klargesang sind beinahe hitverdächtig. Nun, natürlich im Rahmen der Progression natürlich, simpler Rock und Lalala geht anders. Schräges Intro, ein Ritual beinahe, dann erblicken wir großartige Architekturen, Ausblicke, Brücken und dazwischen Menschen, emsig, ernst, aber auch offenen Blickes. Eine fragende Passage, ein Bächlein durchmisst die steinernen Wälle "From Behind The Suuuuuuun". Raum und Zeit treffen auf Mythen, konzentrische Kreise, Spacerock lebt sich aus, es darf einer geraucht werden. Großes Kino!

Noch ein Highlight: "Hiindssight" kombiniert Doom, Riffing und sensationelle Saxophonklänge, was sehr an Good Old AMORPHIS erinnert, welche das auch einst in ihren Sound integrierten. Das Solo frischt den flächigen Sound auf, setzt eigene Klangtupfer. Bass und Drums drücken unermüdlich, Düsternis bleibt, The Loneliness Of The Long Distant Warrior. Ein schwebender Ausklang, auch Gifticks müssen einmal das müde Haupt zur Ruhe betten.

Bonus "Djupet" gibt uns noch einmal Blackmetal in Vollbedienung, ENSLAVED ziehen unermüdlich nach vorn, Schneegestöber und Pfeilregen inbegriffen; in der Mitte ein OPETH-artiges Break. "What Else There" ist ein gelungenes RÖYKSOPP-Cover, welches die sanfte, alternative Seite der Band betont.

Besser können ENSLAVED nicht sein.

» Enslaved

INFO-BOX
Künstler Enslaved
Titel E
Format Album
Länge 8 Tracks | 62:08
Label Nuclear Blast Records
12.10.2017

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (4 Wertungen, Ø 8,25 von 10)
Loading...


Ähnliche Artikel:
» Ensiferum – "Two Paths"
» Enslaved – "Ruun"
» Enslaved – "Riitiir"
» Månegarm – "Nattväsen"
» Finntroll – "Nifelvind"
» Galar – "Til Heimsens Endar"
» Mistur – "Attende"

No comments yet.

Leave a comment

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *