• Napalm Death – „Smear Campaign“Mit etwas Abstand kann ich ganz eindeutig sagen, dass dieses Album einen der allerbesten ND-Tracks an Bord hat. „Sink Fast Let... (Matthias)
  • U2 – „No Line On The Horizon“Nach langer Zeit mal wieder aufgelegt. Was für ein Müll! Es tut fast schon weh, U2 in diesem Zustand zu hören (der sich bis heute leider... (Matthias)
  • David Bowie – „★“ (Blackstar)Meine Zustimmung, absolut! Geniales Album, seltsame Stimmung, androgyn, enthoben, warm, jazzig, mit sensationellem Pop-Appeal, wenn der Meister... (ME)

Ensiferum – "One Man Army"

22. Februar 2015 | ME | Musikrezensionen | 1.066 mal gelesen

Tags: , , ,

Let The Feast Of Burden Begin

Ensiferum - "One Man Army"Pünktlich zum Frühling 2015 kommt die neue ENSIFERUM. Klingt nun "One Man Army" genauso verkopft und überambitioniert wie der Vorgänger? So überfrachtet und etwas verheddernd im zweiten Teil? Zunächst einmal muss man feststellen, dass ENSIFERUM sich wieder härter präsentieren. Es gibt wieder mehr Growls, mehr Speed und mehr Power. Damit nicht genug. Denn das Orchestrale wurde verfeinert. Steht nicht so sehr für sich. Frauenstimmen, akustische Breaks, heroische Zwischenspiele und erhabene Chöre gibt es immer noch, jedoch nicht mehr so überbordend und flächig hintereinander. Auch etwas Progressivität wurde wieder beigemengt, seltsamer Kontrast eigentlich zur bekannten Ennio Morricone-Western-Kitsch-Kämpfer-Attidüde.

Los geht es mit dem typischen Akustik-Intro, was auch für "Wanderer Part II" getaugt hätte. "Axe Of Judgement" hämmert dann hart vors Kettenhemd. Lindros geifert, der Song hält sich nicht wirklich an das Strophe-Chorus-Schema. Die Melodie vor dem Chorus, kennen wir die? Jo, das tun wir. Erhaben, wild, frühlingshaft. Das "Oooh-Oooo" führt ans Lagerfeuer, man ist laut, muss sich Mut antrinken und herumgrölen. "Heathen Horde" ist heavier, der Chorus eingängiger, das liebt man an ihnen, wenn es weiter geht durch den Finsterforst. Grün, gold, Schellengeklingel, Kampf eher selten, mehr zu Pferde durch den Wald preschen und allen zeigen, "hey, guckt mal, mein neues Schwert, cool, wa?".

Das ist regressiv, ein wenig infantil und stimmt dennoch fein. Denn nie sind ENSIFERUM fies, sie spielen mit den Genre-Zutaten. Mixen, was ihnen Spaß macht, zusammen. Kann auch mal nach Musical, Disney oder Spaghetti-Western tönen. Sie wecken sozusagen das Kind im Manne. Die Welt ist zusammengeschrumpft auf kindliches Spiel. Fantasy, Folk, wilde Jagd und Verstecken. Das mag man albern finden. Und dennoch, sie kennen die Regeln. Denn immer verlockt irgendwo ein Hauch Progressivität, konterkariert ein Kontrast, blinkt etwas auf, denn sie sind ja nicht nur Minnesänger und Barden, sondern auch experimentierfreudig.

"One Man Army" senst wieder wüst durch's grüne Unterholz. Lindros faucht wie ein Skelett von der Black Pearl, die Chöre erinnern an wilde Mannsbilder von Russen, wenn die in ekstasehafter Verzückung in höchste Euphorie geraten. Apropos Mann: ENSIFERUM sind maskulin pur. Aber nicht in antiemanzipatorischem Sinne. Sie spielen. Brechen aus. Verqirlen, was ihnen in den Sinn kommt. Und das sind auch Frauenvocals. Denn die Zauberin muss einfach auf den Plan. Absehbar, dass sie Trost spendet, das ist ihre Rolle, ihr Auftritt. "Burden Of The Fallen" hätte "The Wanderer Part III" werden können, wenn es nicht nur eine Art Zwischenspiel wäre. Im Gegensatz zum letzten Album geht ihnen diesmal nicht vor lauter Enthusiasmus die Luft aus. Denn "Warrior Without War" bringt Finnen, Russen und Ennio Morricone an ein Lagerfeuer. Diese Songs sind ihre Stärke. Opulent, orientalisch, bombastisch. Hier sprinten sie im Jagdgalopp am grünenden Ufer entlang, die schwarzen Schergen in Sichtweite. ENSIFERUM sind unverwundbar und sicheln mittendurch. Das hebt die Stimmung.

"Cry Of The Earthbound" baut die Führung im Gesamtklassement aus. "A Day At The Opera", sozusagen, Hammonds inklusive. Hier kommt auch die gute Fee zum Einsatz. "Two Of Spades" eröffnet furios, um dann in eine Art 70er Disko-Beat umzuschlagen, "Uuuuh-Aaah" (ohne Frank Farian) gibt es für umme dazu, bevor der Track heroisch endet. "My Ancestor's Blood" führt episch ins Finale. Spricht da Gandalf? Die Schergen sind zerstreut, wir müssen zurück zur Burg. Steht die überhaupt noch? Ach du Sch…. Da wir uns in einem Film bewegen, ist alles grün bei Ankunft daheim. Wildschweinbraten, Met und Zöpfe allerorten, herzliche Begrüßung, das Schwert wird abgelegt, nicht ohne es noch einmal fein im schrundigen Händchen zu wiegen. "Descendants, Defiance, Domination" erzählt vom Husarenritt. Leute, Gesinde, Kämpfer, Burgfräuleins und struppige Kids feiern Ausnahmezustand. Die Altvorderen sind begeistert, Met und Wild berauschen. Der außerordentlich coole Folksong "Neito Pohjolan", zeigt, wir haben einen intus. Let the feast of burden begin.

9/10

» Ensiferum

INFO-BOX
Künstler Ensiferum
Titel One Man Army
Format Album
Länge 11 Tracks | 53:05
Label Metal Blade Records
20.02.2015

Leserwertung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne6 Sterne7 Sterne8 Sterne9 Sterne10 Sterne (Noch keine Leserwertungen vorhanden)
Loading...


Ähnliche Artikel:
» Ensiferum – "From Afar"
» Ensiferum – "Two Paths"
» Suidakra – "Crógacht"
» Ensiferum – "Unsung Heroes"
» Thyrfing – "Hels Vite"
» Glittertind – "Landkjenning"
» Falkenbach – "Tiurida"

No comments yet.

Leave a comment

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *