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Ensiferum – "Unsung Heroes"

13. November 2012 | ME | Musikrezensionen | 2.803 mal gelesen

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Finnischer Regenbogen

Wenn die enthusiastischen Finnen von ENSIFERUM ein neues Album präsentieren, sind die Erwartungen sehr hoch. Sie hatten sich ja verändert zuletzt, hin zum soundtrackartigen, epischen Breitwandformat. "Unsung Heroes" würde also eine Weiterentwicklung bringen, davon konnte man ausgehen. Das Intro "Symbols" erklingt ruhig, klassisch, Weite, Fanfaren und eine wie immer etwas ins Kitschige spielende Melodie entführen in den Finsterforst. Hier hatte Keyborderin Emmi ihre Zauberhände im Spiel. "In My Sword I Trust" eröffnet dann hymnisch, im Midtempo. Peters Gefauche, ein Chor zum Mitgrölen, ein wenig ENNIO MORRICONE im Hintergrund und beinahe unmerklich haben wir aufgesattelt, die Schellen klingeln, Glöckchen und Geflirre überall, denn wir schließen uns der Band an, durchs Immergrün des endlos goldenen Hains. Wenn dann das Finale des Tracks mit dieser gemeinen Gesangspassage eingeläutet wird und diese tolle, wahnsinnig schöne Folkmelodie ertönt zu Schlachtendrums, ist die Erhabenheit grenzenlos, auch das Glück. Auch beim kantig-knackig gespielten shanty-artigen Part danach. Und merke, wenn olle Lindroos will, kann er schon fies intonieren!

"Unsung Heroes" gibt sich ebenso melancholisch und optimistisch zugleich, wie wir es ja an dieser Kombo und einigen anderen aus Suomi so mögen. Das Biest, ein männlicher Chor, mittelalterliche Atmosphäre, auch etwas Westminster Cathedral. Inzwischen sind wir am Fluss, sehen in die Ferne bläuen, golden der Hall der Hufe, grün und rot flattern die Fahnen, welche wir in juveniler Begeisterung und regressiv berauscht schwenken. ENSIFERUM feiern das Leben, trotz ihrer eigenartig-düsteren Texte. Kantele, Flöte, Harfe, Hammond und andere Instrumente steuern feine Passagen zum fröhlichen Gelingen bei. Immer wieder faucht Petri wie Gandalf, wenn er voller Stärke und Tatkraft "Du kannst nicht vorbei" ruft. "Burning Leaves" enhält Akustikpasssagen wehmütigster Note, dann geht es in den Jagdgalopp.

Diese ersten Songs sind ein Einstieg vom Feinsten. Man muss sie laut spielen und hören. Und dann das Ende von "Burning Leaves". Der finnische Part ist so dermaßen cool, kaum zu beschreiben. Dann Klopfen, ein Solo, Gänsehaut. Da ist man schon mal platt! Und ENSIFERUM wären nicht ENSIFERUM, wenn sie nicht noch einige Experimente einbauen würden. Die gibt es im zweiten Teil in einer Themen- und musikalischen Vielfalt, dass man kaum mitkommt. "Celestial Bond" wartet mit der Stimme einer Gastsängerin auf. Eine Waldfee bezaubert am Lagerfeuer, denn inzwischen sind wir am Tor der Altvorderen angelangt. Und dort pausieren wir. Lieblich trällert Laura. Gefällt mir weit besser als NIGHTWISH und Konsorten. Vielleicht weil die Stimme nur begleitet wird und Bombast hier fehlt. "Retribution Shall Be Mine" erinnert daran dass wir aufpassen müssen, denn auch hier sind gemeine Schergen unterwegs. Kurzer Ausfall, nichts passiert, zurück in den Kreis. Nichts passiert? Nun, eine kleine Double-Bass-Attacke, ein harscher Track mit Schmackes, der die Gemüter schnell beruhigt. Einer der härtesten von ENSIFERUM bisher, etwas an die zweite CD von NORTHER erinnernd vielleicht. Und mit sehr feinem Keybordgeorgel von Emmi.

"Star Queen (Celestial Bond Part II)" setzt die stillere Atmosphäre fort, welche nun, man höre und staune, bis zum Ende beibehalten wird. Folkloristisch, manchmal an ältere BLIND GUARDIAN erinnernd, aber nicht so hektisch und überfrachtet agierend, geht es am Lagerfeuer heroisch zu. In "Pohjola" wird wieder gefaucht, denn das Leben ist kein Glöckchenspiel, im Chorus wird es beinahe russisch, was Seele und Pathos angeht. Eine gesprochene Passage und allmählich wird mir auch klar, warum DIE APOKALYPTISCHEN REITER Kumpels von ENSIFERUM sind. Die kommen später ja noch zu einem witzigen Einsatz.
An "THE POGUES" erinnert der nächste Song, denn der Gesang klingt genauso drunk to hell. Es ist Nacht geworden, da wird enger zusammengerückt, die Barden sind leiser. Völlig unerwartet, dass ENSIFERUM solche Mucke machen können. Shane würde es gefallen, ein schiefes Lächeln wär uns gewiss, und das ist ja stets wie Ostern und Weihnachten zusammen. Der Krieger atmet noch ein kurzes Weilchen, dann wandert er in die ewigen Jagdgründe.

Mit "Passion, Proof, Power" beschließt das längste je von der Band geschriebene Stück die CD. Hier bieten ENSIFERUM eine Vielfalt an Stilmitteln, Instrumenten und Stimmlagen auf, dass man sich erst einmal ordnen muss. So erging es mir mal mit "Satans Fall" von MERCYFUL FATE. Oder den MOONSORROW-Epen. Diesen Song werde ich nicht beschreiben, nur soviel: es lohnt sich ihn zu entdecken. Denn zwei Grundmotive werden immer wieder, in variierter Form, aufgegriffen. Etwas Prog ist dabei, einmal erinnern sie glatt an DREAM THEATER, dann, wenn die Opernsängerin eingreift, wird es klassik-rockig, mit Gothic-Touch, dann hagelt es kurz Morgensterne, auch ein oder zwei schwarze Pfeile. Und die Marktplatzszenerie, der ulkige Dialog mit Volk-Man, Ady und Fuchs von DIE APOKALYPTISCHEN REITER ist wirklich kultig, wenn es da nach lustigem Dialog heißt: "Wer spielt denn heut?" "ENSIFERRRRIIIUM und FINNTRRRROLLLL aus Finnland" "Ja wunderrrbar." Klar, Bombast, Kitsch und monumentale Epik muss man abkönnen, aber wir sind ja aus Stahl, oder? Jedenfalls sehr unterhaltsam und zum Feiern stimmend, das Ganze. Und neben der ganzen ernsten, postrockigen, jazznahen und instrumentalen Musik, die Old-Stendahl so hört, ist das DIE Alternative zum Ausklinken. Ach ja, die Zugabe? "Bamboleo" von den GYPSY KINGS. Noch Fragen?

» Ensiferum

INFO-BOX
Künstler Ensiferum
Titel Unsung Heroes
Format Album
Länge 11 Tracks | 66:15
Label Spinefarm Records
27.08.2012

Leserwertung:

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